Wort zum Sonntag für 29. Mai:

Weit hinauf ins Schweizer Alpendorf Davos haben sie sich "zurückgezogen", viele Weltwirtschaftsbosse, Regierungschefs, Vertreter von Nicht-Regierungs-Organisationen, Wissenschaftler und andere Menschen, die Verantwortung tragen. Der Ukraine-Krieg, die Corona-Pandemie und die Klimakrise sind die wichtigsten Themen des "Weltwirtschaftsforums". Sein offizielles Motto lautet "Geschichte am Wendepunkt". Dabei gehe es weniger um politische Beschlüsse, sondern vielmehr um Austausch und Impulse für den Fortschritt auf verschiedensten Ebenen.

In Krisen mit ihren Ungewissheiten, Sorgen, Ängsten, Dunkelheiten und offenen Fragen suchen wir das Beieinandersein. Spannungen sind gemeinsam besser auszuhalten und hilfreiche Ideen werden da geboren, wo man aufeinander zugeht mit einer grundsätzlichen Zuversicht. Das haben Familien erfahren im Lockdown. Das erleben wir manchmal auch beim Tod eines geliebten Menschen in der Zeit bis zur Beisetzung. Menschliche Nähe und Gemeinschaft geben erst einmal inneren Halt, auch wenn äußere Sicherheiten schwanken. Und unsere Vereine entdecken ihr Heim neu als echten Schatz, wenn sie es als vertrauten Treffpunkt wieder nutzen können.

In der biblischen Pfingstgeschichte scheinen solche Erfahrungen enthalten zu sein. Nach der "Himmelfahrt" Jesu haben sich Jüngerinnen und Jünger miteinander zurückgezogen in jenen Raum im Obergeschoss, wo sie zusammen Abendmahl gefeiert hatten und wo ihnen ihr Freund von den Toten auferstanden erschienen war. Sie hatten dieses Beieinanderbleiben als seinen Auftrag im Ohr.

Aber ganz menschlich werden sie die fühlbare Gemeinschaft wohl auch gebraucht haben. Die Erinnerungen verbinden miteinander. Im Erzählen und auch im Miteinander-Schweigen lernt man durchaus manches besser zu verstehen oder mit dem Unsagbaren umzugehen. Jedenfalls ist da geheimnisvoll etwas gewachsen, was schließlich zu einem überraschenden Durchbruch geführt hat, zum begeisterten Aufbrechen auf einen ganz neuen Weg, - wie wir heute erkennen, in eine neue Epoche der Weltgeschichte.

Mich hat diese Erfahrung der Jünger-Gemeinschaft zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten schon immer fasziniert. Wer an Jesus glaubt, braucht das lebendige Miteinander der Gleichgesinnten, die gegenseitige Ermutigung, wohl aber auch die ehrliche Auseinandersetzung. Zu viele Christen haben heute diese Brücken zwischen einander abgebrochen und haben sich vereinzelt. Wo sie aber auf Jesus hinhören und versuchen, sich gemeinsam an ihm zu orientieren, entsteht Raum für die notwendige Erneuerung in seinem Geist - auch für die Kirche heute. Deshalb hat Jesus für seine Jünger um Einheit gebetet.

Ich freue mich, dass die verschiedenen Christen, Gruppen und Kirchengemeinden im Raum Bad Brückenau in diesen Tagen bis Pfingsten wieder miteinander um Gottes Geist bitten. Viele treffen sich als tägliche Gebetsgemeinschaft in ihrer Kirche. Und einige möchten mit ihren persönlichen Glaubenszeugnissen per YouTube-Clip ganz breit und öffentlich zum Mitbeten anleiten (Kanal: "Spuren zum Licht"). "Hoffnungsfunken" sollen dabei zünden. Entschlossenheit und kreative Kraft mögen wachsen für die Erneuerung von Welt und Kirche. Der Geist der Wachsamkeit, der Liebe und der Weisheit helfe uns, für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit hier die Wege zu bereiten.

Armin Haas,

Pfarrer im Pastoralen Raum

Bad Brückenau