"Das derzeitige beliebte Einschlagen auf die Bauern ist zu kurz gegriffen, denn eigentlich sind alle Landnutzer aufgefordert, ihre Flächen wieder naturnäher zu gestalten", stellte Regierungspräsident Thomas Bauer bei der Tagung des Bezirksverbandes Mittelfranken für Gartenbau und Landespflege in Neustadt an der Aisch bei der Würdigung von Gartenbesitzern und Baumwarten fest.

Anerkennung gebühre den 32 mittelfränkischen Gartenbesitzern, die im letzten Jahr den traditionellen "Tag der offenen Gartentür" ermöglicht hatten. Bauer überreichte mit Bezirksvorsitzendem Gerhard Durst allen einen Gartenkegel, der diese Gärten künftig kennzeichnen könne.

Im Kreisverband Erlangen-Höchstadt hatten die Familien Heidingsfelder und Hirschmann (Mühlhausen) sowie Müller (Uttenreuth) und Resce (Heroldsberg) und Senft (Erlangen) ihre beispielgebenden Gärten geöffnet.

Neu als Baumwart hat sich Jan Bocheneck aus Erlangen in Triesdorf qualifiziert. Kreisvorsitzender Otto Tröppner gratulierte ebenfalls.

"Wenn wir es in Deutschland ernst mit dem Kampf gegen das Artensterben meinen, müssen - synchron zum Landnutzer Landwirtschaft - auch die deutschen und bayerischen Gärten stärker unter Artenschutzgesichtspunkten gestaltet werden", betonte Bauer. Der Schwund an Biomasse der Insekten habe 67 Prozent allein in den letzten zehn Jahren betragen, die Vogelpopulation habe sich gleichzeitig auf weniger als die Hälfte reduziert, weil Vögel in der Brutzeit hauptsächlich auf Insekten für ihre Jungen angewiesen seien.

"Wer mit offenen Augen durch unsere Wohnstraßen geht, dem wird schnell klar, dass allein in den weit verbreiteten, strukturarmen Vorgärten viel Potenzial zu mehr Natur steckt, indem etwa die Garagenzufahrt nur auf das funktional Notwendige rückgebaut wird, ein heimischer Laubbaum oder ein Obstbaum gepflanzt oder auch übertriebene Gartenpflege zurückgefahren wird oder die Wohn- und Nutzgärten zumindest in Teilbereichen naturnah gestaltet und gepflegt werden", forderte der Regierungschef.

Vielfältige Möglichkeiten zeigte Klaus Körber von der Landesanstalt Veitshöchheim in seinem Fachvortrag "Biologische Vielfalt - der Reichtum der Natur in Garten und Landschaft" auf. "Sorgen Sie in ihrem Garten dafür, dass es fast das ganze Jahr blüht, also bereits vor der Obstblüte!"

Der Experte verdeutlichte das bildhaft mit zahlreichen Pflanzbeispielen. Er verurteilte "Gärten des Grauens": "Steinigung ist out". Stauden gelte es über den Winter für Insekten, Käfer etcetera stehenzulassen. Biodiversität seien auch liegengebliebene Holzhaufen, die für Käfer, Insekten und Vögel wichtig sind. "Auch Bienen, Insekten und Vögel brauchen Wasser wie die Pflanzen", betonte der Referent, der das aufgrund der Klimaerwärmung als Herausforderung für die Zukunft sieht.

Schatten im Garten, im Dorf und in den Städten sei ebenso wichtig: "Tiere pflanzen durch die Auswahl geeigneter Pflanzen und Bäume", gelte es zu beherzigen und damit "Vielfalt statt Einfalt!".

Die Obst- und Gartenbauvereine haben sich laut Bezirksvorsitzendem Durst als Schwerpunktthema "Die Vielfaltsmacher - (G)Arten.Reich.Natur" vorgenommen. Denn gute Ideen würden nur durch "machen" wirken. Die beispielgebenden Ergebnisse sollen 2022 bei einem bayernweiten Wettbewerb ausgezeichnet werden. Das gelte auch für gute Beispiele in der Kinder- und Jugendarbeit. red