Während des Corona-Lockdowns kämpfte der Hospizverein für den Landkreis Forchheim mit gravierenden Einschränkungen. Mit dem Projekt "Bunte Hospizarbeit" versuchten die Koordinatorinnen des Vereins nun entgegenzusteuern und den Zusammenhalt zu stärken.

Der Hospizverein für den Landkreis Forchheim hat ein breites Aufgabenfeld. Im Jahr 2019 erhielt der Verein aus dem gesamten Landkreis 115 Anfragen nach einer Betreuung durch die dort ehrenamtlich engagierten Hospizbegleiter.

Im Unterschied zu stationären Hospizen geschieht die Betreuung ambulant, etwa durch Besuche in Pflegeheimen oder im eigenen Zuhause und durch die Vermittlung von Kontakten zu Palliativärzten. Darüber hinaus helfen die Ehrenamtlichen durch Beratungen. Hierbei stehen nicht nur ältere Menschen im Zentrum der Arbeit, sondern besonders auch die Betreuung kranker Kinder und ihrer Familien.

Obwohl während des Lockdowns eine derartige Betreuung selbstverständlich weiter nötig gewesen wäre, erfuhr die Arbeit der ehrenamtlichen Hospizbegleiter starke Einschränkungen. "Besonders erschütternd war es, wie schnell der Draht hier gekappt wurde", meint Ulrike Jochemczyk, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands. Ganz plötzlich sei es für die Begleiter beispielsweise nicht mehr möglich gewesen, Personen in Pflegeheimen, die sie teils seit Jahren betreut hatten, zu besuchen, da zeitweilig nur noch eine Person beim Sterbenden bleiben durfte. Auch habe es Konflikte bei den Hinterbliebenen gegeben, da die Anzahl von Trauernden auf Beerdigungen eine Beschränkung auf zehn Personen erfuhr. Obwohl die 86 ehrenamtlichen Hospizbegleiter während des Lockdowns versuchten, durch Briefe, kleine Geschenke und Anrufe mit ihren Betreuten in Kontakt zu bleiben, wurde auch ihr Alltag eingeschränkt. Einerseits wurde die einjährige Ausbildung angehender Begleiter, die normalerweise auch verschiedene Praktika umfasst, unterbrochen. Für bereits ausgebildete Begleiter entfiel während des Lockdowns darüber hinaus die normalerweise angebotene regelmäßige Betreuung im Verein; daher konnten die erlebten Fälle nicht besprochen werden.

Um diesen Defiziten zu begegnen, ließen sich die Koordinatorinnen des Hospizvereins für den Landkreis Forchheim, Anja Raue, Alexandra Trautner und Renate Lang, die Aktion "Bunte Hospizarbeit" einfallen. Es geht darum, mit den Hospizbegleitern in Kontakt zu treten und das Gemeinschaftsgefühl wieder zu stärken. So erhielt jeder Hospizbegleiter einen Brief mit einem Stück Stoff, das er frei zum Thema "Bunte Hospizarbeit" gestalten und dann an den Verein zurücksenden durfte. Anschließend wurden die kreativ gestalteten, einzelnen Stoffstücke von Renate Lang zu einem transportablen Wandbehang zusammengefügt.

Diesen kann man nun auch zu weiteren Veranstaltungen mitnehmen, um das Engagement der Begleiter darzustellen. Dabei soll betont werden, dass die Hospizarbeit mehr ist als eine reine Sterbebegleitung. Gerade die Unterstützung der Angehörigen in allen möglichen Lebensbereichen bietet ein buntes Aufgabenfeld, genauso bunt, wie die Hospizbegleiter selbst.

Der Wandbehang repräsentiert nämlich auch die verschiedenen Personen unterschiedlicher Charaktere, Berufe, Einstellungen und Altersgruppen, die sich hier alle ehrenamtlich engagieren. "Es ist einfach toll zu erleben, was für ein buntes Leben da herrscht", fasst Anja Raue zusammen.

Aktiventreffen

Neben der Aktion "Bunte Hospizarbeit" gibt es weitere Zeichen der Hoffnung: Die Betreuung konnte wieder aufgenommen werden. Neuerdings gibt es einmal im Monat ein gemeinsames Frühstück oder Kaffeetrinken, um sich auszutauschen. Im November ist außerdem ein Aktiventreffen mit einer Referentin geplant. Besonders erfreut sehen die Koordinatorinnen Ulrike Jochemczyk, Renate Lang, Alexandra Trautner und Anja Raue jedoch dem Forchheimer Hospiztag entgegen. Der findet am 17. Oktober auf dem Paradeplatz statt. Dann können sich Interessierte aus erster Hand über das Angebot des Vereins informieren.