Eigentlich kaum zu glauben, findet Christine Wächter: Es ist Freitagabend, es geht darum, freiwillig an Matheaufgaben zu knobeln, und es finden sich tatsächlich mehr als 150 Schülerinnen und Schüler in der Aula des Herzogenauracher Gymnasiums ein, berichtet die Fachschaftsleiterin Mathematik. Grund dafür sei die lange Nacht der Mathematik gewesen, ein Schülerwettbewerb, der sich an alle weiterführenden Schulen in Deutschland wendet. Dieses Jahr waren etwa 13 000 Schülerinnen und Schüler aus 320 Schulen mit dabei – darunter auch das Gymnasium Herzogenaurach . Initiiert von einem Lehrer aus Neumünster werden seit vielen Jahren für alle Jahrgangsstufen altersgerechte Matheaufgaben freigeschaltet, die dann jede Schule in ihren Teams möglichst schnell lösen muss.

In Herzogenaurach verteilten sich die kleinen und großen Mathefans laut Pressebericht coronabedingt auf zehn Klassenzimmer, in denen sie in selbst gewählten Kleingruppen dem Startschuss entgegenfieberten. Punkt 18 Uhr konnten die Aufgaben ausgedruckt werden und das Knobeln begann. Ziel war es, dass sich alle Teams einer Jahrgangsstufe auf eine Lösung einigten, um diese dann gemeinsam in eine digitale Lösungsmaske einzugeben. Sobald die elektronische Auswertung aller zehn Lösungen einer Runde grünes Licht zeigte, war die zweite Runde der Aufgaben für die gesamte Jahrgangsstufe freigeschaltet.

Fünftklässler waren am schnellsten

Als erstes sei dies den Schülerinnen und Schülern der fünften und sechsten Jahrgangsstufe gelungen, aber auch aus den Zimmern der älteren Teams sei der Jubel nur kurze Zeit später zu hören gewesen. Angespornt von dem Erfolg seien dann – trotz der späten Stunde – alle in die zweite Runde gestartet.

Zur zwischenzeitlichen Stärkung hatte der Schulleiter Norbert Schell nach zwei Stunden Rechenarbeit einen riesigen Stapel an Pizzen spendiert, die bei den Jugendlichen weiter für Motivation gesorgt hätten. Um 22 Uhr habe dann der Abend für die jüngsten Tüftlerinnen und Tüftler geendet. Sie seien glücklich, aber mit rauchenden Köpfen von den Eltern abgeholt worden. Für die älteren Schülerinnen und Schüler hätten die Lehrkräfte für weitere zwei Stunden nicht nur die Aufsicht übernommen, sondern eifrig beim Lösen der wirklich kniffeligen Aufgaben mitgeholfen und schwer beeindruckt von den Leistungen der Teams das Schulhaus um Mitternacht wieder zugesperrt. Und wer weiß, manch einer hat bestimmt noch bis in die frühen Morgenstunden weitergerechnet, mutmaßt Christine Wächter, denn die digitale Lösungsmaske war bis morgens um 8 Uhr zugänglich. red