Bamberg — Leicht, nahezu schwebend gleiten die Türen der Schrankwand. Sie wiegen nicht schwer, schließlich sind sie aus Leinwand. Ihre motivische und farbige Gestaltung dürfte zukünftig interessierte Blicke auf sich ziehen. Und Anlass für ein Gespräch geben - ein Gespräch über Kunst und über Menschen mit Behinderung. Denn die ästhetisch überaus gelungene, zum ambitionierten Farbkonzept des gesamten Geschäfts passende Gestaltung der Schrankwände übernahmen Barbara Held und Timur Manapow von der Lebenshilfe Bamberg.
Hören und sehen - diesen beiden Sinnen hat sich der Optiker und Hörakustiker Martin Pscherer beruflich verschrieben. Sein neues Geschäft "zweiwas" in der Gaustadter Hauptstraße wird nicht nur den modernsten Erfordernissen für Optik und Hörgeräteakustik gerecht, sondern Pscherer hatte mit seiner Innenarchitektin Susanne Seggelke von Anfang an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung im Blick. Barrierefreiheit gehört selbstverständlich zum Konzept, darüber hinaus ist die Beratung für Gehörlose in Gebärdesprache Standard sowie die Möglichkeit eines professionellen Sehtestes in 3D für Rollstuhlfahrer, da der Monitor der Refraktionseinheit an einer frei im Raum stehenden, schwenkbaren Stütze platziert ist.
Das Geschäft bietet derzeit noch mehr: Martin Pscherer gibt den beiden Künstlern Barbara Held und Timur Manapow der "Inklusiven Kulturwerkstatt" der Offenen Behindertenarbeit der Lebenshilfe Bamberg die Möglichkeit, mit weiteren Werken Einblick in ihr Oeuvre zu geben. Während sich Barbara Held ihrem Thema "Bücher" mittels Roll- und Spritztechnik widmet, verleiht Timur Manapow seinen Acrylbildern mit seinem Faible für Ritzungen eine Tiefenwirkung von beachtlicher Qualität. Autonom nebeneinander und doch harmonisch im Nebeneinander reihen sich Schiffe, Frachter, U-Boote und Ausflugsdampfer lustvoll zu einer "Regatta": das in voller Fahrt aufgetakelte Segelschiff neben einer Reminiszenz der Titanic, begleitet von kreischenden Möwen, Meeresgetier und ausgesetzten Matrosen. ChH