Wer das Wort Homeschooling hört, denkt unweigerlich an Schüler, die stundenlang vor ihren Tablets oder Computern sitzen. Auch bei schönem Wetter gibt es meist kein Entrinnen.

Tina Hämmer-Stosch hat sich für die Fachoberschüler, die in Kulmbach den sozialen Zweig besuchen, ein Projekt der besonderen Art ausgedacht. "Wir wollten die eigenen Sinne neu zu erkunden und durch Land-Art Anreize für Kinder und Menschen mit Behinderung schaffen", erklärt sie.

Land-Art ist eine Kunstrichtung, die ihren Ursprung in den USA hat und dort schon seit den sechziger Jahren praktiziert wird. Sie möchte einen Kontrast zur Künstlichkeit setzen, indem Menschen mitten in der Landschaft Kunstwerke aus Naturmaterialien gestalten, die dem normalen Verwitterungsprozess ausgesetzt sind.

Mit Materialien aus ihrem Umfeld sollten die Schüler also Motive zusammensetzen und diese fotografieren. Nach einer Woche "Verwitterungszeit" fertigten sie ein zweites Foto an und setzten es mit dem ersten zu einem Memory zusammen. "Man kann dieses Memory ganz normal spielen, indem man die beiden zusammengehörigen Bilder sucht. Man kann die Fotos aber auch, wenn soziale Kontakte wieder möglich sind, nachlegen lassen", so Hämmer-Stosch. Und noch eine Variante gibt es: Die Schüler können die verwendeten Materialien sammeln lassen und daraus neue Kreationen gestalten.

Erstellt wurde das Memory im Rahmen des "Future Online Social School Projects", bei dem Schüler Menschen mit Behinderung am Computer unterrichten und Kinder des sonderpädagogischen Förderzentrums oder von Kitas unterstützen.

Immense Vorarbeit

Nina Pfadenhauer hat eine Eule aus Naturmaterialien konstruiert. "Das Motiv hat sich einfach von selbst ergeben", sagt sie. Die Vorarbeit allerdings sei immens gewesen. Vier Stunden lang sei sei im Wald und im Garten unterwegs gewesen, um Steine, Blätter, Gras, Eicheln und Zweige zu sammeln. "Ich könnte mir gut vorstellen, dass ich so etwas einmal mit Kindern draußen mache. Land- Art macht Spaß, man kann sich kreativ in der Natur ausleben", findet sie.

Amelie Hofstetter hatte die Zielgruppe Kindergartenkinder fest im Blick. "Ich habe deshalb ein Pferd gelegt. Mit dem Motiv können die Kleinen etwas anfangen. Bei mir war die Suche nach Material nicht so aufwändig. Ich habe eine halbe Stunde gesucht, dann hatte ich alles", sagt sie und spricht von einer schönen Abwechslung zum Online-Unterricht.

Das kann Nicole Gomer bestätigen, obwohl sie nicht ganz vom Computer loskam. Sie hat sich bei der Motivfindung vom Internet-Programm Pinterest inspirieren lassen. Dann legte sie einen bunten Schmetterling, eine Raupe aus Schnee, einen Baum aus Moos und Stöcken. "Das hat alles sehr viel Spaß gemacht. Es war richtig schön, an die frische Luft zu kommen", sagt sie.

Hungriger Esel

Auch Lehramts-Praktikant Nino Deinlein hat bei dem Projekt mitgewirkt. Er sammelte mehr als hundert Steine und legte im Paddock bei sich zu Hause einen riesigen Pferdekopf. "Das Konstruieren des Motivs hat wirklich Spaß gemacht, aber ich habe den Aufwand und auch die Halbwertszeit meines Kunstwerkes unterschätzt", sagt er. Denn die eigenen sieben Pferde und Esel Luca fanden das, was er tat, sehr seltsam und wurden neugierig. "Naja, kaum war der Pferdekopf fertig, ist Esel Luca drübergelaufen und hat das Heu einfach weggefressen." Vielleicht, so der Pferdenarr, sei es die ganz eigene Art des Vierbeiners gewesen, seine Bewunderung für das Land-Art-Kunstwerk auszudrücken: Er hatte es zum Fressen gern.

Das Projekt geht übrigens im gesamten Schuljahr weiter. Denn natürlich soll das Memory die verschiedenen Jahreszeiten abbilden.