"Jede Zeit hat ihre gute Seiten." So lautet das Lebensmotto von Ilse Müller. In großer Zufriedenheit feierte die rüstige Seniorin ihren 95. Geburtstag im neuen Seniorenzentrum in Knetzgau, wo sie seit September lebt. Nach dem Motto "Man lebt eben in der Zeit, die gerade ist, und muss das Beste daraus machen", blickt die Jubilarin auf ein bewegtes Leben.
Ilse Müller ist am 7. Februar 1922 in Auerbach im sächsischen Vogtland geboren. Gemeinsam mit ihrem älteren Bruder, von dem sie sehr schwärmt, ist sie in einer Kleinstadt in Sachsen aufgewachsen. Die Kindheit ist lebendig in Erinnerung geblieben: "Mein Vater hatte jeden Mittwochnachmittag frei, um mit uns ins Freibad zu gehen." Der Vater, der Beamter war, legte großen Wert darauf, dass die Kinder schwimmen lernten. Ilse Müller zeigt sich stolz darauf, dass sie selbst eine sehr gute Schwimmerin ist. "Nur vom Zehn-Meter-Sprungbrett habe ich mich nicht getraut, das habe ich meinem Bruder überlassen", erzählte Ilse Müller, die ihren Bruder als klugen und sportlichen Burschen beschreibt. Als einschneidendes Erlebnis beklagt Ilse Müller den Tod des Bruders, der im Zweiten Weltkrieg bei Danzig fiel.
Die Kriegsjahre waren als schlimme Zeit bei der Seniorin in Erinnerung geblieben, obwohl in der Heimatstadt wenig zerstört wurde. Ein Lichtblick war das gut behütete Elternhaus, in dem die Eltern großen Wert sowohl auf schulische als auch auf außerschulische Bildung legten. Der Vater gehörte der nationalsozialistischen Bewegung "Kraft durch Freude" an, mit der die Familie Reisen und Ausflüge unternahm: "meistens, wo es Wasser gab".
Ilse Müller war beim "Bund deutscher Mädchen". "Das war eben so", sagt sie. Als Krankenschwester hatte sie in dieser Zeit gelernt, wie man etwa Verbände wechselt. Später hat sie als Näherin gearbeitet und sich vor allem auf das Schneidern von Herrenanzügen spezialisiert.
Ilse Müller war nie verheiratet und hat auch keine Kinder. Manfred Mahr, den Sohn ihres Bruders, hat sie wie ein eigenes Kind aufgezogen. Er wohnt in Sand und kümmert sich mit seiner Familie um die Tante. Die Jubilarin hatte viele Jahre in der Gegend um Hannover gewohnt, bevor sie sich entschied, in ein Seniorenheim in der Nähe des Neffen zu ziehen.
Zum Geburtstag gratulierten stellvertretender Landrat Oskar Ebert, Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus und Seniorenheim-Leiter Raimund Binder. cr