Das Fest Allerheiligen ist naturgemäß ein besinnlicher Feiertag für die Gläubigen , die auf den Friedhof von Herzogenaurach gekommen waren. Denn am Fest Allerheiligen gedenkt die Kirche nicht nur der vielen bekannten Heiligen. Sie hält an diesem Tage besonders die Erinnerung an die vielen namenlosen Menschen wach, die gleichfalls zu der unzählbaren Schar aus allen Nationen und Sprachen gehören und nach der Offenbarung des Johannes (Kapitel 7,9) vor Gottes Thron stehen.

Für viele Herzogenauracher Bürger ist mit dem Fest Allerheiligen der Friedhofsgang untrennbar verbunden, der meist dem Gedenken der Verstorbenen gewidmet ist. Zuvor mussten aus diesem Anlass natürlich die Gräber hergerichtet werden. Jeder versucht, mit einem besonders schmucken Grab diesen Feiertag zu begehen. Am Nachmittag wurde auch in diesem Jahr wieder der Friedhofsgang auf dem alten Friedhof mit Stadtpfarrer Helmut Hetzel von den katholischen Pfarreien von Herzogenaurach abgehalten. Ursprünglich war der Allerseelentag der Gedenktag für die Verstorbenen . Allmählich hat sich das Gedenken an sie auf den Feiertag Allerheiligen verschoben. Ihre Gräber werden von den Angehörigen im Glauben an die Auferstehung besucht, daran, dass die Seelen der Verstorbenen bei Gott sind, so Hetzel.

Aus dem Netz befreien

In seiner Predigt stellte Hetzel eine Assoziation mit einem Fischernetz und der Karpfenregion her. Ein Netz sei oftmals ein Symbol für Sicherheit gegen einen Absturz, es soll Halt geben. Ein Netz könne aber auch ein Symbol für Einengung sein, man sei darin gefangen, verstrickt und hilflos.

Die Lesung zur Auferweckung des Jünglings von Naim zeigte, dass die Witwe ohne ihren Mann rechtlich unfrei war, was sich durch den Tod ihres Sohnes noch verschärfte. Daher schenkte ihr Jesus durch die Auferweckung ihres Sohnes neue Perspektiven, sie konnte frei sein und sich aus dem Netz der Gesellschaft befreien. „Auch wir brauchen Menschen, die zu uns sagen: ,Steh auf – denn du hast Leben!‘“, erklärte Hetzel.

Zwar sei die Trauer um unsere Verstorbenen wichtig, sie dürfe uns aber nicht einengen. Für uns Christen gebe es keine Trauer ohne Perspektiven, denn Jesus schenke uns Lebenszuversicht. Ein Leben bei Gott sei ohne Grenzen, ohne die Einengung durch ein Netz, wie im Psalm 124 zu lesen ist: „Unsere Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Netz des Vogelfängers; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.“

Nach der kurzen Andacht in der Aussegnungshalle begab sich Hetzel auf den Weg durch den Friedhof. Besucht wurden das Priestergrab, das Schwesterngrab, die Kapelle und die Gedenkstätten für die Heimatvertriebenen im Friedhof. Im Anschluss daran segnete er alle Gräber mit Weihwasser. Das Weihwasser solle jeden Einzelnen an seine Taufe erinnern, so Hetzel, und uns immer helfen, unsere Verbindung mit Gott zu halten.