tobias herrling

Ein Spiel, das der HSC Coburg nicht hätte verlieren dürfen, ging verloren. Im Duell der beiden Aufsteiger kassierte der Tabellenletzte eine herbe Niederlage und verpasste es, mit dem zweiten Saisonsieg die rote Laterne abzugeben und den Rückstand auf das rettende Ufer zu verkürzen.

1. Bundesliga

TuSEM Essen -

HSC Coburg 29:27 (16:11)

"Ich glaube nicht, dass Essen die besseren Einzelspieler hat. Aber sie haben uns als Kollektiv geschlagen. Das ist das, was eigentlich wir machen wollten", sagte HSC-Rechtsaußen Florian Billek nach dem Spiel bei Sky. Der beste Coburger Werfer am Samstagabend (acht Tore) war sichtlich angefressen und nahm die Mannschaft in die Pflicht. "Vielleicht müssen sich gewisse Leute auch einmal hinterfragen", sagte Billek vielsagend - und schob beschwichtigend hinterher: "Die Mannschaft ist intakt und ich kann nur empfehlen, uns nicht abzuschreiben."

Den HSC abzuschreiben wäre wohl tatsächlich zu früh, doch der Aufsteiger hat eine große Chance liegen lassen. Mit dem zweiten Saisonsieg hätten die Oberfranken nicht nur Essen ans Tabellenende befördert, sondern auch den Kontakt zum rettenden Ufer hergestellt. Nun hat die Mannschaft von Trainer Alois Mraz auf den neuen Vorletzten, die Eulen Ludwigshafen, bereits drei Zähler Rückstand.

Nächstes Schlüsselspiel

Am Dienstag (18 Uhr) gastieren die Eulen zum nächsten Coburger Schlüsselspiel in der HUK-Arena. Nach der Enttäuschung in Essen ist der Druck auf den HSC noch einmal größer geworden. Dabei legten die Coburger in der Sporthalle "Am Hallo" gut los. Der HSC führte schnell mit 3:0 (4.) und war besser im Spiel. Sein bekanntes Tempospiel zog Essen nicht auf, weil der HSC bis dato nur wenige technische Fehler und Fehlwürfe produzierte. Auch den durchschlagskräftigen Rückraum hatte die Coburger Abwehr zunächst gut im Griff.

Bis zur 15. Minute (8:6) lief es nach Plan der Gäste, doch das Spiel begann sich zu drehen. Das 10:9 durch Billek (21.) sollte die letzte HSC-Führung des Spiel sein. Und das lag auch an einem Mann: Sebastian Bliß. Der Torwart der Gastgeber vernagelte in den zehn Minuten vor der Pause förmlich seinen Kasten und ließ nur noch einen Gegentreffer zu.

TuSEM nutzte die steigende Coburger Abschlussschwäche, um durch Lukas Becher erstmals in Führung zu gehen (11:10, 22.) und führte kurz darauf mit 13:11. HSC-Trainer Mraz reagierte und nahm eine Auszeit. "Wir müssen cool bleiben und in der Abwehr weiter ackern. Wir haben nur ein paar Mal zu oft verworfen. Das ist alles", hob Mraz die positiven Dinge hervor. Das Problem: es wurde nicht besser - im Gegenteil. Bis zur Pause traf Essen noch drei Mal und Coburg kein einziges Mal.

Dass Milos Grozdanic mit einem Siebenmeter an Bliß scheiterte und zur Pause das 12:16 aus Coburger Sicht verpasste, passte ins Bild. "Wir haben völlig den Faden verloren", konstatierte Billek. Und das zog sich nach Wiederanpfiff fort. Zumal sich Coburg, das erneut auf Kapitän Andreas Schröder (Wade) verzichten musste, personell selbst schwächte. Pouya Norouzi Nezhad sah nach einem Gesichtstreffer an Essens Tim Rozman die rote Karte (33.).

"Das war für mich der zweite Knackpunkt des Spiels", sagte Trainer Alois Mraz. In den folgenden sieben Minuten erzwang Essen die Vorentscheidung. Die Mannschaft von Trainer Jamal Naji erhöhte über 21:15 auf 23:15 und überzeugte neben seinem Umschaltspiel auch mit spielerischer Finesse. Dem HSC drohte zwischenzeitlich eine Klatsche. Einfach aufgeben, das wollten die Coburger aber nicht. Das Spiel drehte sich erneut. HSC-Torwart Jan Kulhanek, der auf neun Paraden kam, hatte nun seine stärkste Phase und brachte den HSC zurück in die Partie. Mit einem 4:0-Lauf halbierte Coburg zunächst den Rückstand (20:24, 46.), ehe Essen wieder auf 27:21 (49.) stellte. Coburg aber zeigte Moral und hatte mit Christoph Neuhold den nun stärksten Spieler auf der Platte. Der Österreicher kam auf fünf Tore, leistete sich keinen Fehlwurf und erzielte die HSC-Tore 24 bis 26. Beim Stand von 28:26 (54.) nahm Naji eine Auszeit. "Es sind noch sechseinhalb Minuten, in denen wir uns die Seele aus dem Leib rennen und alles in den Rückzug investieren. Noch sechseinhalb Minuten und dann freuen wir uns über zwei Punkte. Das ist unser Spiel", motivierte Naji seine Mannschaft. Doch die musste noch einmal zittern.

44 Sekunden vor Schluss markierte Tobias Varvne den 27:28-Anschluss. Der HSC sah wie der sichere Verlierer aus, doch plötzlich war ein Punktgewinn wieder möglich. Aber Essen spielte die Zeit clever herunter und Jonas Ellwanger traf sechs Sekunden vor dem Ende zum 29:27-Endstand - die Aufholjagd des HSC kam zu spät. "Das Ziel waren zwei Punkte und die haben wir verdient nicht geholt", musste Billek anerkennen. Viel Zeit, sich zu hinterfragen und die Niederlage aufzuarbeiten, hat der HSC aber nicht. Bereits am Dienstag steht gegen Ludwigshafen der nächste Gipfel im Abstiegskampf an. Wieder eines dieser Spiele, das der HSC Coburg nicht verlieren darf.