Am 1. Mai öffnet um 14 Uhr das Heimatmuseum Weisendorf erstmals seine Pforten für die Museumssaison. Im Laufe der letzten Jahre konnte das Heimatmuseum seine Sammlung von landwirtschaftlichen Geräten aus dem heimischen Raum vervollständigen, nun beabsichtigen die Verantwortlichen, die Sammlung von Gebrauchsgegenständen des alltäglichen Lebens den Besuchern in einem größeren Umfang zugänglich zu machen. Dazu zählen auch die Arbeitsbereiche von kleinen Handwerksbetrieben und die Wohnsituation in der damaligen Zeit im Vergleich zu Landarbeitern und Bauern. Deshalb wird das Museum in den nächsten Monaten auch in einigen Bereichen umgestaltet, um diesen Objekten mehr Raum zu gewähren.

Allerdings hat das Museum in seiner Sammlung noch erhebliche Lücken im Bereich Haushalts- und Kleinteilausstattungen von Wohnungen für den Zeitraum 1950 bis 1970. Da mittlerweile vermehrt Wohnungen von älteren Weisendorfer Bürgern aufgelöst werden und viele dieser Gegenstände unwiederbringlich verloren gehen, würde sich der Heimatverein freuen, wenn sich Betroffene mit den Verantwortlichen im Heimatverein in Verbindung setzen, bevor man entsprechende Sachen entsorgt.

Am kommenden Sonntag kann das Heimatmuseum zum Beispiel auch eine Mausefalle der Firma Luchs zeigen. Es handelt sich um eine Mausefalle Typ Capito aus dem Jahr 1916. Dieser Typ wurde von 1890 bis Anfang 1930 hergestellt und ist heute aufgrund der geltenden Tierschutzgesetze verboten. Die Firma stellt auch heute noch Mausefallen her.

Wer kennt noch eine Tischhandkrüllschneidemaschine? Es ist eine mit einer Handkurbel betriebene Tabakschneidemaschine einer Nürnberger Firma aus dem Jahr 1936, die auch heute noch im Rauchwarenhandel tätig ist. Angeschraubt an den Küchentisch stellte sich damit der Großvater seine Wochenration an Tabakfeinschnitt für seinen wöchentlichen Zigarettenbedarf oder den Tabakkrüll für sein Pfeifchen aus den Tabakblättern her.

Und nur wenige Ältere kennen noch Apparate zum Rösten von Ersatzkaffee aus Gerste oder Roggen. Denn echter Bohnenkaffe war für die meisten unerschwinglich. Das Getreide wurde in eine Metalltrommel gefüllt und mit einem Feuerkasten geröstet. Damit nichts anbrannte, musste die Trommel mit einer Handkurbel ständig gedreht werden. Das geröstete Getreide wurde noch mit Zichorie versetzt. Dadurch enthielt das Gemisch eine dunklere Farbe einen etwas kräftiger bitteren Geschmack, der so einen etwas zu stark aufgebrühten Bohnenkaffee vortäuschte.

Diesen Kaffee gibt es in abgeschwächter Form auch heute noch unter der Bezeichnung Landkaffee, er wird in der warmen Jahreszeit noch gerne von Kindern und älteren Herrschaften kalt getrunken. Zichorie ist übrigens kein exotisches Gewächs, sondern wird bereits seit der Mitte des 18. Jahrhunderts dem gerösteten Roggen und der Gerste beigemischt. Es handelt sich nämlich um die getrocknete und gemahlene Wurzel der Chicorée, der vor allem als Salat bekannt ist.