Wort zum Sonntag für den 13. Juni:

V orige Woche gedachten wir dem Heiligen Bonifatius. Mit dem im Jahre 673 geborenen Engländer begann die Geschichte des Christentums in weiten Teilen des heutigen Deutschlands.

Nach mehreren Jahren in einem englischen Benediktinerkloster verspürte er den Drang, den Menschen von Gott zu erzählen und zog über das Meer nach Friesland. Der spätere Bischof von Mainz und Utrecht gründete zahlreiche Klöster, darunter auch sein Lieblingskloster Fulda. An seiner Grabstätte im Fuldaer Dom treffen sich bis heute alljährlich die deutschen Bischöfe zu ihrer Herbstvollversammlung. Bonifatius ist der Gründervater vieler heute noch existierender deutscher Bistümer wie Passau, Regensburg, Eichstätt, Erfurt oder auch unseres Bistums Würzburg.

Die Wanderschaft Bonifatius' bringt für mich zum Ausdruck, worauf es im Leben ankommt: Nicht stehen bleiben. Nach vorne schauen und weiter gehen. Vermutlich kennt jede und jeder von uns die Erfahrung, wie gut es tut, unterwegs zu sein. Unterwegs sein gehört zum Leben dazu. Im Unterwegs-Sein lösen sich Probleme, der Kopf wird klar, das Leben wird erfahrbar und verarbeitet. Wenn wir unterwegs sind, dann findet das Leben in der Gegenwart statt, im Jetzt und Hier. Die Wege, die wir gehen, lassen uns das Leben mit allen Facetten spüren. Liebe und Leid. Lust und Frust. Erbarmen und Schmerz. Im Unterwegs-Sein erfahren wir das Leben, uns selbst und auch Gott immer wieder neu.

Dabei tut es natürlich gut, nicht alleine unterwegs sein zu müssen und um die Begleitung von Freunden, der Familie und natürlich auch Gott zu wissen. Sicherlich kennen Sie die österliche Geschichte der Emmaus-Jünger. Vom Tod Jesu enttäuscht, wütend, ratlos und traurig machten sie sich auf den Weg. Unterwegs trafen sie einen Mann, der ebenfalls auf Wanderschaft war. Sie gingen gemeinsam weiter und spürten Trost, Zuversicht, Halt und Herzensnähe. Eine ähnliche Erfahrung dürfte auch der heilige Bonifatius gemacht haben, von dem wir aus Überlieferungen wissen, dass er stets ein großes Gefolge um sich hatte.

Für uns alle hält der Weg durch das Leben viele Höhen und Tiefen bereit. Das ist nicht immer einfach. Manchmal übermannt uns die Anstrengung, und wir verlieren das Ziel aus den Augen. Mir hilft es dann, eine Pause zu machen, inne zu halten und dankbar auf die bereits gemeisterte Wegstrecke zurückzublicken. So schöpfe ich nicht nur neue Kraft, sondern stärke auch meine Gewissheit, dass es sich lohnt, im Leben unterwegs zu sein und die Hoffnung, dass am Ende alles gut wird.

Ich wünsche Ihnen für alle anstehenden Wegstrecken in Ihrem Leben Mut, Zuversicht, Gottvertrauen und stützende Wegbegleiter*innen.

Ralf Sauer

Jugendbildungsstätte

Volkersberg