Bei der Gemeinderatssitzung am Montag versuchte Gemeinderat Hermann Popp seinen Ratskollegen Giovanni Daniele davon zu überzeugen, dass „Quertreiberei“ in diesem Gremium fehl am Platze sei. Popp ging sogar noch weiter: „Ich bitte Sie darum, dass Sie konstruktiv bei uns mitmachen.“ Zusammenhalt müsse in einer finanziell schwachen Gemeinde wie Lonnerstadt das Ziel sein.

Der seit seinem CSU-Austritt fraktionslose Daniele ist bei vielen Abstimmungen Einzelkämpfer. Er hatte auch den Bürgerentscheid initiiert, bei dem über die Errichtung der Photovoltaikanlage entschieden wurde. Am 26. September hatte sich die Mehrheit der Lonnerstadter für die Anlage ausgesprochen.

Der Bürgerentscheid habe übrigens 9600 Euro gekostet, gab Bürgermeisterin Regina Bruckmann bekannt.

Bei der Sitzung am Montag galt es, über einen erneuten Antrag der „ Bürgerinitiative gegen Ungleichbehandlung der Bürger Lonnerstadts“ abzustimmen. Als deren Vertreter beantragte Daniele die Änderung der aktuellen gemeindlichen Vergabepraxis beim Verkauf von gemeindeeigenen Grundstücken an Bürgermeister , Gemeinderäte und deren Angehörige . Gemeindeeigene Grundstücke sollen laut Antrag künftig öffentlich ausgeschrieben werden, damit alle Bürger sowohl Kenntnis als auch Zugang zu den Grundstücken hätten.

Ein „Mehrwert“ für Lonnerstadt

Was ohnehin aus Danieles Begründung hervorging, sprach Hermann Popp an: Es gehe um das Grundstück neben der Mühle, das die Familie der Bürgermeisterin erworben hat. Darauf stand eine marode alte Salzhalle. Wie bereits beim Bauantrag berichtet, soll nach dem Konzept der neuen Eigentümer ein Mühlenladen mit Café entstehen. Geplant ist ein eingeschossiges barrierefreies Gebäude mit Außensitzplätzen und einem Erlebnisbereich. Neben klassischen Mühlenprodukten sollen auch regionale landwirtschaftliche Erzeugnisse angeboten werden.

Über den Verkauf der rund 400 Quadratmeter Fläche bei der Mühle herrschte im Gremium eine einhellige Meinung: Das angestrebte Konzept habe nur Vorteile für Lonnerstadt . Laden und Café wären ein „Mehrwert“ für die Infrastruktur der Gemeinde. Denn es gebe im Ort keinen Bäcker und keinen Metzger mehr, auch nur noch einen Gasthof. Würde jedes Grundstück ausgeschrieben, sei damit zu rechnen, dass Spekulanten danach greifen.

Bei der Sitzung ging es jedoch ausschließlich um die Zulässigkeit des Bürgerantrags. Norbert Stoll, Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft, hatte den Antrag in allen Punkten geprüft. Da der Antrag alle Voraussetzungen erfüllt, wurde per Beschluss dessen Zulässigkeit festgestellt. Jetzt hat die Gemeinde drei Monate – spätestens bis 11. Januar 2022 – Zeit, das Thema des Antrags zu behandeln und zu überlegen, wie man vorgehen will.

Beschlüsse für Photovoltaikanlage

Nach dem Bürgerentscheid kann es mit der Freiflächenphotovoltaikanlage weitergehen. Bei der Sitzung wurde der Entwurf des Bebauungsplanes gebilligt. Die für die Fortführung der Bauleitplanung und die öffentliche Auslegung nötigen Beschlüsse wurden – jeweils gegen die Stimme von Giovanni Daniele – gefasst.

Stefan Paulus von der Projektgesellschaft „Wust, Wind und Sonne“ stellte den Planentwurf noch einmal vor. Demnach beträgt der gesamte Geltungsbereich rund sechs Hektar. 4,5 Hektar werden als Sondergebietsfläche ausgewiesen. Im Osten und im Westen soll die Anlage durch Hecken eingegrünt werden. Im Norden und Süden grenzt Wald an. Die Anlage soll eine Leistung von 4,5 Megawatt bringen.