Wer bei Kaeser in Bertelsdorf arbeitet und in Weitramsdorf wohnt, braucht für den Heimweg mit dem Stadtbus 86 Minuten. Das liegt daran, dass die Coburger Buslinien sternförmig in alle Himmelsrichtungen fahren - sprich, man muss von Bertelsdorf erst in die Innenstadt fahren, dort umsteigen, um mit einer anderen Linie wieder hinaus nach Weitramsdorf zu gelangen.

Das ginge auch deutlich schneller, findet die Wählergemeinschaft Pro Coburg (WPC), allen voran deren OB-Kandidat Thomas Apfel. Die Idee, eine Buslinie im Ring um Coburg fahren zu lassen, stamme allerdings nicht von ihm, sondern von Hans Fenzlein, wie Apfel bei der Präsentation am Freitag betonte. Das Konzept zielt darauf ab, Busfahren attraktiver zu machen, damit mehr Autofahrer auf den ÖPNV umsteigen und die Coburger Innenstadt weniger verkehrsbelastet ist. "Wir wollen Autofahren nicht verbieten, sondern mit Angeboten und Anreizen arbeiten", stellt Apfel klar. "Aber wenn wir irgendwann klimaneutral sein wollen, müssen wir über neue Wege nachdenken."

Fenzleins Konzept sei genau das "Puzzleteil", das es brauche, um die Wende in Sachen Verkehr und Klima zu schaffen, ist sich Apfel sicher. Die Idee besteht in einer Buslinie, die ringförmig um Coburg herum führt. Mit diesem "Cityring" ließen sich die Hochschule, der Bahnhof, mehrere große Firmen, der ZOB, der Theaterplatz und zwei Park&Ride-Parkplätze mit der Innenstadt, aber auch mit dem Landkreis verbinden. Flächen für Park&Ride-Parkplätze seien bereits vorhanden, sagt Apfel: auf der Lauterer Höhe, hinter dem Obi-Markt (rund 200 Stellplätze), und der Parkplatz an der Sonneberger Straße, der momentan von der Hochschule genutzt wird.

Um auf das Beispiel Kaeser-Weitramsdorf zurückzukommen: Auf dem Ring bräuchte man für die Strecke nur 31 Minuten, hätte also 55 Minuten Zeitersparnis, rechnet Fenzlein vor. Der rund 18 Kilometer lange Cityring könne bestehende Haltestellen nutzen. Nur am Sonntagsanger müsste eine neue errichtet werden, um auch das Hofbräugelände anzubinden, erläuterte Apfel. Die Grundidee lasse sich beliebig weiterspinnen: Warum nicht einen Elektrobus auf der Strecke einsetzen? Oder einen Takt spätabends anbieten, der am Bahnhof die Passagiere des letzten ICE aufnimmt? Wenn man die Zeiten entsprechend plane, könnte man auch Arbeitnehmer abholen, die zur halben oder vollen Stunde Arbeitsbeginn oder - ende haben, so Fenzlein.

Bei den SÜC Bus & Aquaria sei die Idee interessiert aufgenommen worden, versicherte Apfel. Er habe bereits mit dem Leiter des Verkehrsbetriebs, Raimund Angermüller, gesprochen. Apfel: "Eine Zusage hat er uns noch nicht gegeben. Um den Ring umzusetzen, braucht es eine politische Entscheidung. Es kostet Geld, aber wir müssen und können uns das leisten."