Demenzkranke brauchen viel Zuwendung und einen klar strukturierten Tagesablauf. Gerade in Zeiten der Pandemie ist dies ein fast unlösbares Problem - jedoch nicht im Haus Schlossberg in Höchstadt. Dort betreibt der Verein "Lebensfreude ERHalten" seit über zehn Jahren eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenzerkrankungen. Dank eines funktionierenden Hygienekonzepts sowie eines engagierten Pflegedienstes und Angehörigengremiums ist es gelungen, während der gesamten Lockdown-Zeiten die Besuchsmöglichkeiten im Haus offen zu halten.

In einem Gespräch erläuterten Rosi Schmitt, Vorsitzende des Vereins, und Caroline Lückermann vom Angehörigengremium, die Pandemiebeauftragte der Demenz-WG, wie es gelungen ist, die bisherige Pandemiezeit ohne einen Coronafall zu überstehen. Man hatte schon während des ersten Lockdowns ein besonderes Hygienekonzept durchgezogen: Keine Externen durften ins Haus, die Angehörigen konnten ihre Verwandten sehen, es war jedoch limitiert auf das Treffen (mit Abstand) am Gartentor - Gartentorbesuche - oder auf das Treffen am Fenster - Fensterbesuche. Der Besucher hatte natürlich eine Maske auf. Die Bewohner jedoch nicht unbedingt, die meisten wissen aufgrund ihrer Demenzerkrankung nicht, wozu das gut sein soll, und andere wiederum dachten dann oft, man könne mit Maske nicht sprechen.

Zwischen Bewohner und Besucher galt ein Abstand von mindestens drei Metern. Pro Tag war ein Gast erlaubt und die Zeit war auf 20 Minuten limitiert. Es gab keine Spontanbesuche, telefonische Anmeldung beim Pflegedienst war erforderlich. Beim zweiten Lockdown hat man wegen der Nachverfolgung Besucherlisten geführt, auch die AHA-Regeln wurden immer strengstens eingehalten. Zuerst durfte der Bewohner eine Person auf dem Zimmer für eine Stunde empfangen - bei geöffnetem Fenster. Und jetzt ist es erlaubt, dass maximal zwei Personen aus einem Hausstand ins Zimmer kommen. Man orientiert sich jedoch stets an den Vorgaben des Gesundheitsamtes .

Das Sprachvermögen leidet

Die Dementen erkennen nur noch wenige Menschen, erklärte Rosi Schmitt, und nach längerer Zeit ohne Kontakt würden sie nicht einmal feststellen, wer ihre Angehörigen sind. Auch das Sprachvermögen leide immer mehr, es gehe viel verloren. Sie verstünden auch die momentanen Veränderungen überhaupt nicht und bräuchten einfach klare Strukturen im Tagesablauf. Für das, was jetzt geschieht, hätten sie kein Verständnis.

"Und daher ist es wichtig zu schauen, wie wir trotz allem kontinuierlichen Kontakt möglich machen können", sagt Caroline Lückermann, deren Vater im Haus lebt. Das gesamte Angehörigen-gremium habe in enger Zusammenarbeit mit dem Pflegedienst in demokratischer Weise ein Konzept erarbeitet, das sich an die vom Gesundheitsamt auferlegten Maßnahmen, die eigentlich für Pflegeheime gelten, gehalten habe.

Oberste Priorität habe das "Miteinander". Eine WG wie diese sei jedoch kein Pflegeheim , sondern eine privat von Angehörigen bzw. gesetzlichen Betreuern organisierte Wohnform. Deshalb hätten diese auch in der WG besondere Aufgaben: Sie trügen gemeinsam Verantwortung für ihre hier lebenden Angehörigen . Das Gremium, Vertreter des Pflegedienstes und ein Mitglied des Vereins träfen sich regelmäßig, um sich auszutauschen und um die Anliegen und Bedürfnisse, die das Gemeinleben in der WG regeln, zu besprechen. Diese Wohnform sei wie ein Privathaushalt zu sehen, aber mit Auflagen. Daher könne man eigene Hygieneregeln aufstellen, die sich nicht unbedingt mit denen eines Pflegeheims decken müssen. "Wir haben hier eine ambulant betreute WG, aber es besteht natürlich die Auflage, die Qualität zu sichern. Einzelne Entscheidungen liegen in der Hand des Angehörigengremiums", erläutert Rosi Schmitt.

Im Moment beherberge Haus Schlossberg neun Bewohner, die alle ein Einzelzimmer haben und den Raum mit eigenen Möbeln einrichten können. Platz sei jedoch für elf Bewohner. Natürlich sei es derzeit schwierig, Interessenten das Haus zu zeigen. Ein Gremiumsvertreter erkläre das Konzept und den WG-Gedanken. Abends gebe es eine kurze Begehung mit Maske, dann werden Online-Meetings angeboten, in denen zum Beispiel der Gesundheitszustand des Bewerbers abgefragt wird.

Alle Bewohner wie auch 80 Prozent des Pflegepersonals seien bereits das zweite Mal geimpft , was ohne große Probleme ablief. Das ganze Konzept habe sich bestens bewährt, und bis jetzt sei kein Coronafall aufgetreten. Natürlich hoffen alle, dass es auch in der Zukunft so sein wird. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.lebensfreude-erhalten.de.