100 Jahre Frauenbewegung - völlige Gleichberechtigung gibt es heute aber immer noch nicht. Das versinnbildlichte der Kabarettabend im Stadtschloss mit dem GenerationenKomplott und ihrem Programm "Jahrhundertrevue - Frauen u(U)ngeheuer im Kommen". Ein Abend, bei dem einem wieder bewusst wurde, welche Bedeutung das Aktionsbündnis "Lichtenfelser Frauengruppen" hat, das nun schon seit 30 Jahren wirkt, und mit wie viel Humor und Esprit man dem Thema "Frauenbewegung" begegnen kann, was auch der Chor "Frauenklänge" (Leitung: Karin Dietz) bewies. Der feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen.


Vielfarbiger Klanghintergrund

Schauspielerin Gisela Elisabeth Marx zeigte eine beeindruckende Wandlungsfähigkeit, verquickte geistreich Zitate, Gedichte, Chansons und Schlager quer durch die Jahre 1915 bis 2015. Dorrit Bauerecker begleitete sie meist am Klavier, hin und wieder mit dem Akkordeon und der Gitarre, und schuf einen vielfarbigen Klanghintergrund. Die Liedauswahl reichte vom sorglosen Schlager bis zum gesellschaftskritischen Chanson und blieb immer unterhaltsam. Mit viel Temperament sang Marx "Raus mit den Männern aus dem Reichstag", ein Lied aus den 20er-Jahren, das die damaligen Verhältnisse karikiert.
Die Geschichte der Frauenbewegung ist eine, die alle Emotionen kennt. Es gab Fortschritte, Rückschritte und einige Fehltritte. Viele Namen nannte Marx, auch solche, die heute nur noch leise nachklingen. Mehrmals hörte man an diesem Abend: "Auch ihnen wurde kein Denkmal gesetzt." Zum Beispiel für die Juristinnen, die für das Gleichstellungsgesetz eintraten.
Bei aller Komik, Satire und Selbstironie gab es auch beklemmende Momente. Still wurde es, als Marx von der Frau erzählte, die ein Attentat auf Hitler verüben wollte und nach ihrem Scheitern sofort von der Menge gelyncht wurde. Auf traurige und komische Weise stellte sie eine misshandelte Frau dar, die von ihrer Ehe erzählt: "Ich mach' alles immer nur ganz innerlich, sonst krieg' ich doch eine gewischt." Es war ein sehr rührender Moment, als sie anschließend langsam mit sich selbst zu den Klängen von "All you need is love" über die Bühne tanzte.


Nur Rosa für Mädchen?

Und wie sieht es heute mit der Gleichberechtigung aus? Dazu ein Zitat: "Gehen Sie mal in eine Spielzeugabteilung für Mädchen und suchen was, das nicht rosa ist!", so Marx. Ihr Programm zeigte auf, was geschafft wurde, und rüttelte an den immer noch festgefahren scheinenden Ungerechtigkeiten.
Auch Maria Hollering-Hamers vom Aktionsbündnis "Lichtenfelser Frauengruppen" sieht noch Handlungsbedarf. "Müssen wir uns noch um die Frauenrechte kümmern? Leider ja." Manche glaubten, die Gleichberechtigung sei in Deutschland schon gegeben. Als Beispiel, dass dem nicht so ist, verwies sie auf die unterschiedlichen Löhne von Frauen und Männern.
Sie machte auch deutlich, dass in allen Ländern und Kulturen noch etwas für die Gleichberechtigung getan werden müsse. Das Aktionsbündnis "Lichtenfelser Frauengruppen" trete seit 30 Jahren dafür ein.
Die Frauenbewegung geht weiter, das verdeutlichte auch der Chor, der ins Publikum sang: "Die Zeit zu beginnen ist jetzt."