Zur Feier des 70-jährigen Kirchweihjubiläums der St.-Michaels-Kirche konnte sich Ziegelerden über hohen Besuch freuen. Erzbischof Ludwig Schick war trotz Corona gekommen und feierte die Sonntagsmesse mit den Gläubigen - natürlich unter Beachtung der Schutzmaßnahmen. Deshalb war auch eine Veranstaltung im Anschluss an den Gottesdienst nicht möglich, aber die lebendige Predigt des Bischofs und auch ein kleiner historischer Rückblick machten die Messe zu einem beeindruckenden Erlebnis für alle Teilnehmer.

"Wir wollen Abstand halten, aber die menschliche Nähe suchen", betonte auch Christian Kapfhammer für die Gemeinde in Ziegelerden, als er den Erzbischof herzlich willkommen hieß. Fast genau vor 70 Jahren, am 12. November 1950, habe der damalige Erzbischof Joseph Otto Kolb die Weihe der Kirche vorgenommen. Seit dieser Zeit habe die Kirche viel erlebt und viele Ziegelerdener hätten ein ganz besonders persönliches Verhältnis zu ihrer Kirche aufgebaut.

"Ich bin gerne zu Ihnen nach Ziegelerden zum 70. Kirchweihjubiläum gekommen, weil ich Ihnen Hoffnung und Zuversicht geben will", unterstrich Erzbischof Ludwig Schick. In dieser schwierigen Zeit durch Corona sei es wichtig, Verantwortung zu zeigen, das Nötige einzuhalten und das Notwendige zu tun. Dem guten Miteinander und der Gemeinschaft der Menschen komme dabei eine besondere Bedeutung zu, überbrachte er dabei auch die Grüße von Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber. Gerade in dieser schwierigen Zeit sei es wichtig, alle Menschen zu unterstützen, die Hilfe benötigten, animierte er, zum Beispiel Älteren in allen Le-benssituationen zu helfen.

Der Bischof blickte auch auf die Zeit des Kirchenbaues zurück, die er als Kind intensiv erlebt habe und die entscheidende Jahre in der Geschichte der Bundesrepublik gewesen seien. Es sei eine anstrengende Zeit mit Entbehrungen, aber auch gute Jahre des Aufbaues und des Fortschritts gewesen, und auch die Gläubigen in Ziegelerden hätten ihr Ziel eines eigenen Gotteshauses mit großem Engagement in die Tat umgesetzt. Dies sei aber auch ein Zeichen des Glaubens, denn Christ sein bedeute Glauben an den guten Gott in einem Leben aus Hoffnung und Vertrauen. Dazu komme die Liebe zum Nächsten als wichtigstes Gebot. Somit könne man den christlichen Glauben kurz mit seinen drei Tugenden "Glaube, Hoffnung, Liebe" zu-sammenfassen und jeder sollte sich je nach seinen Fähigkeiten für sie einsetzen.

Der Bau der Kirche in Ziegelerden kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sei eine beeindru-ckende Gemeinschaftsleistung der Menschen hier gewesen, unterstrich Stadtrat Ralf Völkl in seinem Rückblick. Denn noch während des Kirchenbaues seien zum Beispiel durch den VdK Hilfsgüter im Ort verteilt worden. Chronist Hans Diller habe aber festgehalten, dass die Menschen nach der Enttäuschung und Katastrophe des Nazi-Regimes durch eine Besinnung auf Gott eine neue Orientierung gesucht hätten. Und so sei die prägende St.-Michaels-Kirche seit dieser Zeit nicht nur der Mittelpunkt des Ortes, sondern throne auch weithin sichtbar auf dem Haßlacher Berg über der Stadt Kronach.

Mühselige Handarbeit

Dabei sei alles sehr schnell gekommen. Am 29. September 1946 wurde zum ersten Mal in der Geschichte von Ziegelerden ein Gottesdienst im Saal des Gasthauses Möckel gehalten. 1947 folgten dann die Gründung eines Kirchenchores und eines Caritasausschusses, und die Idee eines eigenen Gotteshauses kam zum ersten Mal am 1. Januar 1947 bei einer Weihnachtsfeier auf, bei der erstmals für den Bau einer Kirche gesammelt wurde. Am 21. September 1947 wurde dann ein eigener Kirchenbauverein gegründet, der noch heute besteht und bei der Pflege und dem Erhalt der Kirche aktiv ist. Nach den Steinbrucharbeiten 1948 wurde 1949 der Rohbau erstellt. In diesem Jahr fanden Grundsteinlegung und Richtfest statt. Die Erdarbeiten führten die Ziegelerdener Bürger und Jugendlichen bereitwillig in mühseliger Handarbeit durch, auf Maschinen wurde weitgehend verzichtet, um Geld zu sparen. Im Mai 1949 besichtigte anlässlich einer Firmung Erzbischof Joseph Otto Kolb die Baustelle und stellte anschließend die noch fehlenden Mittel für die Fertigstellung der Kirche zur Verfügung, so dass bereits Anfang 1950 der Innenausbau begonnen werde konnte und die Kirche im Herbst komplett fertiggestellt war.

"Aus heutiger Sicht ruft es Bewunderung und Erstaunen hervor, in welch kurzer Zeit das große Gotteshaus mit bloßen Händen, fast ohne maschinelle Hilfsmittel, gebaut wurde", würdigte Ralf Völkl die Leistung von damals.

Auch in den Folgejahren habe man weiter an der Ausstattung der Kirche gearbeitet. Im Jahr 1953 ging der lang ersehnte Wunsch nach einer Kirchenglocke in Erfüllung. 1959 erhielt die Kirche ihre große Orgel und 1980 wurde das Geläut um drei weitere Glocken erweitert. 1984 folgte die Anschaffung von Turmuhren und kürzlich erhielt die Kirche eine neue, gelungene Beleuchtung und Gestaltung des Altarraums.

"Heute kommt es darauf an, daran zu bauen, dass die Gemeinde und die Gemeinschaft der Christen im Ort lebendig bleibt", ging Ralf Völkl auf die veränderten Herausforderungen der heutigen Zeit ein und rief dazu auf, sich in der Gemeinde zu engagieren.

Dank an Armin Herbst

Einer, der das eine unglaublich lange Zeit mache, sei Armin Herbst, der seit 42 Jahren, bis heute, also mehr als die Hälfte der Geschichte der Kirche, Vorsitzender des Kirchenbauvereins und Kirchenpfleger sei. Ihm dankte er für diese herausragende Leistung.

Der Besuch des Erzbischofs sei dazu sicherlich eine große Motivation, zeigte er sich sicher und bedankte sich mit einem Korb von Spezialitäten der Metzgerei Ziegler aus dem Ort und Kronacher Bier bei Ludwig Schick, dass er an seiner Zusage für den Besuch trotz der schwierigen Rahmenbedingungen festgehalten habe. vz