Zu teuer und kaum Vorteile: Das ist das Fazit, das der Bund Naturschutz zur geplanten Südumfahrung Niederndorf-Neuses zieht. Ein Gutachten der Naturschützer habe ergeben, dass bei den nun vorliegenden Planfeststellungsunterlagen zur Südumfahrung der Nutzungseffekt falsch kalkuliert worden und der zusätzliche CO2 -Ausstoß unberücksichtigt geblieben sei. "Der Bund Naturschutz fordert daher die Einstellung dieser überholten Planungen. Die Umfahrung würde wertvolle Lebensräume zerstören, unnötig Flächen versiegeln und der Klimakrise massiv in die Hände spielen, ohne nennenswerte Vorteile zu bringen", so Richard Mergner, der BN-Landesvorsitzende. Die Naturschützer haben eine Unterschriftenaktion gestartet, die in einen Bürgerentscheid münden soll.

Helmut König , der BN-Kreisvorsitzende, ergänzt: "Uns ist voll bewusst, dass die Anwohner an der bestehenden Strecke Lärm und Verkehrsbelästigungen ausgesetzt sind und dagegen etwas unternommen werden muss." Der BN plädiere aber für "vorerst kleine, verkehrsregulierende Lösungen auf der bestehenden Straße", welche die Umwelt nicht so stark belasten würden.

Bei einem Pressegespräch vor Ort an der geplanten Trasse nahe der Galgenhofer Straße informierten die Naturschützer über die Erkenntnisse des Gutachtens. Der Kreisverband hatte gemeinsam mit der Bürgerinitiative "Herzo Süd Bewahren" den BN-Landesvorsitzenden Richard Mergner zum Vor-Ort-Gespräch eingeladen.

2000 Tonnen CO2 zusätzlich im Jahr

Die wesentlichen Ergebnisse des Gutachtens der Naturschützer zeigen, dass die große Südumfahrung im Stadtzentrum ende und zwei Kilometer länger in Ost-West-Richtung sei. Das bedeute für Verkehrsteilnehmer eine Minute zusätzliche Fahrzeit. Und das, so waren sich die Mitglieder des Bundes Naturschutz beim Ortstermin einig, zerstöre Natur, Umwelt, Ackerflächen, Wasserhaushalt und Naherholung.

Mergner und Eisenack rechneten vor, dass die neue Trasse dazu führe, dass täglich 24 000 Kilometer zusätzlich gefahren würden, wodurch der Volkswirtschaft zusätzliche Kosten von 1,7 Millionen Euro pro Jahr entstünden. "Das Ergebnis war ernüchternd, denn es ergibt sich für alle Fahrzeuge kein Gewinn an Kilometern und Fahrzeit, auch nicht mit grüner Welle", sagt Eisenack. Zudem erzeuge die geplante Südumgehung in der jetzigen Form einen zusätzlichen CO2- Ausstoß von 2000 Tonnen pro Jahr. Zum Ausgleich dieser Menge an klimaschädlichem Gas benötige man einen zusätzlichen Wald der Größe von 180 Hektar.

? Zugleich sei den Naturschützern aber bewusst, dass die Anwohner an der bestehenden Strecke Lärm und Verkehrsbelästigungen ausgesetzt seien. Dagegen müsse etwas unternommen werden, erklärte Eisenack. Der BN plädiere aber für "vorerst kleine, verkehrsregulierende Lösungen auf der bestehenden Straße", die die Umwelt nicht so stark belasten.

Schon 2016 hatte der Bund Naturschutz bemängelt, dass nur eine Alternative im Raumordungsverfahren (ROV) angeboten worden sei. Die Varianten beschrieben lediglich kleinere Unterschiede im Streckenverlauf. Das Ziel der Umfahrung sei das nahegelegene Werksgelände der Firma Schaeffler. Für Helmut König , den Kreisvorsitzenden des BN, war dies die Erfüllung eines Wunsches des Autozulieferers für eine zügige Verbindung für Personal wie für den Lastentransport. Die Stadt, so König, habe die günstigste Lösung gewählt. Doch die bedeutete, dass man eine weitere Umgehungsstraße mitten durch intakte Natur plane. "Es war wohl die kostengünstigste Alternative. Natur gibt's günstig", zog der Kreisvorsitzende beim Vor-Ort-Termin Bilanz.

Dabei bedrohe die weit ausladende Umfahrung massiv den Artenreichtum der Natur. Allein im Raumordnungsverfahren habe man 85 Vogelarten identifiziert, die im Streckenumfeld leben. "Eine Spechtart wird trotz Schädigungsverbot ausgerottet", so König. "Man plant zwar Ausgleichsflächen, aber ob der Specht das weiß, ist fraglich. Weiteren bedrohten Arten geht es ebenso." Kritisiert wird auch die Entwässerung, so ist vorgesehen das Oberflächenwasser in die Bäche abzuleiten und damit ist das dringend notwendige Wasser für die Natur im Umgriff der Umgehungsstraße verloren.

Die Durchschneidung von Wäldern mit teilweise bis zu 14 Meter hohen Einschnitten würde den Wald zerschneiden und verinseln, fürchten die Mitglieder des Bundes Naturschutz . Die Grundwasserströme wären betroffen, was die Gefahr des Vertrocknens angesichts immer heißerer Sommer massiv erhöhe. Die Aussage des Bürgermeisters, unter den Brücken könnten Ackerbau betrieben und Blühwiesen angesät werden, könne nicht ernst gemeint sein. "Erst müssen wir mal zu unseren Äckern kommen", schimpft Hubert Kerler aus Niederndorf. Er ist sauer, weil Grundstücke, auf denen eigentlich Lebensmittel produziert werden sollten, im Zuge der Südumgehung als Ausgleichsflächen beansprucht würden.

Für Christian von Reitzenstein von der Bürgerinitiative "Herzo Süd bewahren", bringe eine weitere Straße mehr Verkehr . Zudem werde die Südumfahrung wertvolle Flächen vernichten. "Dabei wollen uns bestimmte Parteien suggerieren, in welcher heiler Welt wir leben", so der Bürgeraktivist.

Seit dem Jahr 2012 ist die stark belastete Straße von der Autobahnabfahrt nach Herzogenaurach durch Neuses und Niederndorf ins Zentrum von Herzogenaurach Thema im Stadtrat. Nach diversen Vorplanungen wurde 2015 das Raumordnungsverfahren gestartet und ein Jahr später abgeschlossen. Nun habe das Planfeststellungsverfahren begonnen, das die konkreten Auswirkungen offenlege und die Bürger erstmals direkt betrifft. Damit hat nun die eigentliche Diskussion um das Vorhaben begonnen.

Die Naturschützer bekräftigten beim Vor-Ort-Gespräch ihre Absage an die aktuelle Planung der Südumgehung: "Denn die Umfahrung würde wertvolle Lebensräume zerstören, unnötig Flächen versiegeln und der Klimakrise massiv in die Hände spielen, ohne nennenswerte Vorteile zu bringen. Wir bitten alle Bürger , für die Durchführung eines Bürgerentscheids zu unterschreiben und noch bis 12. April Einwendungen im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zu erheben", warb der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner.

Appell an Schaeffler

Ebenso kritisieren die Naturschützer , dass die Firma Schaeffler einen bestehenden Gleisanschluss nicht nutze. Selbst ein ehemaliger Logistiker der Firma habe sich dafür ausgesprochen. Damit könnte Schaeffler seine Absichtserklärungen, ein klimaneutrales Unternehmen auch beweisen.

Mit Informationen des BN