Der 9. Oktober 2021 war ein Feiertag für den TSV Aubstadt. Mit 3:1 besiegte der Fußball-Regionalligist vor knapp 700 Zuschauerinnen und Zuschauern in der heimischen NGN-Arena den Drittligisten Türkgücü München und zog erstmals in der Vereinsgeschichte ins Halbfinale des Toto-Pokals ein. Dort wartet am Samstag mit dem TSV 1860 München nun der nächste Drittligist aus der bayerischen Landeshauptstadt. Keine guten Erinnerungen an das Pokal-Viertelfinale im vergangenen Herbst hat hingegen Michael Hofmann, der insgesamt 14 Jahre das Trikot des TSV 1860 München trug und bis Ende letzten Jahres als Torwarttrainer bei Türkgücü arbeitete.

Hofmann: "verdient verloren in Aubstadt"

"Das war für uns damals eine herbe Enttäuschung. Wir haben wirklich nicht gut gespielt und absolut verdient verloren", sagt Hofmann im Gespräch mit dieser Redaktion. Vor Augen hat er noch eine große Chance der Münchner in der Schlussphase. "Da hat der Aubstädter Torhüter Lukas Wenzel einen Schuss super um den Pfosten gelenkt und das 2:2 verhindert. Ehrlicherweise war das aber auch fast die einzige Chance von uns im gesamten Spiel."

Gut zwei Jahre zuvor, im September 2019, war Hofmann schon einmal in Aubstadt zu Gast gewesen. Damals gewann Türkgücü das Aufsteiger-Duell in der Regionalliga nach einer lange Zeit spannenden Partie mit 3:1 und stieg am Ende der abgebrochenen Saison in die 3. Liga auf. "Die beiden Spiele in Aubstadt sind mir auf jeden Fall in guter Erinnerung geblieben. Ich mag das ländliche Flair, das dort herrscht. Nach dem Spiel konnte man ins Sportheim gehen und gemütlich eine Halbe trinken. Auch Trainer Victor Kleinhenz und Torwartcoach Christian Mack fand ich sehr sympathisch."

Kapitel Türkgücü seit Januar beendet

Das Kapitel Türkgücü ist für den gebürtigen Oberfranken, der seit 1996 in München lebt, seit Januar hingegen Geschichte. Bereits 2017 hatte er sich dem Klub angeschlossen. In der Landesliga stand er mit 44 Jahren für vier Spiele zwischen den Pfosten. Als Torwarttrainer machte er die drei Aufstiege von der Landesliga bis in die 3. Liga mit. "Es war schön, den Weg von Türkgücü mitgehen zu können. Als ich 2017 dort angefangen habe, gab es klare Vorstellungen und Ziele."

Für Hofmann hat der Verein in der 3. Liga dann aber "viele Fehler gemacht und die Geduld verloren". Man könne nicht jedes Jahr den teuersten Spielerkader zusammenkaufen und sofort Erfolg haben. Die schnellen Trainerentlassungen von Alexander Schmidt und in dieser Saison von Petr Ruman habe er ebenfalls nicht nachvollziehen können. "Mit jeder weiteren Trainerentlassung ist die Verunsicherung im Team gestiegen", findet Hofmann.

Ex-Keeper beobachtet Ex-Klubs genau

Aktuell arbeitet der ehemalige Bundesliga-Torhüter als Experte für die Streaming-Plattform DAZN, betreibt eine Torwartschule und schaut sich nach neuen Aufgaben für den kommenden Sommer um. "Ich beobachte gerade viele Ligen und bin auch über das Geschehen in der Regionalliga Bayern bestens informiert. Dass mein Heimatverein, die SpVgg Bayreuth, vor dem Aufstieg in die 3. Liga steht, freut mich natürlich besonders. Timo Rost macht dort einen klasse Job."

Der 49-Jährige betont, dass er für alle seine ehemaligen Vereine Sympathien hegt. So hofft er, dass dem SSV Jahn Regensburg, für den er im Herbst seiner Spielerkarriere drei Jahre lang kickte, der Klassenerhalt in der 2. Bundesliga gelingt. Eine besondere Beziehung hat Hofmann aber vor allem zum TSV 1860 München. Das verrät nicht nur seine Handynummer, die mit den Ziffern 1860 endet.

Champions-League-Quali mit 1860

Zwischen 1996 und 2010 stand er immerhin 14 Jahre in Diensten der Münchner Löwen. Auch wenn er oft nur die Nummer zwei im Tor war, kam er in dieser Zeit auf 169 Spiele in der Bundesliga und der 2. Bundesliga. Besondere Highlights waren für Hofmann die beiden Qualifikationsspiele zur Champions League gegen Leeds United im Jahr 2000. Obwohl die Münchner knapp scheiterten, erinnert sich der Torhüter gerne an diese Zeit zurück. "Wir hatten damals eine richtig gute Mannschaften mit echten Typen", schwärmt Hofmann.

Der Kontakt zum TSV 1860 München ist auch nach seinem Weggang nie abgerissen. So ist Hofmann nach wie vor Löwen-Mitglied und spielt auch immer wieder mal in der Traditionsmannschaft der Blauen. "Mit 1860-Trainer Michael Köllner, den ich sehr schätze, tausche ich mich auch hin und wieder aus. Die nächsten zwei Monate werden aus Löwen-Sicht jedenfalls richtig spannend. Vielleicht gelingt ihnen ja doch noch der Aufstieg in die 2. Liga."

Zuschauer könnten entscheidend sein

Dorthin gehört der Verein für Hofmann auch. "Auf Dauer wird es für 1860 in der 3. Liga schwierig sein, über die Runden zu kommen." Dass die Münchner nun aber den Pokal vernachlässigen, glaubt der 49-Jährige nicht. "Mit zwei weiteren Siegen im Toto-Pokal würden sie sicher in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals stehen. Das ist schon ein wichtiges Ziel." Klar ist für ihn aber auch, dass den Löwen in Aubstadt eine schwierige Aufgabe bevorstehen wird.

"Ich freue mich auf diese Begegnung. Momentan pendele ich oft zwischen München und Oberfranken. Vielleicht kann ich bei dem Spiel sogar live vor Ort sein. Aubstadt hat jedenfalls eine echte Chance, die Überraschung zu schaffen und ins Pokal-Finale einzuziehen", sagt Hofmann.

Eine entscheidende Rolle könnten auch die Zuschauer spielen. "Das kann dort ein richtiger Hexenkessel werden. Aber 1860 hat beim 3:2-Sieg im Viertelfinale in Buchbach ja bereits eine ähnliche Atmosphäre erlebt." Zudem glaubt Hofmann, dass zahlreiche Löwen-Fans im Grabfeld dabei sein werden. "1860 hat viele Fans in der Region. Auch zu meiner aktiven Zeit waren wir unter Trainer Werner Lorant deshalb immer mal wieder zu Vorbereitungsspielen in Unterfranken."