Spätestens seit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" ist das Thema Artenschutz in aller Munde, und auch Gartenbesitzer sind gefragt. Doch was macht einen naturnahen Garten eigentlich aus? Solchen und noch vielen anderen Fragen geht das neue Projekt der Klimaschule des Landkreises Kulmbach unter dem Motto: "Mein Stück Natur - Im Garten zieht Leben ein!" auf den Grund.

Klimaschutzmanagerin Ingrid Flieger hat dieser Tage den neuen Bildungsstandort in Untersteinach/Hummendorf vorgestellt. "Der Natur-Erlebnishof von Anna Julia Weber ist neben der Umweltschule Schlönz des Bundes Naturschutz der zweite außerschulische Lernort im Landkreis", erklärte sie.

Besonders über die Bewilligung einer Förderung in Höhe von 70 Prozent seitens der Regierung von Oberfranken hat sich die Klimaschutzmanagerin gefreut. "Die Klimaschule bietet praxisnahe Bildungsprojekte für alle Altersstufen an, wobei sämtliche Kosten für Pädagogik, Referenten und eingesetzte Materialien vom Landkreis Kulmbach übernommen werden." Hierzu habe es einen einstimmigen Beschluss des Klimarats und des Umweltausschusses des Landkreises gegeben. "Insgesamt hat der Landkreis seit dem Start des Projekts im September 2010 mehr als 85 000 Euro investiert."

Mit dem neuen Projekt will der Landkreis eine praxisnahe Umweltbildung mit einem ausgereiften Corona-Konzept anbieten. "Mit verschiedenen Bausteinen wollen wir Impulse zum naturnahen Gärtnern bieten", erklärt Anna Julia Weber. Die studierte Pädagogin mit dem Schwerpunkt Umweltbildung und einer zusätzlichen Permakulturausbildung will zunächst ein Jahresprojekt starten, das im Mai mit den Grundlagen des naturnahen Gärtnerns beginnt und im November mit der Frage endet: Was muss ich winterfest machen und was nicht?

Vorträge und Exkursionen

In den Monaten dazwischen soll es Veranstaltungen unter anderem zu den Themen "Pflanzen für den Naturgarten", "Stein naturnah genutzt" oder "Blühender Balkon" geben. "Wir bieten Online-Vorträge, werden Artikel veröffentlichen, je nach Pandemieentwicklung auch Workshops und Exkursionen starten", erklärt Weber. Auch ein Fotowettbewerb sei geplant.

Als sie das Anwesen in Hummendorf 3 mit ihrem Mann, einem Baubiologen, erwarb, war sie von der Vielfalt der 2,5 Hektar Grund angetan. "Wir haben sogar eine Magerwiese direkt vor der Haustür, das ist großartig." Die 32-Jährige hatte schon immer das Ziel, in der Umweltbildung tätig zu werden. Jetzt hat sie einen großen Baumbestand, alte Hecken, und als nächstes plant sie die Erweiterung des Gemüsegartens. "Wir haben uns letztes Jahr schon den kompletten Sommer über aus unserem Garten ernährt, jetzt wollen wir zusätzliche 300 Quadratmeter auch für das gemeinsame Gärtnern mit anderen öffnen." Solche Verbindungen liegen Anna Julia Weber am Herzen.

Private Hausgärten bieten eine große Chance, die Artenvielfalt zu fördern. "Steht man vor der Entscheidung, einen pflegeleichten Vorgarten zu gestalten, kann man sich für eine nicht naturfreundliche Versiegelung mit Folien und Steinen entscheiden", ergänzte Ingrid Flieger. Oder man verzichtet darauf, wählt eine passende Sandkörnung und Natursteine, ergänzt mit dekorativem Totholz und setzt einheimische Wildstauden hinein, "schon ist ein wertvoller Lebensraum entstanden". Wer sich mit dem Thema des naturnahen Gärtnerns näher befassen will, dem sei eine erste Online-Veranstaltung am 27. Mai 2021 um 19 Uhr ans Herz gelegt. Anna Weber wird über die Grundlagen sprechen und für Fragen zur Verfügung stehen.

Anmeldungen sind bis zum 26. Mai per E-Mail an klimaschutz@landkreis-kulmbach.de möglich.