Der Landkreis Lichtenfels ist der erste Landkreis, der am Pilotprojekt "Umgang mit geogen erhöhten Stoffgehalten" teilnimmt. Das Projekt, das federführend vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) betreut wird, soll Erkenntnisse darüber liefern, wie künftig die Wiederverwendung von bei Bauprojekten entstehendem Erdaushub erleichtert werden kann. Das Wort "geogen" bedeutet erdgeschichtlich.

Forscher wollen insbesondere untersuchen, ob beziehungsweise unter welchen Voraussetzungen Erdaushub aus Bauprojekten künftig ohne teure Untersuchung des Materials innerhalb des Kreisgebietes untergebracht oder wiederverwendet werden könnte.

Der Boden des Landkreises Lichtenfels ist aufgrund der vorkommenden Bodenausgangsgesteine (Sande, Kalkstein, Dolomit etc.) sehr heterogen. Es bereitet den Baufirmen deshalb immer wieder Probleme, Erdaushub kostengünstig zu entsorgen, da eine Ablagerung nur dort möglich ist, wo gleiche Bodenverhältnisse vorliegen.

Da das in Bayern verfügbare Bodeninformationssystem (BIS) nur wenig Aufschluss über die Beschaffenheit der Böden geben kann, hat der Landkreises Lichtenfels letztes Jahr das Pilotprojekt zur Festsetzung von Gebieten mit natürlich erhöhten Stoffgehalten in Böden angestoßen.

Bauinnung am Projekt beteiligt

Auf Initiative von Landrat Christian Meißner und Wolfgang Schubert-Raab, Obermeister der Bauinnung Lichtenfels, Präsident der Bayerischen Baugewerbeverbände und Vizepräsident Technik des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, wählte das Bayerische Umweltministerium im Juli 2019 den Landkreis Lichtenfels als Pilotlandkreis aus. Das Ministerium stellt die finanziellen Mittel für die Untersuchungen zur Verfügung. Fachlich zuständig ist das Landesamt für Umwelt.

Von Juni 2020 bis Sommer 2022 werden rund 250 Bodenproben von Acker-, Grünland- und geringfügig auch von Waldflächen entnommen. Für diese Untersuchungen wird an ausgewählten Standorten mittels eines Bohrhammers eine Rammkernsonde einen Meter in den Boden geschlagen. Die Bodenproben werden anschließend ausgewertet. Anhand dieser Daten wird schließlich eine Bodenkarte für den Landkreis erstellt.

Auch auf Flurgrundstücken

Um Bodenproben zu nehmen, ist es notwendig, land- und forstwirtschaftlich genutzte Flurstücke kurzzeitig mit der Sondierungsausrüstung zu betreten. Die eigentliche Bodenprobenahme aus der Sonde erfolgt am Rand des Flurstücks oder Wegrand. Die Bohrlöcher werden fachgerecht wiederverfüllt. "Die Auswahl der Grundstücke als Probestandort stellt keinerlei Grund zur Besorgnis dar", erklärt der Landrat. Sie bedeute nicht, dass behördliche Erkenntnisse hinsichtlich vom Grundstück ausgehender Gefahren oder schädlicher Bodenveränderungen vorlägen. Die Grundstückseigentümer habe man im Vorfeld über die Untersuchungen informiert, so Meißner. red