Es ist 11.20 Uhr. An der Hauptpost in Coburg warten mehrere Personen auf den Bus, der eigentlich bereits in diesem Moment nach Seßlach abfahren soll. Aber: Er ist noch nicht da. Vier Minuten später kommt der Bus schließlich angerollt. Noch sitzt kein Fahrgast darin, denn die Tour des Busses beginnt erst hier. Wie es dann aber schon zu der Verspätung kommen kann, ist seltsam.
An der zweiten Station der Route sind es dann schon fünf Minuten Verspätung, die auf dem Display des Busfahrers angezeigt werden. Einige Passagiere steigen ein, manche von ihnen mit einem mürrischen Brummen. Derweil fährt der Bus, der mittlerweile schon sechs Minuten im Verzug ist, nach Altenhof.


Umleitungen und Baustellen

Dort wartet die erste Umleitung auf der Strecke, die aber in der Fahrzeit eines Busfahrplans grundsätzlich nicht berücksichtigt werden können. An der Baustellenampel springt die Verspätungsanzeige auf achteinhalb Minuten. Die zweite Baustelle wartet in Tambach - und die Anzeige steht nunmehr auf zwölfeinhalb Minuten. Zwischen den einzelnen Ortschaften versucht der Fahrer, die verlorene Zeit zumindest ein bisschen einzuholen. Aber mehr als 80 km/h sind bei unserer Testfahrt nicht drin. Wenn im Bus, wie in jüngster Zeit immer öfter, Mitfahrende stehen müssen, weil es zu wenig Sitzplätze für die Fahrgäste gibt, darf ein Bus sogar nur 60 km/h fahren. Dann rennt dem Busfahrer erst recht die Zeit davon. "Warum lassen die dann keinen zweiten Bus auf dieser Strecke fahren, wenn der erste Bus so überfüllt ist?", fragt sich im Gespräch ein Fahrgast.
In Seßlach angekommen ist es bei den zwölfeinhalb Minuten Verspätung geblieben. Der Marktplatz wird neuerdings auch angefahren. In Zeitlupe und voller Vorsicht passiert der Fahrer die Stadttore. Gerade so passt der 3,21 Meter hohe Bus durch die Pforten.


Engstelle in Seßlach

Vor dem Durchgang warnt ein Schild: drei Meter, höhere Gefährten dürfen eigentlich gar nicht durch. Aber der Bus ist sozusagen eine Maßanfertigung. Trotzdem steht noch nicht fest, ob diese doppelte Marktplatz-Runde dauerhaft beibehalten wird. Die Testphase dauert an.
Mit reichlich Verspätung erreicht der Bus schließlich die Seßlacher Schule. Doch statt nun wieder zum Friedhof zu fahren und zurück nach Coburg, ist der Fahrer laut neuem Plan angewiesen, den Weg zurück über den Marktplatz zu nehmen. Zwei weitere Male heißt es also: aufpassen, wenn sich der Bus durch die Stadttore quetscht.
Bei der Ankunft in Weidach hat sich die Verspätung immerhin auf zehn Minuten verringert. Das liegt daran, dass heute an kaum einer der Haltestellen angehalten werden musste, weil weder jemand ein- noch aussteigen wollte.
Zurück am Zentralen Omnibusbahnhof in Coburg atmet der Busfahrer durch: neun Minuten hinterher, immerhin ein paar Sekunden konnte er durch seine zügige Fahrweise wieder wettmachen.
Im oberen Eck des Fahrersitzes blinkt ein Licht, der Fahrer muss dringend eine Pause machen. Wieso hat er nicht schon vorher eine machen können?


Der Fahrplan sitzt im Nacken

Da saß ihm wohl der Fahrplan im Nacken. Seine nächste Fahrt ist jetzt aber erst in ein paar Stunden, weshalb er den Bus vor der Post in der Hindenburgstraße abstellt. Doch an Ruhe ist trotzem erst mal nicht zu denken: Kinder klopfen an die Scheibe des Busses. Sie warten auf ihre Fahrt nach Seßlach. Wo denn der Bus bleibe, wollen sie wissen. Verunsicherung macht sich breit, keiner kann etwas zum genauen Fahrplan sagen. Auch der Busfahrer nicht. Aber er versucht, etwas herauszubekommen und ruft in der Zentrale seines Betriebs an. Doch keiner hört - und die Schar der wartenden Kinder wird größer. Der Busfahrer erklärt schließlich den verunsicherten Kindern, dass er jetzt nicht fahren könne, weil er die vorgeschriebene Pause einhalten müsse. Noch während die meisten Kinder grübeln, wie es nun weitergehen soll, entdeckt ein Junge einen anfahrenden Bus mit der Anzeige "Seßlach" - er hatte Verspätung ...