Streitereien sind aufgrund der gespannten Sicherheitslage in Israel an der Tagesordnung. Ilan Katz, ein pensionierter und passionierter Geschichts- und Politiklehrer aus Israel hat einen Tag vor der flächendeckenden Schließung aller Schulen, Kindergärten und Kitas in Bayern, auf Einladung der Fachschaften Religion und Sozialkunde das Frobenius-Gymnasium Hammelburg besucht und von seinem Leben erzählt. Sein Vortrag vor den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 9, 11 und 12 gab bereits einen Vorgeschmack, wie es sich anfühlt, wenn der Staat in die Lebensgestaltung der Bürger eingreift.

Obwohl sich Israel als Demokratie definiert, bestimmt doch die Religion das tägliche Leben der Bürger entscheidend mit. Dies wurde deutlich, als llan Katz zunächst von seinem Alltag und seiner Familie erzählte: Zusammen mit seiner Frau und drei Kindern lebt er in Ma'alot, einer kleinen Stadt im Norden Israels, nicht weit entfernt von der Grenze zum Libanon. In dieser Kommune lebten auch Palästinenser und Christen, Tür an Tür mit Israelis. Streitereien seien aufgrund der permanent angespannten Sicherheitslage in und um Israel an der Tagesordnung. Immer wieder komme es auch zu bedrohlichen Eskalationen, so dass ein dauerhaft friedliches Zusammenleben als kaum vorstellbar erscheint. Des Weiteren ist die Präsenz des Militärs im Alltag in Israel allgegenwärtig und prägt auch aufgrund des verpflichtenden Militärdienstes das Leben vieler Israelis grundlegend. In diesem Zusammenhang berichtete Ilan Katz von seinem Sohn, der als Soldat im Gazastreifen diente, jedoch nie von seinen Erfahrungen aus diesem Kriegseinsatz erzählen möchte.

Persönliche Details

Zur Schuldfrage Deutschlands äußerte sich Katz während seines Vortrags jedoch nicht, obwohl seitens der Schülerinnen und Schüler das israelisch-deutsche Verhältnis durchaus thematisiert wurde. Vielmehr stand für ihn auch hier vor allem der persönliche Zugang im Vordergrund. So erfuhren die Zuhörerinnen und Zuhörer, dass eine seiner Töchter in München studiert habe und nun mit ihrem deutschen Mann dort lebe. Dies fänden einige seiner Nachbarn und Freunde sehr befremdlich, zumal gerade München die "Hauptstadt der Bewegung" der Nationalsozialisten gewesen sei.

Insbesondere mit diesen zahlreichen persönlichen und aufmerksam beobachteten Details gewährte Ilan Katz tiefe Einblicke in sein Leben als Betroffener und Beteiligter. Zugleich erklärte er so gewissermaßen nebenbei seinen jungen Zuhörerinnen und Zuhörern die Zusammenhänge globaler Weltpolitik. Diese dankten es ihm mit gespannter Aufmerksamkeit und lang anhaltendem Applaus am Schluss seines Vortrags. red