Nordhalben — Die Überraschung war groß, als Michael Pöhnlein Ende März zum ersten Bürgermeister des Marktes Nordhalben gewählt wurde. Seit 1. Mai ist er nun im Amt. Der FT fragte, wie er die ersten dreieinhalb Monate seiner Amtszeit verlaufen sind.

Herr Pöhnlein, Sie haben im März nicht damit gerechnet, Bürgermeister zu werden....
Michael Pöhnlein: Nein, ehrlich nicht. Das Amt des Bürgermeisters war in meiner Lebensplanung nicht vorgesehen. Es gab eine Gruppe von Bürgern, die sich regelmäßig traf und feststellte, dass sich in Nordhalben einiges ändern muss. Nun, nach einigem Hin und Her, erklärte ich mich als "Parteiloser" bereit, auf der Liste der Freien Wähler zu kandidieren. Wer A sagt, muss auch B sagen können.

Was hat sich seitdem geändert?
Mein gesamter Tagesablauf. Ich komme nicht mehr so oft in den Wald. Obwohl ich als ehrenamtlicher Bürgermeister beschäftigt bin, war schon in den ersten Wochen meiner Amtszeit klar, dass es in Nordhalben viel zu tun ist.
Ich hatte vorher keine kommunalpolitischen Erfahrungen als Gemeinderat. Es war sozusagen Neuland. Das bedeutete, ich musste und muss mich sukzessive in die verschiedenen Themenbereiche einarbeiten.
Wobei, schon jetzt kann ich feststellen, dass der Job als Bürgermeister, ohne aus der Verwaltung zu kommen durchaus Vorteile hat, da man verschiedene Themen mit einem anderen Auge sieht.

Beispielsweise?
Nun, ich habe feststellen müssen, dass Projekte manchmal auf die Beine gestellt werden, nur der Förderung wegen. Die Sinnhaftigkeit, die Wirtschaftlichkeit, die Betriebs- und Folgekosten treten dabei in den Hintergrund. Eine Folge ist, dass nach ein paar Jahren die Gemeinden sich mit roten Zahlen auseinandersetzen müssen.

Nun haben Sie erste berufliche Erfahrungen sammeln können. Wie ist denn ihr Resümee?
Das Amt des Bürgermeisters inne zu haben, bedeutet Kontakte zu den Behörden und auch Einblick zu gewinnen in viele Themenbereiche, die man als Normalbürger nicht hat. Das Schöne ist, dass man vom Rathaus aus einiges gestalten und bewegen kann, soweit dies aufgrund der Finanzsituation Nordhalbens möglich ist.
Allein ist das allerdings nicht möglich. Als Bürgermeister ist man immer auf seinen Gemeinderat und auf engagierte Bürger angewiesen. Ich habe ein gutes Team, das Fachkenntnisse in verschiedenen Gebieten vorweisen kann. Ich setze auf Gespräche vor Ort und auf Kommunikation. Ich habe beispielsweise wöchentliche Besprechungen mit Bauhof und Verwaltung einberufen. Bei diesen Zusammenkünften werden unter anderem Probleme besprochen, und Maßnahmen eingeleitet.
Wir können leider vieles Wünschenswerte in Nordhalben nicht durchsetzen, zumal die Gemeinde aufgrund ihrer Finanzlage zur Konsolidierung aufgefordert ist. Trotz hoher Förderungen, beispielsweise im Rahmen von Städtebaumitteln, sind die Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt, da die Gemeinde bei Förderprojekten die erforderlichen 20 Prozent Eigenkapital nicht aufbringen kann. Wir können nur notwendige Maßnahmen durchführen.

Was sind für Sie Herausforderungen?
Herausforderungen gibt es viele in Nordhalben. Beispielsweise die Sanierung der Infrastruktur, die Ansiedlung von Industriearbeitsplätzen und Ärzten, Abschaffung von Leerständen und die Nordwaldhalle. Bei Letztgenannten fallen in diesem Jahre allein bei den Betriebskosten ein Minus von 90 000 Euro an.
Die Gemeinde hat nun bei dieser über 20 Jahre alten Halle - ebenso wie bei den anderen kommunalen Gebäuden - einen Energieberater beauftragt, der Sparpotentiale im energetischen Bereich ausloten soll.
Wir werden auch zum Thema Nordwaldhalle die Bürger mit einbeziehen. Bei einer Bürgerversammlung soll über die Problematik diskutiert werden und wie es weitergehen soll. Wir müssen die Kosten in Griff bekommen, daher sind wir für jede Anregung und Idee dankbar. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einen Mehrwert, beziehungsweise Einsparpotential bringen. Wir müssen sämtliche Einsparmöglichkeiten in der Kommune prüfen und dann auch umsetzen.
Bei der Wasserversorgung ist das Ziel, dass die Quellen wieder belebt werden. Von den rund 70.000 Kubikmetern Wasser, die der Markt verbraucht, könnten 40.000 Kubikmeter durch eine eigene Wasserversorgung gedeckt werden.
Wie denken die Bürger über Sie?
Das müssen Sie den Bürger fragen!

Wie erholen Sie sich vom Job im Rathaus?
Nun, ich gehe sooft als möglich in den Wald. Auch manche Sitzungen mit meinem Team aus dem Rathaus finden mitunter im Freien statt. Ich brauche die Natur, hier finde ich Kraft. Ich habe auch vor, im September ein paar Tage zu verreisen. Ich bin keiner, der sich an den Strand legt, sondern mir ist sehr daran gelegen, dass ich auch Menschen und Gemeinden mit ähnlichen Problemen des ländlichen Raumes kennen lerne. Ich bin dann sehr neugierig, wie diese Kommunen ihre Herausforderungen meistern.

Und wie ist das mit Ihren Bürgermeisterkollegen
Klar, am Anfang war die Überraschung groß. Aber ich komme ganz gut mit ihnen zurecht. Letztendlich haben wir alle nahezu die gleichen Herausforderungen und ein Meinungsaustausch ist hier wichtig.

Das Gespräch führte
Veronika Schadeck