Neue wirtschaftliche Perspektiven versprach sich die vom Strukturwandel gebeutelte Stadt Teuschnitz, als sie die Arnika-Akademie ins Leben rief. Seitdem sind drei Jahre vergangen, in denen sich wie bei einem Mosaik ein Teil zum andern fügt.
Ein Meilenstein war die Eröffnung des Kräuterlehr- und Schaugartens im letzten Jahr mit einer Fülle an Heilpflanzen, die ideale Rohstoffquelle für Naturprodukte aus und mit Kräutern.
Häufig ist es ein Traum, der Dinge ins Rollen bringt. In Teuschnitz war es der Rosentraum, ein Tee aus Kräutern und Rosenblättern. Der kam so gut an, dass er bald vergriffen war. Die Produktpalette erweiterte sich stetig, die Marke "Naturmanufaktur Teuschnitz" war geboren. Am Start sind heute vier verschiedene Kräuterteemischungen, zwei Arten von Kräutersalz, ein Hautgel, eine Seife, Kräuterkissen, Honig und drei Senfvariationen.
Längst ist die Produktion nicht mehr nebenbei zu handhaben: zwei Arbeitsplätze wurden geschaffen. Claudia Schnappauf-Müllers Leidenschaft ist das Gärtnern. Sie hegt und pflegt den Kräutergarten, pflanzt und erntet. Und genau da kommt Silvia Hummel ins Spiel. Sie hat im Sommer den Abschluss zum TEH-Praktiker an der Arnika-Akademie gemacht. Ihr professionelles Wissen um Nutzen und Weiterverarbeitung von Traditionellen Europäischen Heilkräutern (TEH) bringt sie jetzt in die Teuschnitzer Naturmanufaktur ein. "Mit der Arnika-Akademie generieren wir unseren professionellen Fachkräftenachwuchs", freut sich Netzwerkmanager Oliver Plewa über die günstige Konstellation.
Als langsames Vortasten beschreibt Silvia Hummel den Prozess, bei dem aus einer Idee ein fertiges Produkt entsteht. Wie beim Bärwurzsenf. Wurzel und Blüten nahm sie aus dem Kräutergarten, Senfkörner hatte sie zu Hause. Sie packte ihre Kaffeemühle aus und probierte, veränderte, probierte - bis es schmeckte. Bis Senf verzehrfertig ist, muss er mindestens drei Wochen reifen. Da ist Geduld gefragt. Die wurde belohnt, denn wie der Rosentee schlug auch der Bärwurzsenf erfolgreich ein. Die erste Charge von 35 Gläsern war ruckzuck ausverkauft.
Die Kaffeemühle ist längst durch eine Getreidemühle mit Steinmahlwerk ersetzt und in die Arnika-Akademie wurde eine professionelle Wirtschaftsküche installiert, die alle Hygienevorschriften erfüllt. Ideen hat Silvia Hummel noch einige auf Lager. Zurzeit experimentiert sie an einem Chilisenf. "Ich bin noch am tüfteln, ob er eher honigsüß wird oder eine pikante Paprikanote erhält", sagt sie. Oliver Plewa freut sich: "Silvia brennt für das Thema. Eine solche Dynamik wünscht sich jeder Arbeitgeber." Und so setzt sich die Erfolgsstory fort: In der Pipeline ist eine Naturkosmetiklinie für Haut und Haar. Anfang nächsten Jahres wird ein eigener Verkaufsraum in der Arnika-Akademie eröffnet.


Wertschöpfung bleibt hier

Die Planungen dafür stehen bereits. Dann soll auch der Onlineverkauf forciert werden, mit einem Sortiment, das um hochwertige Naturprodukte anderer Hersteller erweitert und abrundet wird.
Wichtig ist den Machern in Teuschnitz, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. Was nichts anderes heißt, dass die Produkte weitgehend aus lokalen Rohstoffen hergestellt und auch in der näheren Gegend verarbeitet werden. Dazu steht man in Verhandlungen mit Bio-Landwirten. Auch die Anbaufläche im hauseigenen Kräutergarten wird vergrößert. Schließlich will man die Nachfrage nachhaltig bedienen können. Zurzeit nämlich heißt die Devise: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Alles gibt es nur, solange der Vorrat reicht.
Die Produkte der Teuschnitzer Naturmanufaktur sind erhältlich in der Arnika-Akademie, im Teuschnitzer Rathaus und auf Marktständen des Arnika-Vereins. Die nächste Gelegenheit zum Einkauf könnten die Erlebnistage Körper Seele Geist am 21. und 22. Oktober in der Arnika-Akademie sein. red