Es ist eine aufregende Episode gewesen, eine spannende Begleiterscheinung auf der Großbaustelle des Rathauses. Von Baubeginn an, und sogar noch Monate vor den eigentlichen Arbeiten, waren und sind Archäologen rund ums Schloss aktiv. Sie haben gewühlt und geforscht, im Erdboden und in der Vergangenheit, und interessante Erkenntnisse zutage gefördert.

So ist der Bergfried der einstigen Wasserburg, die das Schloss in grauer Vorzeit ja mal gewesen ist, gefunden worden, ebenso wie Spuren der Ringmauer freigelegt wurden. Es ließ sich entschlüsseln, dass die Herzogenauracher Burganlage aus der Stauferzeit stammt und in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurückreichen dürfte. Und dass die Burg einst von Feinden gestürmt worden war, was die zahllosen Scherben von Gefäßen zeigen, die von Zuflucht suchenden Menschen aus dem Turm in den Burggraben geworfen worden sind.

Marco Goldhausen, der leitende Archäologe aus Berlin, hat zweieinhalb Jahre lang die Großbaustelle begleitet. Und sorgsam darauf achtgegeben, dass auch keine wichtigen Spuren aus der Herzogenauracher Vergangenheit unentdeckt geblieben wären. In diesen Tagen beendet der Experte seine Arbeit - für Restarbeiten ist er jetzt noch eimal an die Aurach zurückgekehrt. Während nebenan der Rohbau hochgezogen wird, hat er das Umfeld der alten Ringmauer ein letztes Mal unter die Lupe genommen.

Dort, am früheren Hintereingang zum Schlosshof, soll ja künftig die Tourist-Info untergebracht werden. Das erhalten gebliebene Stadtmauerstück wird darin integriert. Die restlichen Grabungen gehen, wie Christian Natho vom Bauamt der Stadt erläutert, bis auf die Zieltiefe der Bodenplatte, also nicht tiefer als notwendig ins Erdreich hinein. Wenn die Arbeiten beendet sind, dann dürfte es kaum einen Quadratmeter Baustelle geben, der nicht untersucht wurde. Natho: "Es wurde so gut wie alles durchwühlt und angeschaut".

Für den Chef-Archäologen Dr. Marco Goldhausen haben sich auch die restlichen Abschlussgrabungen durchaus "gelohnt". Denn jetzt konnte man feststellen, dass die aus dem Spätmittelalter stammenden, neueren Bestandteile der Burgmauer, älter sind als erwartet. Zur Erinnerung: Die Ringmauer wurde in zwei Bauphasen errichtet. Die ursprüngliche Mauer stammt laut Goldhausen aus dem Hochmittelalter, also aus dem zwölften Jahrhundert. Man hat Buckelquader freigelegt und gesichert, die aus dieser Stauferzeit stammen. Später dann sind Teile der Befriedung erneuert worden. Als Zeitpunkt wurde das 15. Jahrhundert angenommen, doch diese Erkenntnisse habe man nun verbessern können. Die jüngere Mauer stammt demnach aus dem frühen Spätmittelalter, also vermutlich so um das Jahr 1300 herum, fasst der Archäologe zusammen. Goldhausen: "Diese Erkenntnisse sind eine Woche alt".

All die Funde und Entdeckungen seit Sommer 2018, als die ersten Sondierungsgrabungen stattgefunden haben, sorgfältig dokumentiert, fotografiert, gezeichnet und gescannt worden. All das fließt in den Abschlussbericht ein. Und die Dokumentation wird vielleicht in einem Büchlein festgehalten, kann sich Goldhausen vorstellen. Zudem wäre auch eine Dauerausstellung der Fundstücke denkbar, meint Rathausmitarbeiter Natho. Doch da gebe es noch keine konkreten Pläne.

Eines aber scheint festzustehen: Es soll, sobald Corona das erlaubt, eine Veranstaltung für die Öffentlichkeit geben. Das hatte der Heimatverein schon angedacht, musste pandemiebedingt aber absagen. Goldhausen ist sehr interessiert daran, dass es noch klappt: "Hoffentlich gibt es einen schönen Vortrag im Sommer."