Zur Stellungnahme von Ralf Schwab, FDP-Bundestagskandidat und Gemeinderat in Möhrendorf, unter der Überschrift ",Geldverschwendung': FDP-Politiker sieht Krankenhaus als zu ineffizient" im FT vom 13. Februar, erreicht uns folgender Leserbrief:

Nachdem ich den von Herrn Ralf Schwab geschriebenen Artikel über die angebliche "Geldverschwendung und Ineffizienz des Kreiskrankenhauses" gelesen hatte, brauchte ich erst ein paar Tage, um meine Wut und die Fassungslosigkeit solcher Aussagen, einer klaren und objektiven Meinungsäußerung zu diesem Thema gerecht zu werden.

Hier ist sie: Seit nunmehr 25 Jahren bin ich Mitarbeiterin des Kreiskrankenhauses, ich erlaube mir hiermit sehr wohl zu sagen, dass ich alle Mitarbeiter , die Abläufe, die verschiedenen Arbeitsbereiche und Abteilungen sehr gut kenne. Im Krankenhaus kennt man mich als Menschen, der klare Aussagen macht, keine Augenwischerei betreibt, sehr wohl auch kritikfähig ist und Missstände benennen kann ...Und, ja, das Defizit ist da, schon seit Jahren, steigend - aber von Ineffizienz und Geldverschwendung zu reden, ist ein Schlag ins Gesicht für alle langjährigen Mitarbeiter , die täglich mit hoher Qualität, Idealismus für diesen Beruf , Herzblut und einer tiefen Verbundenheit zu diesem Haus, ihrer Arbeit zum Wohle der Patienten nachgehen.

Sicher, es läuft nicht immer alles rund, wie an allen Orten, wo Menschen tätig sind und insbesondere dort, wo mit viel Nähe auf die verschiedensten Bedürfnisse von kranken Menschen eingegangen wird. Dort werden eben keine Vorgänge bearbeitet, keine Akten verwaltet. Da werden in erster Linie Menschen versorgt.

Investitionskosten kommen früher oder später in jedem Unternehmen zum Tragen, so auch in diesem Krankenhaus. Dass ein Haus der Grund- und Regelversorgung nicht unbedingt gewinnbringend arbeiten kann, ist für jeden, der sich die Mühe macht, ein so ineinander verzahntes Regelwerk wie ein Krankenhausbetrieb, mit eigener Küche, Zentralsterilisation, verschiedenen operativen und Fachbereichen, Palliativeinheit, Intensivstation , zu verstehen, klar.

Obwohl wir ein kleines Krankenhaus sind, werden bei uns die gleichen Hygienestandards einhalten, die gleichen Funktionsdienste in Bereitschaft gehalten usw. Und das kostet bei einem Haus dieser Größe ungleich mehr, als bei einer großen Klinik! Das liegt aber an der derzeitigen Gesundheitspolitik, die ausschließlich auf Fallzahlen setzt. Am besten noch in ausgewählten Fachgebieten. Oder man setzt vor Ort auf ein Krankenhaus mit solider Eigen- und Notversorgung der Bevölkerung.

Sicher liegt das Defizit auch nicht an in der Vergangenheit getroffenen Entscheidungen, die man heute vielleicht anders treffen würde. Im Nachhinein betrachtet und mit sich stetig ändernder Gesetzeslage sind solche Aussagen leicht getroffen, allerdings bin ich überzeugt, dass keiner der im Krankenhaus in Verantwortung Stehenden und in der Vergangenheit dort Gestandenen vorsätzlich falsch entschieden hat.

Ja, ich bin ein absoluter Befürworter genau solcher Krankenhäuser vor Ort im ländlichen Raum, für die Bevölkerung dort, wo solide Grundversorgung stattfinden kann, wo Daseinsfürsorge betrieben wird, wo Menschen keine Nummern sind, keine Diagnosen. Solche Krankenhäuser sollten uns Wert sein, zu erhalten. Haben gerade die in der Pandemie nicht schier Unglaubliches geleistet, jeder Mitarbeiter an seinem Platz?

Und noch eine kurze Anmerkung zum Thema Impfen im Krankenhaus: hygienisch, technisch sicher kein Problem - ich würde mich freiwillig sogar bereit erklären, mitzuhelfen unsere Bevölkerung vor Ort zu impfen, weil ich das ganz wichtig finde, aber:

Halten Sie es wirklich für sinnvoll, potenzielle Krankheitsträger in Massen in einem Bereich zu impfen, wo gerade Kranke , Ältere, Geschwächte versuchen, gesund zu werden? Kontaktbeschränkungen, Besuchsverbote, all diese Maßnahmen dienen dem Schutz der uns anvertrauten Patienten ! Genau das ist effizientes Handeln und Maßnahmen zum Bürgerwohl!

Susann Waller, Etzelskirchen