Selbst die Störche rings um den Kirchplatz unterstützten mit ihren Schnäbeln die Klappern der Ministranten, die an den Kartagen die Glocken ersetzten. Stimmungsvoller hätten die drei heiligen Tage der Christenheit nicht eröffnet werden können: Ein lauer Frühlingsabend und ein Gefühl der Sicherheit begünstigten den Festgottesdienst, der an das letzte Abendmahl Jesu erinnerte.

Rings um die Kirche konnten Christen aller Konfessionen ihren Platz einnehmen. Durch die Übertragung ins Kircheninnere standen auch in der Stadtpfarrkirche genügend Plätze zur Verfügung. Mit Werken von Richard Wagner , Händel, Mozart , Bach und Mendelssohn umrahmten die Profimusiker des Bamberger "TaBrassCo"-Ensembles die Feier musikalisch. Für den Weg Jesu vom Jerusalemer Zionsberg zum Ölberg, vom Abendmahl zur Verhaftung spielten die Musiker eine nachdenklich und anrührend stimmende Vertonung von "My way".

Stadtpfarrer Kilian Kemmer verwies in Zusammenhang mit der gestellten Frage nach dem Schlüssel zum Glück auf den Tabernakelschlüssel von St. Georg. Am Beispiel des 2018 heilig gesprochenen lateinamerikanischen Bischofs und Befreiungstheologen Oscar Romero zeigte er die Notwendigkeit auf, das Sakrament der Eucharistie zu schützen und zu verteidigen.

"Weder im Abendmahlsaal noch im Leben Romeros gab es eine Trennung zwischen sozialem Engagement und ritualisiertem Kult. Das gehört zusammen", sagte Kemmer. In guten und erst recht in Krisenzeiten sei eine große Unzufriedenheit festzustellen. Kemmers Wunsch: Den Schlüssel zum Glück in der Nahrung und Sättigung durch jenes Brot neu zu entdecken, das auf den Altären gefeiert und hinter den Tabernakeltüren schützend aufbewahrt wird.

Am Karfreitagmorgen trugen die Geistlichen , flankiert von Pfarrgemeinderatsvorsitzender Karola dos Reis Goncalves und Kirchenpflegerin Tanja Schwägerl, das barocke Wallfahrtskreuz schweigend durch die Stadt, während Wolfgang Köberlein in der Stadtpfarrkirche den Kreuzweg betete. Zur Todesstunde Christi versammelten sich die Gläubigen im Schlosshof zum großen Karfreitagsgottesdienst.

In ihrer Ansprache betonte Pastoralreferentin Monika Urbasik, dass die Wunden Christi ganz menschliche Wunden sind, die alle Menschen so leidvoll erfahren. "Jesus trug all dies für uns, damit wir unseren Schmerz als erlöst annehmen können." Zum Schluss trug Stadtpfarrer Kilian Kemmer das Kreuz in die Stadtpfarrkirche, wo er mit den Kindern und deren Familien zu einer Kreuzverehrung mit Blumen zusammentraf.

Vorher unternahmen die Kinder unter der Leitung von Wolfgang Först, Markus Blumenthal und Maria Marx einen Kreuzweg ganz eigener Art durch die Innenstadt: Ölberggrotte am Kirchplatz, Krankenhaus, Seniorenzentrum, Heldenfriedhof und Marktbrunnen. Neben den musikalischen Beiträgen des Bamberger Blechbläserensembles "TaBrassCo" brachte es ein Liedbeitrag von Rektor Michael Ulbrich im Schlosshof auf den Punkt, was die Menschen am zweiten Karfreitag der Corona-Pandemie empfanden: "Vor dem Kreuz fang ich an zu verstehen, was der Verstand nie verstehen kann. Alle Regeln sind am Kreuz zerbrochen, mit Jesus fängt das Neue an."

Osternacht per Livestream

Die Osternacht am heutigen Samstagabend wird um 20 Uhr aus dem Schlosshof per Livestream übertragen. Über die Homepage der Pfarrei kommt man problemlos zur Übertragung. LM