In der Stadtpfarrei von Herzogenaurach versuchte Stadtpfarrer Franz Rathgeber im dritten Kriegsjahr 1941 das kirchliche Leben so weit wie möglich aufrechtzuerhalten, obwohl zwei seiner Kapläne zur Wehrmacht eingezogen wurden. Seit 1939 befand sich Deutschland im Kriegszustand. Am 22. Juni 1941 begannen noch zusätzlich die Kampfhandlungen mit der Sowjetunion.

Einer der Kapläne, Johann Eßl, wurde im März 1941 eingezogen und am 10. August 1941 durch einen Granatsplitter am Bein verletzt. Er entging der Amputation nur um Haaresbreite und wurde in das Reservelazarett Scharley in Oberschlesien verbracht. Kaplan Eduard Krenner wurde am 1. Mai 1941 eingezogen. Er kam zu den Kraftfahrern nach Bamberg.

Das Fest Sebastiani am 20. Januar sah die altherkömmliche Beteiligung, es gab 1800 Kommunikanten. Die Vor- und Nachmittagspredigt hielt der Dominikanerprovinzial und frühere Domprediger von St. Hedwig in Berlin, Pater Dr. Marianus Vetter OP.

Obwohl das Fronleichnamsfest behördlicherseits auf einen Sonntag verlegt worden war, ruhte am Fronleichnamstag, 12. Juni 1941, in katholischen Gegenden auf dem Land die Arbeit nahezu völlig. Den Regierungspräsidentenberichten ist zu entnehmen, dass bei der Prozession am darauffolgenden Sonntag die Beteiligung stärker als je zuvor war.

Schwesternhaus beschlagnahmt

Seit 1918 wirkten Maria-Ward-Schwestern in Herzogenaurach im Schuldienst und im Kindergarten . Sie wohnten in der ehemaligen Kurr-Villa in der Straße zum Flughafen. Mit Verfügung des Landrates vom 17. Juni 1941 wurde das Haus der Englischen Fräulein, zum Flughafen 12, mit allen Räumen und dem ganzen Inventar beschlagnahmt. Die NSV-Kreisleitung in Gräfenberg wollte Familien aus luftkriegsgefährdeten Gebieten darin unterbringen.

Diese Verfügung setzte sich über Paragraf 5 des Reichsleistungsgesetzes hinweg, nach welchem der Bewohner für sich und seinen Betrieb die erforderlichen Räume behielt. Es wurde durch die Rechtsanwälte Dr. Hermann Orth und Dr. Weißgerber, Nürnberg, und durch den Justiziar der Erzdiözese, Dr. Angermeier, Beschwerde bei der Regierung eingelegt. Diese blieb ohne Antwort. Die Englischen Fräulein würden nur der Gewalt weichen, vermerkte dazu Pfarrer Franz Rathgeber in seiner Chronik. Die wie ein Damoklesschwert über den Schwestern schwebende Beschlagnahmung wurde erst 1942 aufgehoben, wie die Rechtsanwälte in einem Schreiben mitteilen konnten.

Mit einer weiteren Verfügung vom 1. Juli 1941 wurde den Englischen Fräulein noch dazu die Erteilung von Privatstunden untersagt. In der Beschwerde dagegen schrieben sie: "Der Erlaß vom 17.VI. [1941] bedrohte uns mit Obdachlosigkeit , der gegenwärtige mit Brotlosigkeit. Wir scheinen das Ziel besonderer Härtemaßnahmen zu sein."

Auch auf das Kinderheim in der Edergasse hatten die Nationalsozialisten ein Auge geworfen. Am 21. Oktober 1941 wurde Pfarrer Rathgeber vom Landrat in das Rathaus bestellt. Anwesend waren der stellvertretende Landrat Max Krebs und der Kreisabschnittsleiter Johannes Wachsmuth.

Beide verlangten, dass das Kinderheim in der Edergasse an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) ausgeliefert werde. Denn es sei nicht haltbar, dass in Herzogenaurach zwei Kindergärten bestehen würden. Rathgeber konnte aber anführen, dass der NSV-Kindergarten nur Volksschüler berufstätiger Mütter betreuen würde, während im Kindergarten an der Edergasse Vorschulkinder Aufnahme fänden. Auf den Hinweis, dass in Höchstadt Stadtpfarrer Dr. Joseph Görres den Kindergarten der Pfarrei geschlossen habe, entgegnete Rathgeber, dass dieser seines Wissens nach auf Anordnung des Landrats geschlossen und beschlagnahmt worden sei.

Gegen Pfarrer Görres und Schwester Maria Dolbatsch wurde laut des Regierungspräsidentenberichtes vom 8. August 1941 Anzeige erstattet, da sie in Höchstadt den aus "hygienischen Gründen" geschlossenen konfessionellen Kindergarten wieder eröffnet hatten. Das Verfahren musste aber mangels Beweisen auf Beschluss des Landgerichts Bamberg vom 22. August 1941 eingestellt werden.

Pfarrer verweigert Zustimmung

Auf die Drohung, dass der Kindergarten in Herzogenaurach auch ohne Angabe von Gründen geschlossen werden könne, entgegnete Rathgeber: "Mit meiner Zustimmung aber wird an dem bestehenden Kindergarten nichts geändert. Gegen die Gewalt kann ich nichts ausrichten." Da sich Rathgeber standhaft weigerte, wurden die Verhandlungen abgebrochen. "Der Pfarrer erwartet darnach seine Verhaftung ", notierte Rathgeber in der Pfarrchronik.

Die Gläubigen der Herzogenauracher Stadtpfarrei unternahmen alljährlich Wallfahrten nach Gößweinstein, Dettelbach und Veitsbronn. Diese Wallfahrten wurden durch den Landrat 1941 nicht mehr erlaubt, weil die Verkehrslage der Reichsbahn und die Arbeitslage es nicht gestatte, "...doch sollen dem Volk seine alten Gebräuche nicht genommen werden", merkte der Landrat noch an. Da Rathgeber in Urlaub war, verkündete Kuratus Georg Jung das Verbot, unterließ aber den letzten Halbsatz des Landrats. Der Landrat schickte einen Gendarmen zum Verhör . Jung erhielt eine Verwarnung der geheimen Staatspolizei , da es zur Bestrafung nicht reichte.

Am 14. September 1941 fand eine Kreuzfeier auf Anordnung des Erzbischöflichen Ordinariats in Bamberg statt, die auf rege Anteilnahme traf. Angesichts der drohenden Gefahr durch Bombenangriffe wurde durch die Firma Fritz Vikari in Nürnberg das Holz der Dachstühle in der Pfarrkirche, der Kaplanei, dem Pfarrhaus und dem Mesnerhaus mit Intravan imprägniert um es unentflammbar zu machen. Die Kosten beliefen sich auf 3710 Reichsmark. Die Weihnachtskrippe wurde in diesem Jahr in der Adventszeit anstatt in der Kirche in der Krypta der Marienkapelle aufgebaut.