"Man spürt, dass die Leute so ein Fest wollen", sagt Regina Bruckmann. Mit dem Fest meint die Bürgermeisterin das 1111-jährige Bestehen von Lonnerstadt , das im Jahr 910 erstmals urkundlich erwähnt wurde. 2021 sollte gefeiert werden, und die Euphorie sei groß gewesen. Ein "fieses Virus" habe das verhindert. Jetzt soll das Jubiläum - nach Beschluss des Marktgemeinderats - im nächsten Jahr nachgeholt werden.

Der Freude und dem Elan der Lonner­städter wird das wohl keinen Abbruch tun. Dass sie zu feiern verstehen, haben sie bei der 1100-Jahr-Feier im Jahr 2010 bewiesen. Es war ein grandioses Fest , das Besucher aus der ganzen Umgebung anzog. "Wir sollten jedoch nicht den Fehler machen, das zu kopieren", sagte Bruckmann gegenüber dem FT. Der Bürgermeisterin schwebt vielmehr "etwas Eigenständiges" vor: ein Fest für das Dorf und seine Bürger , das die Gemeinschaft weiter fördern soll. Sie glaubt, dass Neubürger mit "Loschedd" und seiner Geschichte möglicherweise nicht allzu sehr vertraut sind. Ein Festwochenende am Marktplatz , "wo sich die Vereine präsentieren können", wäre nach Meinung der Bürgermeisterin dazu geeignet, die Gemeinde und die Bürger einander näherzubringen. "Drumherum" wären nach Bruckmanns Meinung verschiedene kulturelle Veranstaltungen wie Dorf- oder Kellerführungen begleitend angebracht.

Auflösung des Arbeitskreises abgelehnt

Zur Gemeinderatssitzung am Montag hatten sich so viele Bürger eingefunden, dass die Bürgermeisterin um die Einhaltung der nötigen Abstände bat. Die meisten unter den Zuhörern arbeiteten im "Arbeitskreis Dorfgemeinschaft" für die Ausrichtung der Jubiläumsfeier mit, erklärte Bruckmann gegenüber dem FT.

Diesen Arbeitskreis aufzulösen, hatte mit Mail vom 5. März Gemeinderat Giovanni Daniele beantragt. Als in der Sitzung am Montag über seinen Antrag abgestimmt wurde, blieb Daniele jedoch auf einsamem Posten: Sein Antrag wurde abgelehnt.

In einer E-Mail, die der Presse vorliegt, begründete Daniele seinen Antrag damit, "dass der Arbeitskreis in den Aufgabenbereich des Gemeinderats selbsttätig eingreift, die Öffentlichkeit mit unabgestimmten Tatsachen fehlinformiert sowie den Gemeinderat vor vollendete Tatsachen stellt und somit Entscheidungen (...) mit unlauteren Mitteln beeinflusst". Hintergrund sind wohl die vorbereitenden Absprachen im Arbeitskreis, insbesondere die Musikveranstaltungen betreffend, die im Hinblick auf die im Jahr 2021 geplante Durchführung erfolgten. "Es war natürlich notwendig, Termine zu reservieren, sonst sind die Musikkapellen ausgebucht", sagte dazu Bürgermeisterin Bruckmann. Sie habe das unterschrieben und sie sei dazu auch berechtigt. Gerrit Hoppe, Dritter Bürgermeister und Vorsitzender des Arbeitskreises, habe "nichts gemacht, was er nicht machen darf", erklärte Bruckmann.

Gleich eingangs der Sitzung hatte Daniele die Vertagung des Tagesordnungspunktes "Ausrichtung der Jubiläumsfeier im Jahr 2022 durch die Marktgemeinde Lonnerstadt " beantragt. Als Begründung trug er vor, dass es bislang weder einen Gemeinderatsbeschluss über das Jubiläumsfest noch einen Beschluss über die Freigabe von Haushaltsmitteln wie auch über Kostenregelung oder Gewinnaufteilung gebe. Wenn es nach Daniele geht, soll ein eventueller Gewinn in die Sanierung der Dorfkirche oder für Projekte des Seniorenforums verwendet werden.

Arbeitskreis soll Jubiläum gestalten

Doch der Tagesordnungspunkt wurde per Beschluss nicht abgesetzt. Auch alle übrigen Beschlüsse wurden bei der Gegenstimme von Giovanni Daniele gefasst. Demnach soll das 1111-jährige Bestehen im Jahr 2022 nachgefeiert werden. Dafür wird im Etat ein Haushaltsposten eingestellt, dessen Höhe erst festgesetzt wird, wenn abzuschätzen ist, was gebraucht wird. Die Gestaltung des Jubiläums wird laut Beschluss der Arbeitskreis Dorfgemeinschaft übernehmen.