Zwei Jahre lang fand die traditionsreiche Dettelbacher Wallfahrt unter Coronabedingungen statt. In diesem Jahr stand die 383. Gelöbniswallfahrt jedoch wieder im gewöhnlichen Format auf dem Programm. Über 50 Fußwallfahrer beteiligten sich daran und machten sich bereits am Samstagmorgen auf den rund 60 Kilometer langen Weg. Ihnen schlossen sich weitere Lauftüchtige am Sonntagmorgen an, um trotz regnerischem Wetter die letzten fünf Kilometer zurückzulegen.

Das Organisationsteam mit Karola Lorz, Renate Kaspar, Wolfgang Dorsch, Hubert Scheidel und Gerhard Wirkner freute auch über die Teilnahme von Angela Neudörfer. Sie hatte als „ Mutter der Fußwallfahrer“ vor 33 Jahren mit Gleichgesinnten den ursprünglichen Weg der Höchstadter Gelöbniswallfahrt neben den Busreisenden wieder zu Fuß zurücklegen wollten.

Ein Geistlicher aus Ostafrika

Mit Roland und Andrea Vogel und ihren Helfern war dieses Mal auch ein Begleitteam für die Verpflegung der Fußwallfahrer im Einsatz. Unter die Fußwallfahrer mischte sich auch der aus Eritrea stammende Priester Alazare Kiflom-Kidane, der dem Salesianerorden angehört und derzeit in Bologna wirkt.

Kiflom hält sich derzeit bei seiner Mutter auf, deren Familie von der St.- Georgspfarrei vor Jahren als Flüchtling aufgenommen wurde und die seither in Höchstadt lebst. Als Pater Alazare davon erfuhr, dass die Wallfahrt alljährlich als Gelöbnis zur Erhaltung des Friedens gestaltet wird, wollte er für sein Volk gehen, das sich im Krieg mit Äthiopien befindet. Dabei war es ihm wichtig zu erinnern, „dass es neben dem Ukrainekrieg auch auf dem afrikanischen Kontinent und weltweit seit Jahren kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Völkern in gleich schwer geführter Härte und Brutalität gibt, die kaum in der öffentlichen Wahrnehmung vorkommen“.

Gemeinsamer Einzug in die Kirche

Auch die Radwallfahrer unter der Leitung von Elmar Gerner hielten auf ihrer Wegstrecke am frühen Morgen des Sonntages in der Geiselwinder St.-Burkhardskirche mit dem Ortspfarrer Joseph Kollathuparampil eine Gebetsandacht für den Frieden in der Welt. Zusammen mit den Gläubigen, die am Sonntagmorgen mit dem Bus nach Dettelbach aufgebrochen waren, zogen die Höchstadter Pilger in die Dettelbacher Wallfahrtskirche ein.

Im festlichen Gottesdienst verglich Stadtpfarrer Kilian Kemmer das Bild vom gemeinsamen Weg einer Wallfahrt in ihren verschiedenen Varianten mit der Kirche. Menschen, die in ihrem Leben Fragen stellen nach Sinnhaftigkeit, Zielen und Krisenbewältigung öffnen sich für die Antworten des Glaubens, legen einen gemeinsamen, nicht immer einfachen Weg zurück. Sie begleiten und stützen sich und haben dabei ein gemeinsames Ziel vor Augen.

Ein gemeinsamer Weg, der in gereizter Stimmung, einem Parteitag ähnlich, Strukturdebatten führt, Buchstabenglauberei betreibt und über richtig oder falsch Mehrheitsbeschlüsse entscheiden lässt, sei wenig zielführend, so Kilian Kemmer .

Eine Wallfahrt lässt aus sicht des Geistlichen Kraft für einen Weg in die Zukunft erahnen, der nur gemeinsam zurückgelegt werden kann.

Vielfältige Musik

Maria Marx gestaltete parallel einen Kindergottesdienst im benachbarten Klostersaal. Mit der Stadtkapelle, dem Kirchenchor, der NGL-Band der Familie Först, Michael Ulbrich am Klavier und Henning Schwarz an der Orgel gab es verschiedene musikalische Beiträge zu hören. red