Heiligenstadt — Jetzt sieht man ihn wieder mit seiner großen Schafherde durch den Landkreis Bamberg ziehen. Erich Kißlinger, Wanderschäfer aus Leidenschaft und Herr über 1000 Schafe, erreicht in diesen Tagen das Leidingshofer Tal bei Veilbronn in der Gemeinde Heiligenstadt.
"Wir haben schon im April unser Winterquartier in Buch bei Nürnberg verlassen, erst im Forchheimer Raum geweidet, bevor wir jetzt nach Heiligenstadt gezogen sind", so Kißlinger. "Ich bin eigentlich ständig in Bewegung", fasst der Hüteschäfer zusammen, "denn die Tiere haben Hunger." Viele der Beweidungsflächen sind wertvolle Biotope, die nur noch durch Beweidung offen gehalten werden können. So auch das bei Wanderern sehr geschätzte Naturschutzgebiet Leidingshofer Tal mit seinen Halbtrockenrasen und Felsen.
Schon bald wird Kißlinger seine Wanderung fortsetzen. Mit seinen drei altdeutschen Hütehunden, dem Esel Fritz, den Schafen und den 60 Ziegen geht es über Burggrub ins Trockental der Leinleiter und zum Großen Stoa. Bis er dann im August nach seiner kilometerlangen Reise die am entferntesten vom Heimathof liegenden Weideflächen bei Wattendorf und Scheßlitz erreicht.
Schäfer Kißlinger ist es wichtig, ein "Vergelt's Gott" an die Menschen im Landkreis auszusprechen: "Ich bin wirklich gerne hier unterwegs. Freue mich über die Rücksichtnahme der Autofahrer, wenn die Straße mal zum Triebweg wird und das gegenseitige Verständnis zwischen Landwirten, Jägern und mir, dem Schäfer."
Erich Kißlinger blickt auf eine lange Familientradition zurück. Schon in fünfter Generation hat sich seine Familie der Schäferei verschrieben. Zur Freude des Vaters ist auch Sohn Franz bereits in seine Fußstapfen getreten. Er betreut eine eigene Herde und bildet sogar Lehrlinge aus. Trotz der schwierigen Arbeitsbedingungen bei Wind und Wetter gibt es für die Kißlingers eben keinen schöneren Beruf. ch