Auch am kommenden Sonntag hat das Heimatmuseum in Weisendorf geöffnet. Im Zentrum stehen dieses Mal die Feierabendziegel.

Bereits frühzeitig erkannten unsere Vorfahren , dass aus Ton bzw. Lehm hergestellte Gegenstände, darunter auch Ziegel, durch Brennen im Feuer dauerhaft wurden. Schon im dritten Jahrtausend vor Christi Geburt sind Stempelabdrucke auf Ziegeleikeramik bekannt. Auch die Griechen und Römer setzten die Tradition der verzierten Ziegel fort. Schon kurz nach der Etablierung der Flachziegel im 11./12. Jahrhundert erschienen auf den Ziegeln Verzierungen. Ein Ziegel aus Hirsau lässt sich in das Jahr 1198 datieren.

Die Saison für Ziegler begann mit dem Josefitag am 19. März und endete am Gallustag, dem 16. Oktober. Ein versierter Ziegler konnte am Tag 800 bis 1000 Dachziegel streichen. Als Abschluss des Tagwerks verzierte er einen Ziegel mit Ornamenten, deshalb erhielten diese Ziegel den Namen Feierabendziegel. Unter Feierabendziegel versteht man Ziegel, deren Oberflächen neben oder abweichend vom charakteristischen Fingerstrich (Abstrich- oder Kopfstrich) geschmückt sind.

Ab dem 16. Jahrhundert nimmt die Anzahl der Feierabendziegel zu und erreicht ihren Höhepunkt im 19. Jahrhundert. Beliebt waren sie in Franken , in Baden-Württemberg und in der Schweiz.

Vermutlich wurden verzierte Ziegel auch auf Bestellung von Kunden gemacht. Sie sollten durch ihre Darstellungen Böses vom Haus abwehren. Verzierungen finden sich hauptsächlich auf Flachziegeln, aber auch auf Hohlziegeln, Firstziegeln, Pfannen, Falzziegeln und Backsteinen. Ein Großteil der Feierabendziegel ist wohl aus reiner Freude am Gestalten der Ziegeloberfläche entstanden.

Die Verzierungen wurden mit der Fingerkuppe oder mit einem einfachen Werkzeug wie einem Hölzchen oder einer Schindel geschaffen. Gelegentlich wurden Model, Stempel oder ein Kamm zum Schmücken des Ziegels verwendet oder man drückte Gegenstände wie Schlüssel, Münzen, Scheren oder Pfeifen in den feuchten Ton. Der Kreativität der Ziegler und ihrer Angehörigen waren keine Grenzen gesetzt.