Kronach — Sie ist hinreißend schön, hat große, dunkle Augen, hellbraunes Haar - und perfekte Rundungen. Eine ihrer Vorfahrinnen hat Kronach im 30jährigen Krieg vor dem Einfall der Schweden gerettet. In diesem Jahr wird sie als Schirmherrin des "Historischen Stadtspektakels" in Kronach inthronisiert. Die Rede ist von einer leibhaftigen "Housnkuh", einer Häsin.
Der Legende nach haben die Kronacher eine Häsin über die Stadtmauer hoppeln lassen, um den Schweden, die die Stadt schon seit zwei Jahren belagert hatten, vorzutäuschen, dass noch genug Nahrung und Durchhaltevermögen bei den Einheimischen vorhanden sei. Das war 1634. Und es ist eine von unzähligen Begebenheiten aus der spannenden, über 1000- jährigen Geschichte der Geburtsstadt Lucas Cranachs d.Ä.
Alle zwei Jahre, immer am letzten Juni-Wochenende, lassen die Kronacher beim Stadtspektakel ihre Historie wieder lebendig werden. Dafür wird sich gewandet: in authentischen, historischen Gewändern, überwiegend aus der Renaissance, der Zeit Lucas Cranachs, und des Barock. Es gibt Musik, Tanz, Markttreiben, Gaukeleien, Axtwurf, Schwertkämpfe, Lagerleben, Shows und Theaterspektakel, bei dem Geschichte in "lebendigen Bildern" erzählt wird.
Zu den wesentlichen Machern des bunten Treibens gehören die "Viertelmeister" und der "Stadtvogt". Historisch gesehen spielten diese schon vor rund 500 Jahren eine tragende Rolle in der Stadt. "Der Stadtvogt sorgte für die Einhaltung der Markt- und Handwerksordnungen und des Braurechts. Diese Aufgabe teilte er mit den Viertelmeistern, die dafür zu sorgen hatten, dass das Bier "gut, rechtschaffen, zeugig und trinckig" die Bierkeller der Oberen Stadt verließ", weiß Hans Götz, seines Zeichens "Stadtvogt" und im Hauptberuf Lehrer. Von der "Trinckigkeit" des Gerstensaftes überzeugen sich die Kronacher heute bei der "Schmäußbräu-Examinierung". Das "Schmäuß" (abgeleitet von "Schmaus") ist nicht irgendein Bier, es ist eine besonderere Rarität, die nur zu besonderen Feierlichkeiten gebraut und verkostet werden darf. Zum Fest selbst gibt es Lucas-Cranach-Bier.
Damit - aber auch mit besonderen Stadtführungen - erinnert die Stadt im Cranach-Jahr an ihren großen Sohn. Ausgeschenkt wird im historischen Kunigunden-Maß, das 1 1/8 Liter fasst. Auch dies ein Relikt aus der Zeit, als Kronach noch nicht zu Bayern gehörte.
In den zwei Tagen der prallen Lustbarkeit gibt es aber auch die etwas besinnlicheren Momente. Zum Beispiel am Sonntagmorgen bei der gesungenen, historischen Messe in der Stadtpfarrkirche, in der die Menschen in ihren Gewändern Lieder unter anderem aus der Barockzeit erklingen lassen. Richtig "ernst" wird es anschließend für den Bürgermeister. Ihm wird vom Stadtvogt und von den Viertelmeistern die Goldene Kette und der Spanische Habit an der Kronacher Ehrensäule verliehen. Eine Würde, die das Oberhaupt dann auch trägt. red