Seit 1950 gilt das Amt der Fränkischen Weinkönigin als eines der schönsten Frankens. Königin reihte sich an Königin - bis vor kurzem Nachwuchssorgen aufkamen. Es fand sich keine passende Bewerberin. Mittlerweile greifen drei Fränkinnen nach der Krone - eine davon stammt aus dem Landkreis Bad Kissingen.

Linda Keller aus Ramsthal konkurriert heuer gegen Eva Brockmann aus Großwallstadt und Emmi Wendemuth aus Albertshofen. Der Kampf um die Krone entfachte sich jedoch erst, als der Fränkische Weinbauverband die Bewerbungsfrist verlängerte. Zunächst war keine passende Bewerbung eingegangen. Die amtierende Weinkönigin Carolin Meyer ist, aufgrund der Pandemie, bereits seit drei Jahren im Besitz der Krone. Eine weitere Verlängerung ihrer Amtszeit schloss sie jedoch aus. In der zweiten Bewerbungsrunde fanden sich schließlich die drei Kandidatinnen, um sie abzulösen.

Weingut im Landkreis

Großgeworden ist die 23-jährige Linda Keller auf dem elterlichen Weingut "Weinbau Keller" in Ramsthal. Mit Abschluss ihrer schulischen Laufbahn entschied sie sich zunächst gegen eine Laufbahn als Winzerin und absolvierte eine Ausbildung zur Zahntechnikerin in Euerdorf. Der Berufswechsel zur Winzerin erfolgt wenig später, aufgrund steigender Mithilfe im elterlichen Weingut. "Außerdem hat es mich interessiert, wie das Endprodukt Wein entsteht und wie viel Arbeit dahintersteckt", teilt sie mit.

Seit Abschluss ihrer Winzerausbildung in Volkach auf "Schloss Hallburg" im September 2021, arbeitet sie nun als Weinbauerin in Iphofen. In der Berufsschule lernte Keller auch ihren aktuellen Lebensgefährten kennen. 2020 erfüllten sich die beiden den Traum vom eigenen Weingut.

Der Weg zur Krone

Die Idee einer Bewerbung für das Amt der Fränkischen Weinkönigin kam ihr sehr spontan. "Jedes Mädchen träumt irgendwann mal davon, wenn man so aufwächst wie ich." Aufgrund der geringen Vorbereitungszeit habe sie im ersten Bewerbungszeitraum noch gezögert. "Franken ohne Weinkönigin - das geht gar nicht", antwortet Keller auf Nachfrage, warum sie sich schließlich erst nach Verlängerung der Bewerbungsfrist zu diesem Schritt entschlossen hat. Dass die beiden Mitbewerberinnen bereits mehr Erfahrung auf der Bühne mitbringen, sieht sie nicht als Nachteil. "Wir haben alle drei ziemlich gute Chancen."

Wenn die Ramsthalerin zur Weinkönigin gekrönt wird, ist sie nach Melanie Unsleber, die Erste seit über zehn Jahren, die es schafft, den Titel wieder in den Landkreis Bad Kissingen zu holen.

Überzeugen will die 23-Jährige vor allem durch ihr Fachwissen. Allerdings ist es ihr dabei besonders wichtig authentisch zu bleiben. "Dadurch, dass ich schon an mehreren Orten gearbeitet habe, weiß ich einfach wie das Lebensgefühl hier ist, wie die Leute zueinander sind. Ich glaube ich kann das gut transportieren." Sie hat sich zum Ziel gesetzt den Menschen näherzubringen, wie viel Arbeit hinter einem guten Wein steckt, und möchte besonders junge Leute für den Job begeistern. "Winzer sein ist schon anstrengend. Man steht bei jedem Wetter draußen, aber es lohnt sich." Auch Rainer Keller, der Vater der 23-Jährigen, ist sich sicher "Linda wird die Leute vor allem durch ihr positives, offenes Auftreten von sich überzeugen."

Breites Unterstützerfeld

Unterstützung haben ihr mittlerweile auch der Bürgermeister, ihr aktueller Kellermeister und ihre Eltern zugesagt. "Natürlich erhält Linda von uns Unterstützung, egal wo sie gebraucht wird", so der Vater der 23-Jährigen. Einen eigenen Wein haben die beiden Eltern für ihre Tochter ebenfalls in Planung, genaueres dazu ist allerdings noch nicht bekannt.