Dass der Landfrauentag in Waigolshausen traditionell an Weiberfasching stattfindet, heißt nicht, dass dort nur Quatsch gemacht wird. Auch wenn die männlichen Gäste trotzdem vorsichtshalber ohne Krawatte in das proppenvolle Waigolshäuser Freizeitzentrum kommen. Die Landfrauen im Bayerischen Bauernverband (BBV) nehmen sich stets eines gesellschaftspolitischen Themas an.Hauptrednerin heuer: Landtagspräsidentin Barbara Stamm. "Vielfalt leben" hieß es in diesem Jahr, und auch wenn das recht allgemein formuliert ist, war klar, woran man damit nicht vorbeikommt: die Flüchtlingsfrage.
"Die Welt ist aus den Fugen geraten. Wir sind mittendrin, uns in unserer Gesellschaft zu spalten", sagte die CSU-Frau. Zunächst behutsam, dann aber deutlicher, forderte sie die Landfrauen auf, Rechtsradikalismus eine klare Absage zu erteilen. Auch stillschweigende Akzeptanz sei nicht in Ordnung.
"Wir müssen die Demokratie verteidigen. Die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellen", sagte Stamm. Gleichzeitig unterstrich auch die Landtagspräsidentin die CSU-Linie, dass für Flüchtlingszahlen eine Obergrenze eingeführt werden müsse.
Mit Blick auf ein anderes Frauenbild in den Herkunftsländern der Flüchtlinge sagte Stamm: "Wir können doch nicht sagen, dass wir uns jetzt verändern müssen." Frauen hätten lange dafür gearbeitet, dass sie heute in allen Positionen der Gesellschaft zu finden seien. Dafür erntete sie im Saal deutlichen Applaus. Stamm hat während ihres einstündigen Referats die ganze Aufmerksamkeit der Frauen, die Gespräche untereinander haben Pause.
Unter dem "Vielfalt leben"-Motto ging es den Landfrauen aber auch um ganz Naheliegendes: "Die Vielfalt der Landwirtschaft wächst im Haupt- und Nebenerwerb, es gibt alles von der Betriebsleiterin bis zur Landfrau, die vollständig außerhalb des Betriebs erwerbstätig ist", sagte Kreisbäuerin Sieglinde Fackelmann. Für sie ist der Tag in Waigolshausen einer der Termine des Jahres.