Schlüsselfeld  — Die Stadt Schlüsselfeld ist gut durch die Pandemie gekommen. „Wider Erwarten“, wie Stadtkämmerer Franz Ludwig Findeis bei der Vorstellung seines Haushaltsentwurfs erläuterte. Mit einem Gesamtvolumen von 29,9 Millionen (und damit einem Plus von mehr als 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr) sei es der höchste Haushalt in der Geschichte der Stadt überhaupt. Der Rekordhaushalt ist aber auch der letzte für den Stadtkämmerer: Findeis befindet sich bereits auf der Zielgeraden in den Ruhestand.

Als Grund für die – trotz Pandemie – gute finanzielle Lage, sieht Findeis zum einen den einmaligen Ausgleich für die Gewerbesteuermindereinnahmen durch Bund und Land. 1,5 Millionen konnte die Stadt im Steigerwald aus diesem Topf verbuchen. Ebenso hilfreich ist nach Findeis’ Darstellung die breit aufgestellte Palette von ortsansässigen Handwerks- und Industriebetrieben in der Stadt. Den Unternehmen sei es zu danken, dass die Steuereinnahmen ziemlich sicher waren. „Unerwartet positiv“ haben sich demnach die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt entwickelt. 5,4 Millionen werden in diesem Jahr „aus der nach wie vor größten Einnahmequelle der Stadt“ erwartet.

Hohe Kreisumlage

Allerdings ist auch die Kreisumlage 2022 beträchtlich: Aufgrund des guten Steuerjahres 2020 schlägt sie mit 3,4 Millionen zu Buche und ist damit um 860.000 Euro höher als 2021. Trotzdem bleiben im Verwaltungshaushalt unterm Strich stattliche 2,9 Millionen übrig, die an den Vermögenshaushalt zugeführt werden können.

Gewaltig sind aber auch die im Vermögenshaushalt finanzierten Investitionen, die gegenüber dem Vorjahr um rund 22 Prozent gestiegen sind. Zu den bedeutendsten zählen mit mehr als 3,8 Millionen die Erschließungen der neuen Wohngebiete Steinacher Weg II in Aschbach, Steinberg II in Thüngfeld sowie die Erschließung des Geländes für den Seniorenwohnpark an der Bamberger Straße. Durch den Verkauf von Baugrundstücken rechnet die Verwaltung jedoch mit einer Refinanzierung von 2,9 Millionen.

Großprojekte kommen auf die Stadt durch die Schaffung von Kinderplätzen zu. So wird der Erweiterungsbau des kirchlichen Kindergartens Sankt Johannes in diesem und im nächsten Jahr mehr als 2,5 Millionen verschlingen. An staatlicher Förderung dafür werden 842.000 Euro erwartet.

Für den Kindergarten im Ortsteil Elsendorf sind im vorliegenden Etat lediglich die Planungskosten in Höhe von 100.000 Euro veranschlagt. Der auf zwei Millionen Euro geschätzte Kita-Neubau soll in den Jahren 2023 bis 2025 ausgeführt werden. An Förderung erhofft sich die Stadt für das Projekt rund 600.000 Euro .

Auto für Aschbacher Wehr

Neben diesen „dicksten Brocken“ sind weitere beträchtliche Investitionen in die Abwasseranlage und den Bau von Regenrückhaltebecken, sowie die Sicherstellung der Wasserversorgung eingeplant. Auch das Feuerwehrwesen wird in diesem Jahr mehr als 300.000 Euro erfordern. Im nächsten Jahr soll ein neues Fahrzeug für die Feuerwehr Aschbach ausgeliefert werden, das sich im Haushalt 2023 mit 280.000 Euro niederschlagen wird.

Dank der guten Steuereinnahmen und der staatlichen Zuwendungen kommt der Haushalt 2022 ohne Neuverschuldung aus. Auch in den kommenden Jahren bis 2025 werde keine neue Darlehensaufnahme notwendig werden, hofft der Kämmerer. Die Pro-Kopf-Verschuldung betrug 760 Euro zum Jahresende 2021 und lag damit etwa im Landesdurchschnitt. Bis 2025 soll sie sich durch planmäßige Tilgung auf 350 Euro pro Kopf der Einwohner reduzieren.