Bei strahlendem Sonnenschein und unter blauem Himmel ließen sich auch in diesem Jahr trotz Corona-Auflagen und -Einschränkungen die Menschen für die Mitfeier des Fronleichnamsfestes begeistern, die in Höchstadt heuer im Schlosshof stattfand. Die Stadtkapelle Höchstadt unter der Leitung von Georg Römer umrahmte die Feier musikalisch und setzte die behördlichen Maßgaben mit Bravour um.

In seiner Predigt erinnerte Stadtpfarrer Kilian Kemmer daran, dass es alle Menschen als Ehre und Erweis einer Freundschaft verstehen, wenn sie zum Essen eingeladen werden. Umso schmerzlicher ist es nach Ansicht Kemmers für viele Familien, sich angesichts unterschiedlicher Beanspruchungen im beruflichen und privaten Alltag kaum mehr um einen Tisch versammeln zu können. Auch Jesus wollte Gemeinschaft stiften durch das Versammeln um einen Tisch, so Kemmer. Fronleichnam möchte an diese Tischgemeinschaft der Christen untereinander und mit Gott erinnern, „wobei es dabei nicht um die Sättigung des Leibes geht, sondern vielmehr um die Erfahrung von Weggemeinschaft mit Jesus und um eine seelische Stärkung des Glaubens in guten wie in schweren Zeiten“.

Die alljährliche Fronleichnamsprozession als Zeichen dieser Weggemeinschaft musste auch heuer ohne Fahnenabordnungen der Vereine und ohne das Mittragen der barocken Heiligenfiguren stattfinden. Eindrucksvoll auch heuer: geschmückte Häuser, betende Menschen am Straßenrand und ein spürbares Gottvertrauen. Pastoralreferentin Monika Urbasik und Wolfgang Köberlein sprachen abwechselnd Texte.

Während der Prozession gestaltete der Sachausschuss Liturgie im Schlosshof für alle Besucher ein eigenes geistliches Programm. Ein Kindergottesdienst fand in der Stadtpfarrkirche statt. Alle versammelten sich abschließend auf dem Höchstadter Marktplatz, wo Stadtpfarrer Kilian Kemmer den Segen erteilte und um Schutz vor der Pandemie bat. Am Ende noch ein durch FFP2-Masken spürbares Gänsehautfeeling: Die Stadtkapelle intonierte in einer Zeit des Gesangsverbotes den Choral „Großer Gott, wir loben Dich“. Abschließend bezeichnete Kemmer die diesjährige Prozession in zweifacher Weise als unverzichtbar. Als Zeichen einer glaubensvollen Hoffnung in Corona-Zeiten und als Signal, dass sich die Kirche angesichts „eines selbst verschuldeten desaströsen Erscheinungsbildes nicht zurückzieht, sondern in die Öffentlichkeit geht, um ihren eigentlichen Auftrag zu erfüllen: Jesus Christus zu zeigen und sich zu ihm zu bekennen“.

Ein Anlass, Gott zu danken

Auch die Aischer Pfarrgemeinde St. Laurentius traf sich um 9 Uhr zum Gottesdienst im Pfarrgarten. „Fronleichnam ist ein Bekenntnisfest! Wer ist der Herr meines Lebens? Wem vertraue ich? – Das bekennen wir durch eine Prozession mit dem Allerheiligsten!“, so Pfarrer Thomas Ringer. Dieses Fest sei eigentlich der zweite Gründonnerstag. „Wir tragen Christus durch die Straßen und zeigen öffentlich – er ist das Zentrum unseres Lebens.“ Gerade in dieser Zeit der Pandemie und der Einschränkungen sei es wichtig, dieses Fest zu feiern. „Die Krise hat uns gezeigt, worauf wir bauen und wem wir vertrauen können und wem eben nicht, wer Angst schürt und Unheil prophezeit und wer Hoffnung und Zuversicht schenkt. Vielleicht ist dieses Fest auch ein Anlass, Gott zu danken und um weiteren Schutz für unsere Gemeinde zu bitten“, fuhr Ringer fort.

Die Predigt von Diakon Hans Scherbaum hatte zum Thema: „Vergesst’s mer den Herrgott nicht!“ Fronleichnam beinhalte eine dreifache Botschaft: Mutig sein – fortschreiten und zuversichtlich sein – Christus hochhalten und ihn nicht vergessen.

Die anschließende Prozession führte zu den vier Altären, und nach Evangelium, Fürbitten und Gesängen empfingen die Gläubigen – von Böllerknall begleitet – den eucharistischen Segen. Die Kommunionkinder vom letzten Jahr – einige sogar in ihren Festgewändern – und auch die zukünftigen von diesem Jahr liefen vor dem Allerheiligsten her und sie und andere Kinder streuten Blumen auf den Weg. Die Corona-Regeln wurden dabei natürlich genau eingehalten. Am vierten Altar gegenüber der Kirche endete der feierliche Umzug. LM/jb