Keine Karotte gleicht der anderen – es gibt orange, gelbe und sogar violette; kleine und dicke, gerade und sehr krumme. Etwas so Banales wie eine Möhre künstlerisch zu erhöhen – das war das Ziel der Studenten Leah Grieß, Dorna Sadeghi, Alina Sumner, Helena Merz und Robin Greipel aus dem Masterstudiengang Kunstvermittlung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Mit Unterstützung von Susanne Liebmann-Wurmer, Inhaberin des Lehrstuhls für Kunstpädagogik, entwickelten sie die Idee: FAU-Studenten und Patientinnen und Patienten der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit (Leiter: Gunther Moll) erschaffen gemeinsam Kunst. So arbeiteten die fünf Studenten und 20 Kinder und Jugendlichen im Alter von sechs bis 17 Jahren eine Woche lang gemeinsam an plastischen Werken.

Von Gurken-Skulpturen inspiriert

Dabei entstanden mehrere große verschiedenfarbige Karotten aus Pappmaché und buntem Seidenpapier. Inspiriert wurden die Teilnehmer von den Gurken-Skulpturen des österreichischen Künstlers Erwin Wurm.

Die Studenten wollten aber auch die Fantasie der Kinder und Jugendlichen wertschätzen und sie eigene Ideen umsetzen lassen. Deshalb gestalteten die jungen Künstlerinnen und Künstler unter anderem auch Pilze, Schlangen und Pokémon-Figuren. Liebmann-Wurmer erklärt: „Sie bekamen die Möglichkeit, sich mit ihren Werken frei auszudrücken und sie mit allen Sinnen zu erleben – zu formen, zu fühlen, zu sehen und sich dabei zu bewegen.“

Auf dem Wochenmarkt hatten sich die Studenten vorab besonders krumme Möhren besorgt – sie dienten als Anschauungsmaterial und Ausgangspunkt für die Kunstwerke. Die Studentin Helena Merz betont: „Die echten Exemplare sollten auch den Perfektionismusanspruch der Kinder senken. Sie haben gesehen: Eine Möhre muss nicht perfekt gerade sein.“

Mit großem Engagement arbeiteten die Patientinnen und Patienten an ihren Werken und wollten oft gar keine Pause einlegen, so motiviert waren sie. Robin Greipel spricht für die ganze Gruppe der Studenten , als er sagt: „Am Montag waren wir Fremde. Am Ende der Woche ist eine Vertrautheit zwischen den Kindern und uns zu spüren, die wirklich schön ist.“

Unterstützt wurden die kleinen und großen bildenden Künstlerinnen und Künstler vom Pflege- und Erziehungsteam der Tagesklinik , das unter anderem das Material besorgte, die Kinder und Jugendlichen beim Arbeiten betreute und immer wieder Hilfestellungen gab. „Wir freuen uns sehr, dass diese Kooperation zwischen der FAU und uns zustande kam und unsere Patientinnen und Patienten an diesem Projekt teilnehmen konnten“, so Funktionsoberärztin Eva-Maria Rosa. „Wir bieten unter anderem eine tiergestützte Therapie an, theaterpädagogische Projekte oder eine Sporttherapie . Die bildende Kunst ist nun ein weiterer Zugangsweg und eine neue Ausdrucksmöglichkeit für die Patientinnen und Patienten, die sie begeistert angenommen haben“, sagt Rosa.

Den Abschluss fand die Kunstwoche in einer kleinen hausinternen Ausstellung. „Wir finden es sehr wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Arbeiten präsentieren können, dass sie Wertschätzung erfahren und Selbstbewusstsein aufbauen können“, sagt die Professorin Liebmann-Wurmer. Oliver Kratz, der stellvertretende Leiter der Abteilung, habe die Initialzündung für das Projekt gegeben.

Wenn sie wetterfest gemacht werden können, sollen die bunten Plastiken eventuell bald einen Platz im kleinen Garten der Kinderpsychiatrie in Erlangen finden und dort noch sichtbarer werden. red