von unserer Mitarbeiterin 
Christiane Reuther

Knetzgau — Was in Hofheim bereits funktioniert, könnte auch in der Gemeinde Knetzgau umgesetzt werden: die Hilfe für Flüchtlinge und Asylbewerber. Wie die Hilfe in den einzelnen Orten organisiert und koordiniert werden kann, brachte Professor Eike Uhlich, Sprecher und Initiator des Hofheimer Freundeskreises Asyl, auf Einladung der Christlichen Wählergemeinschaft (CWG) einem interessierten Publikum bei einem Info-Abend in der Gaststätte "Drei Linden" in Knetzgau näher.
Seit Dezember befinden sich die ersten Flüchtlinge im Knetzgauer Gemeindeteil Eschenau. Im Laufe der kommenden Monate werden weitere Flüchtlinge in der Gemeinde ankommen. Aktuell ziehen drei junge Männer aus Palästina in eine Unterkunft gegenüber dem Knetzgauer Rathaus ein. Viele Menschen aus der Gemeinde Knetzgau sind bereit zu helfen. Mit der Info-Veranstaltung, die auf großes Interesse gestoßen war, wollte die CWG einen Beitrag dazu leisten, die Hilfsbereitschaft zu bündeln und miteinander abzustimmen. Am Ende der Veranstaltung erklärten sich zahlreiche Besucher bereit, einen Freundeskreis Asyl in Knetzgau mitzutragen.
"Leuchttürme, Lautsprecher und Geduld sind zwar nicht alles, was man braucht, um in der Flüchtlings- und Asylarbeit gut voranzukommen - aber das Wichtigste", sagte Uhlich eingangs. Als Arzt im Ruhestand hatte ihm das Schicksal der Lampedusa-Flüchtlinge keine Ruhe gelassen. Als "Asylbewerber Deluxe" war Uhlich selbst vor Jahren vom Osten in den Westen gewechselt. Nach dem Alptraum namens "Lampedusa" mit mehr als 300 ertrunkenen Flüchtlingen im Spätsommer 2013 hatte er als Beauftragter für Asylbewerber seiner Heimatstadt Hofheim einen Verein gegründet, Spenden gesammelt und Wohnraum für Asylbewerber gesucht und gefunden.
"Leuchttürme und Lautsprecher" für sein Projekt fand Uhlich bei Persönlichkeiten, wie Bürgermeister, Stadträten, Pfarrern, Lehrern und in der Geschäftswelt. Frühzeitige Bürgerversammlungen sind seiner Meinung nach vor der Aufnahme der Flüchtlinge unerlässlich. Die Erfahrungen zeigten, dass sich Klagen und Beschwerden der Bürger in nahezu allen Fällen rasch als gegenstandslos, unbegründet und unzutreffend erweisen, erklärte er.
Was brauchen Asylbewerber? Zunächst Nahrung und Unterkunft, dann Kleidung und am Ende natürlich Arbeit. Uhlich verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass jährlich Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland weggeworfen werden. Wenn nur zehn Prozent der Lebensmittel an Asylbewerber abgegeben würden, könnten 200 000 Asylbewerber satt werden. Ähnlich sei es bei der Kleidung, auch hier würden pro Jahr 0,7 Millionen Tonnen in der Altkleidersammlung landen.

"Gutes Klima im Landkreis"

Uhlich sprach von einem "guten Klima" für Asylbewerber in den Haßbergen im Vergleich zu Großstädten wie Berlin oder Dortmund. Die "Basisversorgung" seitens des zuständigen Sozialamtes sei garantiert, aber eher als absolutes Minimum. Alles, was über die Grundversorgung hinaus benötigt werde, definiere das Engagement Ehrenamtlicher, das Tätigkeitsfeld eines "Freundeskreises". Hierunter fielen der Empfang, die Einführung, das Kennenlernen der Unterkunft, das Einkaufen, Informationen über verwaltungstechnische Abläufe wie Kindergarten-, Schul- oder Arztbesuche, Sprachschulung oder Patenschaften. Dies alles müsse organisiert werden, ohne Asylbewerber zu bevormunden oder sie gar zu "Deutschen umerziehen" zu wollen, betonte Eike Uhlich.