Am Sonntagabend würden die Handballprofis des HSC Coburg wahrscheinlich vor ausverkauftem Haus spielen -völlig unabhängig von ihrem Tabellenplatz. Ab 18.30 Uhr gibt nämlich der dreifache Deutsche Meister, Champions-League Sieger von 2014 und mehrmalige DHB-Pokalsieger SG Flensburg-Handewitt seine Visitenkarte im Sporttempel auf der Lauterer Höhe ab. Eine Gelegenheit, die sich viele Handballfreunde in der Region sicher nicht hätten entgehen lassen.

Doch Corona macht allen Beteiligten einen Strich durch die Rechnung. Die Halle bleibt auch dieses Mal für die Fans geschlossen. Spieler, Betreuer und Ordnungskräfte müssen sich auf das nächste "Geisterspiel" vorbereiten. Doch die Mannschaften in der 1. Bundesliga sind derzeit froh, wenn überhaupt angepfiffen wird. Oft genug machte ein positiver Corona-Test kurzfristig eine Strich durch ihre Planungen.

Lange unklar, ob angepfiffen wird

Der HSC Coburg war ebenso betroffen wie zuletzt das Spitzenteam (2.) aus dem hohen Norden. Bis drei Stunden vor Anwurf stand das Heimspiel der SG am zurückliegenden Samstagabend gegen die HSG Wetzlar auf der Kippe. Ein Spieler und eine Person aus dem Umfeld der SG wurden am Vortag bei der routinemäßigen PCR-Testung positiv auf Covid-19 getestet. Nach einem weiteren PCR-Test und zwei Antigen-Schnelltests wurden diese aber nicht bestätigt. Bei beiden betroffenen Personen ergaben die weiteren Testungen ein negatives Ergebnis.

Das Gesundheitsamt Flensburg sah daraufhin kein Risiko, das Spiel in der Flens-Arena regulär auszutragen, da alle Spieler bis zum Spieltag permanent durchgetestet wurden. Und dann flog der Ball in der Hölle Nord. Und wie:

19 Tore in einer Halbzeit

19 Tore warfen die Gastgeber allein in den zweiten 30 Minuten - die SG Flensburg-Handewitt distanzierte Wetzlar klar (32:24). Klar, dass Trainer Maik Machulla hochzufrieden war: "Entscheidend war, dass wir in der zweiten Halbzeit leidenschaftlicher verteidigten und drei, vier einfache Tore machten. Es war ein ganz hartes Stück Arbeit".

Allerdings sei alles wegen Corona sehr ungewöhnlich gewesen. "Meine Jungs sind nach dem Abschlusstraining sehr fokussiert. Wenn man dann solche Ergebnisse bekommt und nachtesten muss, ist es nicht einfach, die Spannung hochzuhalten. Aber wir sind Profis und müssen es schaffen, unsere Leistungen zu bringen - auch wenn die Situationen nicht optimal sind", so der Coach des Zweiten - punktgleich mit Primus THW Kiel.

Sein leidgeprüfter Amtskollege Alois Mraz weiß, wovon Machulla spricht, denn nach der Quarantäne-Zeit beim HSC lief es auch nicht rund. Im Heimspiel gegen Hannover blieben seine Schützlinge zuletzt vieles schuldig. Behäbig, ideenlos, ohne Esprit - die klare 26:33-Heimniederlage war auch in dieser Höhe verdient. Hannover stellte in Coburg unter Beweis, dass das Team besser ist, als es der Tabellenplatz vermuten lässt. Drei Tage später zeigten die "Gelb-Schwarzen" in Nordhorn-Lingen zwar eine bessere Leistung, zu Punkten reichte es aber erneut nicht.

Die Konkurrenz zieht davon

Und da Balingen-Weilstetten derzeit auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz fleißig und teilweise auch überraschend punktet (Sieg in Magdeburg), ist die Lage in dem vom HSC verzweifelt geführten Abstiegskampf nahezu aussichtslos. Kaum jemand in Coburg glaubt noch an den Klassenerhalt. Gegen Flensburg wollen Varvne, Pouya & Co. trotzdem oder gerade wegen ihrer aussichtslosen Situation Charakter zeigen. Das Spiel - der Privatsender Sky überträgt live ab 18.30 Uhr - soll möglichst lange ausgeglichen gestaltet werden. Schwächephasen wie Mitte der zweiten Halbzeit in Lingen, als die Mannschaft nach fünf Gegentoren am Stück und in kürzester Zeit auf die Verliererstraße geriet, müssen nach Überzeugung von Mraz unbedingt minimiert, im Optimalfall sogar abgestellt werden. Nur dann ist ein achtbares Ergebnis gegen den von der Papierform her übermächtigen Gegner möglich.