V or kurzem flatterte mir wieder einmal eine Reihe von Werbeprospekten ins Haus. Darunter auch von einem christlichen Verlag. Der hat mit folgenden Worten das neueste Werk eines beliebten Autors angepriesen: "Dieses Buch rettet Weihnachten!" Muss denn Weihnachten überhaupt gerettet werden?, fragte ich mich.

Wenn ich demnächst meine Weihnachtskrippe aufstellen und die Figuren dazu auspacken werde, kann ich Jesus, Maria und Josef danach befragen, dachte ich mir. Ob sie mir eine Antwort geben? Ich war mir nicht sicher.

Die Frage, ob Weihnachten gerettet werden müsse, hat mich bis in den Schlaf hinein verfolgt. Im Traum habe ich die Kartons mit den Krippenfiguren vom Dachboden geholt und im Wohnzimmer ausgepackt. Was war das für ein frohes Wiedersehen mit alten Bekannten. Das Jesuskind wäre mir allerdings vor Schreck beinahe aus der Hand gefallen. Mir war, als hätte es mir zugezwinkert und dann zu sprechen begonnen: "Ihr Menschen müsst Weihnachten gewiss nicht retten. Warum glaubst du, bin ich in einem Stall geboren und von den Soldaten des Herodes beinahe umgebracht worden, warum bin ich wohl mit meinen Eltern nach Ägypten geflohen, warum habe ich mich später immer wieder mit den Pharisäern und Priestern angelegt? Und weshalb bin ich schließlich unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden? Gewiss nicht für ein paar rührselige Stunden unter dem Tannenbaum! Ich bin gekommen, um euch Menschen beizustehen, wenn ihr euch von Gott und der Welt verlassen fühlt. Ich will euch Mut machen, wenn ihr Angst habt, und euch trösten, wenn ihr traurig seid. Kurz gesagt, ich will euch den Weg in ein erfülltes Leben zeigen. Lasst mich also ankommen in eurem Leben, dann ist Weihnachten gerettet."

Bei diesen Worten bin ich aufgewacht. Wie kann ich ihn ankommen lassen, in mein Leben? Da fällt mir die Liedstrophe ein, die ich im Advent gerne gesungen habe: "Ach, mache du mich Armen, zu dieser heil'gen Zeit, aus Güte und Erbarmen, Herr Jesus, selbst bereit. Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein."

Das Lied heißt "Mit Ernst, o Menschenkinder". Mit seinen Worten will ich ihn einladen, den Herrn der Welt, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern.

Ich bin mir sicher, wenn er bei mir ankommt, ist weit mehr als nur ein Fest gerettet.

(Stefan Köttig, evangelischer Pfarrer, Altenstein)