Wenn es nach den Hobbygärtnern geht, die in Herzogenaurach in der Goethestraße bei der Gärtnerei Gauch anstehen, dann scheint es in diesem Jahr keine Eisheiligen mehr zu geben. Vom 12. bis 15. Mai stehen die Eisheiligen im Kalender, die meistens die Kälte noch einmal zurückkommen lassen. Das sonnige und warme Wetter des Sonntags und des Montags hat offensichtlich bei den Hobbygärtnern die Lust an ihrem Garten wieder geweckt, nachdem der März und der April mit Nässe, Kälte und Frost die Arbeiten eher erschwert hatten.

Auch Firmenchef Peter Gauch rechnet nicht mehr damit, daß die Temperaturen in dieser Woche noch einmal unter 0 Grad Celsius fallen werden. In seiner Gärtnerei sind daher momentan vor allem Tomaten-, Paprika-, Zucchini- und Salatpflanzen sehr gefragt. Wobei Gauch in diesem Jahr verstärkt auch ausgefallenere Tomatensorten im Angebot hat. Neben Eiertomaten, Berner Rose und Cocktailtomaten auch Sorten wie Matina (rot und rund), Pink Bumble Bee (Rosa-gelb), Orange Betty (orange, oval), die Cocktailtomate Pink Tiger (rot-gelb, oval), Rose Quartz (rosa oder hellrot), Cookie (rot-grün, rund) oder Sunrise Bumble Bee. Die zahlreichen Sorten mit ihren verschiedenen Formen und Farben kommen bei den Kunden gut an. Außerdem macht es Peter Gauch Spaß, diese Varianten heranzuziehen, die auch durch ihren Geschmack bestechen.

Vier ganz verschiedene Heilige

Die Eisheiligen sind bei Gärtnern und Landwirten gefürchtet. Denn erst nach diesen sollte man seine frostempfindlichen Pflanzen ungeschützt in den Garten ausbringen. Eine alte Bauernregel besagt daher: „Pankraz, Servaz und Bonifaz, machen Eis und Frost gern Platz. Und zum Schlusse fehlet nie, die kalte Sophie.“

Diese vier Heiligen haben außer der Tatsache, dass ihre Festtage beieinander liegen, kaum etwas miteinander gemein. Pankratius wurde im Alter von 14 Jahren vermutlich unter Kaiser Diokletian enthauptet. Angeblich war er der Sohn eines reichen Phrygiers, der von Papst Cornelius zum christlichen Glauben bekehrt wurde. Sein Grab fand er an der zweiten Meile der Via Aurelia, wo ihm Papst Symmachus um 500 eine Basilika erbauen ließ. Sein Kult ist in ganz Mitteleuropa verbreitet. Gelegentlich ist er auch unter den 14 Nothelfern zu finden.

Servatius stammte vermutlich aus dem Orient und war einer der Hauptgegner der Arianer auf der Synode von Sardica. Danach wurde er Bischof von Tongern. 366 und 384 sind Reisen nach Rom bezeugt, er starb 384 in Maastricht.

Bei Bonifatius unter den Eisheiligen handelt es sich nicht um den Apostel der Deutschen, sondern um Bonifatius von Tarsus, dessen Festtag am 14. Mai begangen wird. Nach einer romanhaften griechischen Passio starb er im vierten Jahrhundert für seinen Glauben in Tarsus. Der nach Rom gebrachte Leichnam wurde an der Via Latina beigesetzt.

Anzucht im „Mistbeet“

Sophie endlich stammte nach einer legendären Leidensgeschichte aus dem Osten des Römischen Reiches. Als sie mit ihren drei Töchtern nach Rom gekommen war, wurden sie dort wegen ihres Glaubens gefangen genommen und die Töchter enthauptet. Die Mutter starb kurz danach am Grab ihrer Kinder.

Erst nach diesen frostigen Gesellen, also am 16. Mai, brachten früher die Kleingärtner ihre vorgezogenen Pflanzen in den Garten aus. Zuvor hatte man sie auf der Fensterbank oder im „Mistbeet“, das abgedeckt werden konnte, heranwachsen lassen. Nicht selber gezogene Pflanzen holten sich die Herzogenauracher früher beim Blumen Schoetzau (Erlanger Straße 4, zuvor „Buri Ger“), beim Schaufler (Erlanger Straße 19), der Gärtnerei Gauch (Noppengasse 7) oder beim Meidel (Bamberger Straße 18). Pflanzen gab es auch im Liebfrauenhaus, das früher eine eigene Gärtnerei betrieb. Dort konnte man neben Komposterde auch Pflanzen von einer Ordensschwester kaufen. Ein großes Areal bewirtschaftete das Liebfrauenhaus zur Selbstversorgung in Eigenregie.

Bei den Gärtnern war es zudem früher üblich, die Bohnen am ersten Freitag im Mai zu „legen“. Aber auch für die Kartoffeln galt der Wahlspruch: „Steckst mi im April, kummi wenni will! Steckst mi im Mai, kummi glei!“