In den katholischen Pfarreien ist Fronleichnam eine machtvolle Demonstration des Glaubens. In Herzogenaurach gab es vor 120 Jahren eine umfangreiche Fronleichnamsprozession. Der Herzogenauracher Lokalhistoriker Luitpold Maier hat sie überliefert, es gab die Prozession an Fronleichnam selbst, eine weitere am darauffolgenden Donnerstag, die sich außerhalb des Stadtkerns abspielte.

Der Weg an Fronleichnam glich dem jetzigen Prozessionsweg, allerdings war dieser von vier Altären gesäumt, an denen die Anfänge der vier Evangelien gesungen wurden. In der Prozession wurden die verschiedenen Zunftstäbe und Fahnen der ehemals in Herzogenaurach bestehenden Zünfte mitgeführt. In der Prozession liefen die Knaben und Mädchen sowohl der Stadt- als auch der Landschule mit, die Fortbildungsschüler, die Zöglinge des Liebfrauenhauses und Vertreter der örtlichen Vereine. Ebenso nahmen die Bewohner der eingepfarrten Ortschaften daran teil, Niederndorf erhielt erst 1923 eine eigene Kirche .

Neben dem Allerheiligsten unter dem Baldachin wurden auch die Figuren aus der Stadtpfarrkirche mitgeführt, die Statue des heiligen Sebastian trugen üblicherweise sechs Bürgersöhne der Stadt. In der Gegenwart haben dieses Amt Mitglieder der Kolpingsfamilie übernommen.

Nicht genügend Träger

Luitpold Maier hatte es selber erlebt, dass sich im Jahr 1901 kaum mehr sechs Bürgersöhne zusammenfanden, bei der Prozession die Statue des heiligen Sebastian zu tragen. Er blieb bei einer Prozession zurück. Folgenden Tags fand sich am Altar des Heiligen ein Blumenstrauß mit einem von einem unbekannten Bürger verfassten Gedicht: „O Heiliger Sebastian, verzeih, was die Jugend dir hat angetan. Es wird noch alte Männer geben, die dich auf ihre Schultern heben. Dich tragen in feierlicher Prozession, am nächsten heiligen Fronleichnam. Und so bekennen öffentlich, die von so hier verehren dich, seit vielen hundert Jahren. Schütz nach wie vor alt Uraha vor Pestilenz und Kriegsgefahr. Stärk uns im Glauben bester Freund und lass uns sein mit Dir vereint. Wir rufen dich getreulich an, o Heil’ger Held Sebastian.“

Die streckenmäßig umfangreichere Prozession eine Woche danach führte zu vier Stationen außerhalb der Stadt. Das erste Evangelium wurde an der Bitters- oder Schwarzbeckenmarter hinter der Ziegelhütte verlesen, das zweite Evangelium bei der alten Dreifaltigkeitskapelle nicht weit von den drei Steinkreuzen, wo sich danach das Gebäude der Vereinigten Fränkischen Schuhfabrik erhob, das dritte Evangelium in der Vorstadt, wo danach ein großer Lindenbaum stand, vis-à-vis des Königsplatzes (danach Postplatz). Den Ort der Verlesung des vierten Evangeliums konnte Luitpold Maier nicht mehr in Erfahrung bringen.

Aufgrund der Einschränkungen durch Corona ist die Feier des Fronleichnamsfestes im Jahr 2021 nur in beschränktem Umfang möglich: In Herzogenaurach findet der Gottesdienst am Donnerstag, 3. Juni, um 9 Uhr im Pfarrhof von St. Magdalena statt. Eingang ist über die Fußgängerzone in der Hauptstraße. Es werden auch Sitzgelegenheiten bereitstehen. Bei schlechtem Wetter wird in der Pfarrkirche gefeiert. Nach dem feierlichen Schlusssegen wird das Allerheiligste mit einer kleinen Gruppe zurück in die Kirche gebracht. Eine Prozession kann aufgrund der noch bestehenden Kontaktbeschränkungen nicht stattfinden. In Hannberg gibt es um 9 Uhr eine Eucharistiefeier im Freien in der Wehranlage, in Niederndorf, St. Josef, findet ebenfalls um 9 Uhr eine Eucharistiefeier statt und in Weisendorf beginnt um 10.30 Uhr eine Eucharistiefeier im Freien auf der Pfarrwiese.