1980 griff in Ostwestfalen ein junger Schreiner zum billigen Filzstift und kritzelte unverschämt lustige Comics, die erst in der Schwulenszene zum Geheimtipp wurden und wenig später auch bei den Heteros durch die Decke gingen. Diesen Mann, Ralf König , können die Besucher einer Kooperationsveranstaltung der Stadtbibliothek und des Kulturamts Erlangen im Rahmen der Reihe Poetenfest Extra jetzt live erleben, und zwar an diesem Dienstag, 19. Oktober, 20 Uhr, im Kulturzentrum E-Werk.

Wurde Homosexualität bis dato noch tabuisiert oder mit blöden Detlev-Witzen abgehandelt, gaben sich Ralf Königs Nasenmännchen hemmungslos testosteronbesoffen und rotzschwul, was auch in linksstudentischen Kreisen für Entspannung sorgte. Endlich durfte man mit Schwulen lachen und nicht nur über sie – und das bevorzugt auf dem WG-Klo.

Mehrfach ausgezeichnet

Vier Jahrzehnte später liest Ralf König jetzt zum Jubiläum aus seinen frühen „Schwulcomix“ und weiteren Kult-Klassikern. Dass diese Leseshow weniger politisch korrekt daherkommen dürfte, als vielmehr derb versaut und hochkomisch, wird nach all den Jahren vermutlich auch das Bayerische Landesjugendamt bestätigen. „Rammelbären“, „Bananal“ und „Kommt kein Schiff“ – Ralf König jubiliert: 40 Jahre Nasenmalerei!

König, geboren in Soest, absolvierte zunächst eine Tischlerlehre. Seit 1979 veröffentlichte er erste engagierte Comic-Geschichten in Schwulen-Magazinen. Von 1981 bis 1986 studierte er an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf . „Der bewegte Mann“ war Königs erster Comic bei einem großen Publikumsverlag . Viele Veröffentlichungen mit den berühmten „Knollennasen“ folgten. Vor allem die Figuren Konrad und Paul – ein Paar, das ungleicher kaum sein könnte – werden zu zentralen Chronisten schwuler Befindlichkeit.

Ralf Königs Bücher wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet. Mit einer Gesamtauflage von sieben Millionen Büchern ist er der populärste deutsche Comic-Künstler. Vier seiner Bücher wurden für das Kino verfilmt, etliche als Theaterstück aufgeführt. Für seine künstlerische Stellungnahme im Streit um die Mohammed-Karikaturen erhielt Ralf König 2006 einen Max-und-Moritz-Spezialpreis, 2014 dann den Max-und-Moritz-Preis für sein herausragendes Lebenswerk. Seit 2019 ist er einer der Dozenten des Internationalen Comic-Seminars Erlangen . red