von unserem Mitarbeiter Alfred Thieret

Lichtenfels — Mit einer Vernissage eröffnete am Sonntag Bürgermeister Andreas Hügerich im Stadtmuseum die bis zum 7. Juni zugängliche Sonderausstellung "Postgeschichte Lichtenfels", die der Lichtenfelser Philatelist Klaus Müller mit einer Vielzahl von Postbelegen ermöglichte.
Die Ausstellung, die er gemeinsam mit seinem Sohn Harald zusammenstellte, lasse sich in vier Themenschwerpunkte untergliedern, nämlich Lichtenfels als Bahnknotenpunkt, historische Postbelege der einstigen selbständigen Ortsteile von Lichtenfels, der Korbhandel in Lichtenfels und der Wandel des Postwesens in Lichtenfels, erklärte Klaus Müller.
So befanden sich unter den unzähligen Belegen vom Bahnknoten Lichtenfels Postbelege der verschiedenen Abteilungen aus der Zeit von 1863 bis 1993, also aus der Zeit der Königlich Bayerischen Eisenbahn bis zur Deutschen Bundesbahn. Dabei konnte man recht ungewöhnliche Exemplare entdecken. So war ein Frachtbrief aus dem Jahr 1872 über eine Stahlsendung von Hagen in Westfalen nach Marktl, dem späteren Geburtsort (1927) von Papst Benedikt XVI., ausgestellt. Die Sendung lief über preußische Strecken und wurde in Lichtenfels von der Werra-Bahn in die baye rische Staatsbahn umgeladen.
Nicht alltäglich erscheint auch eine Postkarte eines holländischen Kartoffelhändlers an den Bahnhofsvorsteher der königlichen Bahnstation Lichtenfels mit dem Angebot, Kartoffeln zu liefern, da ihm zu Ohren gekommen sei, dass hier die Ernte schlecht ausgefallen sein soll. Ein wichtiger Beleg ist auch ein Frankaturzettel der Werrabahn von 22. Februar 1859, die erst einen Monat vorher eröffnet worden war.

Die Blütezeit der Korbhändler

Äußerst interessant sind auch die postalisch und geschäftlich historischen Belege der Korbwarenfirmen. Bebilderte Rechnungen und Postkarten aus der Zeit von 1848 bis 1952 ,zum Beispiel der Firmen D. Bamberger, Hourdeaux-Bergmann, Heinrich Krauß, Simon Brüll, Philipp Gutmann und Josef Bamberger, erinnern an die Blütezeit dieser Firmen, die den Ruf von Lichtenfels als Deutsche Korbstadt begründeten. Groß war auch die Anzahl der Postbelege aus der Zeit, als die Lichtenfelser Stadtteile noch selbständig waren und über eigene Poststellen verfügten. Von Buch am Forst über Reundorf, Seubelsdorf, Kösten, Schney und Trieb bis Mistelfeld, Roth und Isling waren Dokumente vorhanden.
Bürgermeister Andreas Hügerich bedauerte, dass elektronische Medien immer mehr dem Papier und somit auch den handgeschriebenen Worten den Rang abliefen. Schließlich habe eine Postkarte aus dem Urlaub eine ganz andere Wertigkeit als eine SMS. Als besondere Attraktion trat Günter Lutz in einer historischen Postuniform aus der Thurn-und-Taxis-Zeit des 18. Jahrhunderts in Erscheinung.