Viele, die derzeit etwas besorgen müssen, nutzen wegen der geschlossenen Läden das Internet. Wer sich alleine fühlt, macht einen Videoanruf. Wer wissen möchte, welches Geschäft noch geöffnet hat, schaut die Öffnungszeiten im Internet nach. Doch was für viele Alltag ist, stellt Senioren vor Hürden.

Gut angenommen

Zwar besitzen einige ein Smartphone oder einen Laptop, doch der sichere Umgang damit fällt ihnen schwer. Hier kommen das MGH und Maren Grom ins Spiel. Seit vergangenem Jahr bietet sie einen Kurs für Senioren an: Der behandelt alles, was mit Smartphones, Computern und Internet zu tun hat. Dazu gab es eine Mediensprechstunde, in der Fragen gestellt wurden.

"Das bisherige Angebot ist gut angenommen worden. Hier saßen um die 30 Leute im Raum", sagt Iris Hönig, Geschäftsführerin des MGH Bad Kissingen. Es seien Leute ab 55 Jahren bis zu über 80-Jährigen dabei gewesen. Genau in dieser Zeit wäre das Projekt sinnvoller denn je. Das Problem ist aber die Ausgangsbeschränkung. Und selbst, wenn es die nicht gäbe: Die Zielgruppe des Kurses ist die Risikogruppe für die Krankheit Covid-19, was ein Zusammensitzen im Kursraum undenkbar macht.

Nicht abhängen

"Die, die nicht raus sollen, sind die, die jetzt Unterstützung brauchen", erklärt Hönig. Grom ergänzt: "Die Geschäfte sind alle zu. Die Leute, die jetzt nicht einfach ins Netz können, haben ein Problem." Deswegen wird sie sich ab Dienstag telefonisch um die Fragen der Senioren kümmern (siehe Infokasten). Von einem einmaligen Gespräch bis zu mehreren Sitzungen sei alles möglich.

Maren Grom nimmt sich trotz der Einschränkungen durch die Coronapandemie Zeit für alle Fragen, die aufkommen. Es ist also die kontaktlose Version des Kurses vom vergangenen Jahr. "Ich war vor den Ausgangsbeschränkungen mindestens zweimal die Woche hier, das fehlt mir", sagt Maren. Sie freue sich, bald wieder mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Durch die Ausgangsbeschränkung werde viel auf digitale Lösungen gesetzt. Fast alles spielt sich nun im Netz ab: Von Ankündigungen, über Videoanrufe bis hin zu Konzerten. "Es gibt viele, die das nicht beherrschen, das ist eine Ausgrenzung von einem großen Prozentsatz der Bevölkerung", findet Hönig.

Ältere Menschen würden derzeit immer mehr vereinsamen: "Es gibt ja viele, die haben nur wenig Familie oder Freunde. In den Heimen fällt alles aus, die Menschen bekommen ihr Essen auf dem Zimmer", sagt Grom. Auch im Mehrgenerationenhaus findet nichts mehr statt. "Wir sind ja eine Begegnungsstätte, und genau das dürfen wir nicht mehr", meint Hönig. Schachclub, Lesetreff, Spielenachmittage, Singen - all das findet nun nicht mehr statt.

Die Mediensprechstunde ist der Versuch, die Senioren in die Welt des Digitalen zu führen oder ihnen dort zu helfen. Diese eröffnet Kommunikationsmöglichkeiten und praktische Wege, das Leben in Coronazeiten zu bewältigen. Sei es das Versenden einer E-Mail oder einer Whatsappnachricht, ein Skypeanruf, Online-Banking oder das Bestellen im Internet.

Lerneffekt durch Corona

"Auch wenn in Zukunft wieder alle raus dürfen, werden wir hier nicht mit 40 Leuten sitzen. Die Älteren gehören ja immer noch zur Risikogruppe", meint Hönig. Sie müssten sich also überlegen, wie die zukünftigen Angebote des MGH gestaltet seien. "Bis dahin wollen wir den Kontakt halten, damit die Menschen nicht alleine sind. Das ist ja auch unser Anspruch im MGH", sagt sie. Und bei einem sind die Beiden sich einig: Sie würden in der Zukunft auf jeden Fall die Begegnungen im Haus noch mehr schätzen, als vorher.