Andreas Kraft

Hallerndorf —  Ein Baum ist ein bisschen wie ein Kind. Fünf, sechs, manchmal auch sieben Jahre dauert es, bis sie aus dem Gröbsten raus sind. Während es bei den Kindern um alleine anziehen, alleine essen oder alleine aufs Klo gehen geht, geht es bei Bäumen darum, dass die Wurzeln tief genug ins Erdreich wachsen – so wie bei der Schwarzpappel, die aus Deutschland fast verschwunden ist und jetzt dringend Hilfe braucht.

Seit 2006 auf der roten Liste

Seit 2006 steht der Baum auf der roten Liste. Bei der anschließenden Kartierung wurde kein einziger Baum an der Aisch vermerkt, doch jetzt kommt das seltene Gewächs zurück. In diesem Winter hat das Wasserwirtschaftsamt Kronach insgesamt 600 Schwarzpappeln gepflanzt. Etwa 25 Exemplare von ihnen auch an der Aisch.

Doch aufgrund der sandigen Böden brauchen die jungen Bäume in den kommenden Jahren dringend Paten, die sich um sie kümmern. Dort versickert der Regen schnell. Wenn es dann über Wochen oder gar Monate kaum regnet, würden die jungen Bäume sterben. Sie brauchen Hilfe, um richtig anzuwachsen. Das Wasserwirtschaftsamt sucht daher Schwarzpappelfreunde, die sich bereiterklären, regelmäßig nach den jungen Bäumen zu sehen und sie gegebenenfalls zu gießen.                      

Nach zwei bis drei Jahren sollten die Wurzeln dann bis zum Grundwasser reichen. Dann können die Bäume auch eine Dürre überstehen. „Wir versuchen gerade herauszufinden, welche Bäume mit dem veränderten Klima zurechtkommen“, sagt Walter Haderlein, der das Projekt für das Wasserwirtschaftsamt betreut. Die Esche sei vielerorts am Sterben, auch die Erle tue sich schwer. Doch für die flussnahen Auwälder braucht es auch Bäume, die damit zurechtkommen, wenn um sie herum der Fluss das Land überschwemmt.

Die Schwarzpappel ist in weiten Teilen Europas verbreitet, beispielsweise wächst sie auch am Rhein und an der französischen Loire. In den vergangenen Jahrzehnten ist sie aber immer seltener geworden. Oft ist sie von anderen, speziell gezüchteten Pappeln verdrängt worden.

An der Aisch waren bei der Kartierung in den Jahren 2006 bis 2009 gar keine Exemplare mehr zu finden. Doch Haderlein geht davon aus, dass sie früher auch hier anzutreffen war – vor allem rund um die Mündung in die Regnitz. Dort stehen jetzt auch die noch jungen Bäume. Sie sind allesamt aus Stecklingen gezogen. Dazu haben die Mitarbeiter Äste von Schwarzpappeln am Lauf des Obermains abgeschnitten, nachdem vorher durch einen Gentest sichergestellt worden war, dass die Mutterbäume wirklich Schwarzpappeln sind und sich ihr Erbgut nicht mit Züchtungen vermischt hat.

Sie müssen sich durchsetzen

Die Stecklinge gingen dann an den botanischen Garten in Bayreuth. Die Fachleute dort haben die Pappeln angezogen und in einem geschützten Umfeld wachsen lassen. Nun sind die Pappeln in der freien Natur angekommen und müssen sich behaupten – vor allem gegen die zu erwartende Dürre.