Zu den wenigen Relikten der gotischen Epoche zählt in der Höchstadter Stadtpfarrkirche eine Figur des heiligen Sebastian, dessen Gedenktag alljährlich am 20. Januar begangen wird. Leben, Bekenntnis und Martyrium des römischen Offiziers Ende des dritten und Anfang des vierten Jahrhunderts beeindrucken noch heute Christen in aller Welt.

Nachdem man in Rom seit dem Jahr 680 das Ende der Pestepidemie der Fürbitte des Heiligen zuschrieb, riefen viele Gläubige Sebastian als Schutzpatron gegen Epidemien und Seuchen an. Die Pest trieb als so bezeichnete Krankheit und Seuche an vielen Orten in verschiedensten Mutationen bis ins 19. Jahrhundert ihr Unwesen. So gründeten sich an verschiedenen Orten eigene Gebetsbruderschaften unter dem Patronat des heiligen Sebastian. In der näheren Umgebung erfährt St. Sebastian besondere Verehrung in Reichmannsdorf, in Rambach, in Geiselwind, in Adelsdorf oder Herzogenaurach.

Unter normalen Umständen erinnern sich die katholischen Gemeinden in ihren Pfarreien mit besonderen Gottesdiensten, Prozessionen und Ritualen an die ehemaligen Bruderschaften und an die örtlichen Gelübde während der Pestzeit. In der Höchstadter Stadtpfarrkirche trafen sich am Sebastianstag am Mittwoch die Gläubigen nicht nur zum Gedenken an den Heiligen. An einem Kerzenständer vor seiner figürlichen Darstellung entzündete Stadtpfarrer Kilian Kemmer drei Kerzen: zum Schutz vor der Pandemie, für den Erhalt der Arbeitsplätze bei Schaeffler sowie für Jugend und Senioren als gleichermaßen Hauptleidtragende der Pandemieeinschränkungen. Es wiederholen sich in der Geschichte nicht nur Seuchen und Epidemien, sondern auch Heilung, Rettung, gegenseitige Hilfeleistung und Fürsorge wie die Verehrung des heiligen Sebastian zeigt, stellte Kilian Kemmer fest. An der Präsenz der Kirche in Krisenzeiten habe sich seit Zeiten des "Pestheiligen" nichts geändert. "Dieser Verpflichtung müssen wir uns bemühen nachzukommen", forderte der Pfarrer. NR