Damit hatten selbst die Akteure nicht gerechnet. Trotz Regen und Kälte kamen über 100 Besucher zur Auftaktveranstaltung der Röttenbacher 700-Jahr-Feier ins Foyer des Rathauses, um die in wochenlanger, intensiver Arbeit der Röttenbacher Künstlergruppe erstellte Fotoausstellung zu eröffnen.

Es war ein Wunder für alle Beteiligten, dass diese geschichtsträchtige Veranstaltung trotz hoher Corona-Inzidenzzahlen im Inneren des Gebäudes stattfinden konnte. Bürgermeister Ludwig Wahl hatte, trotz des inzwischen freiwilligen Maskentragens, an die Besucher apelliert, sich und andere zu schützen, und verteilte großzügig seine grünen Rathausteam-Masken.

Eine besonder Torte

Mit der speziell designten Röttenbach-Torte vom ehemaligen Gemeindebäcker Peter Bräun im Rücken ging Ludwig Wahl in seiner Eröffnungsrede auf einige Anekdoten jüngeren Datums ein, die er selbst erlebt hat und mit denen er vor allem die neuen Röttenbacher und auch die anwesenden ukrainischen Flüchtlinge in Erstaunen versetzte. Auf historischen Fotos, die nicht Bestandteil der Fotopaneele an der Wand waren, zeigte er die Plakate schwingende heimische Bevölkerung bei der Demonstration gegen eine Verwaltungsgemeinschaft von Röttenbach und Hemhofen und später 1980 beim Feiern der „wiedererlangten Freiheit“ , wie auf den Schriftbändern zu lesen war.

Die gestohlene Marter

Zum Lachen brachte der Rathauschef alle, als er von der gestohlenen Marter berichtete, die heute im Freilandmuseum Bad Windsheim besichtigt werden kann. Wahl erläuterte: „Dieser Diebstahl auf dem Gelände des Hemhofener Schlosses brachte Röttenbach kurzzeitig den Namen ,Räuberbach’ein.“

Andreas Jakob, Stadtarchivar und Historiker in Erlangen und Röttenbacher Einwohner, stellte die beiden Kaufbriefe aus den Jahren 1320 und 1322 vor, auf denen Röttenbach erstmals urkundlich erwähnt worden ist. Dieses wichtige Dokument kann jetzt im Eingangsbereich des Rathausfoyers besichtigt werden. „Der 7. April 1322 hatte das gleiche Wetter wie heute“, erwähnte der Archivar in seiner unterhaltsamen Rede.

Würdigung der Organisatorin

Wahl würdigte besonders die intensive Arbeit der Organisatorin der 700-JahrFeier, Elke Klermund, und der Vertreter der Künstlergruppe, vertreten durch Rosi Felgenhauer (küstlerische Leitung) und Thomas Storch (technische Umsetzung), die zusammen eine sehenswerte Ausstellung über Röttenbach „Früher und Heute“ im Vergleich gegenübergestellt hatten. Ein echter „Zeidnwandl“, wie auch der Ausstellungsname treffend heißt.

Bis Ende Mai zu besichtigen

Der eine oder andere war erstaunt darüber, wie seine Straße früher mal ausgesehen hatte. Diese 43 großformatigen Paneele bleiben bis Ende Mai zur Besichtigung im Rathaus für alle öffentlich zugänglich. Nach dem Anschnitt der Torte mit der nicht zu übersehenden 700er-Zahl durch Landrat Alexander Tritthard, Altbürgermeister Hans Mitschke und Bürgermeister Wahl strömten alle in den Rathaussaal, der gar nicht so viele Zuschauer aufnehmen konnte, um Thomas Storch bei der Vorführung seines Videos „Flug über Röttenbach “ zuzuhören. Acht mal musste der Film laufen, um auch dem letzten Ausstellungsbesucher einen Blick auf die Luftaufnahmen zu ermöglichen, die 1958 entstanden und jetzt von Storch nachcoloriert und zu einem achtminütigen Videoclip zusammengestellt wurden.

Unbeschwerte Atmosphäre

„Zeidnwandl“ brachte an diesem Abend die Röttenbacher dazu, in Erinnerungen zu schwelgen, aber auch endlich mal wieder Neuigkeiten in unbeschwerter Atmosphäre auszutauschen.