Am 10. Mai 1871, vor nunmehr 150 Jahren, fand mit dem Frieden von Frankfurt am Main der deutsch-französische Krieg sein Ende. Mit diesem Krieg verlor Frankreich seine Vormachtstellung in Europa und wurde Republik.

Die französische Prestigepolitik und die Furcht des französischen Kaiserreichs vor dem preußisch-deutschen Hegemonialstreben hatte zum deutsch-französischen Krieg 1870/71 geführt. Auslöser waren die spanische Thronkandidatur durch Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, die dieser auf französischen Druck zurücknahm, und die sogenannte „Emser Depesche“, mit der Otto von Bismarck , damals preußischer Ministerpräsident, die französische Diplomatie in Zugzwang brachte.

Frankreich erklärte am 19. Juli 1870 Preußen den Krieg. Otto von Bismarck hatte durch sein diplomatisches Geschick die Neutralität Englands, Österreichs und Italiens erreicht. Außerdem ergab sich eine für den französischen Kaiser Napoleon III. unerwartete Konstellation: Die süddeutschen Staaten traten auf der Seite Preußens in den Krieg gegen Frankreich ein.

Fast alle kehrten zurück

Der Herzogenauracher Stadtschreiber Johann Schürr notierte in seiner Chronik, dass bereits am 16. Juli 1870 der Befehl zur Mobilmachung der Armee ergangen war. Aus Herzogenaurach nahmen 44 Soldaten am Krieg teil. Schürr vermerkte weiter in seiner Chronik: „In dem Kriegsjahre 1870 mussten von hiesiger Stadt viele Militairpflichtige mit vor den Feind, kehrten aber alle zurück bis auf Georg Römmelt, welcher durch die Schlacht bei Sedan vermisst, und der Soldat Zöllner, welcher zu Cortrail in Folge ausgestandener Strapazen dem Typhus erlag.“

Die Offensive der deutschen Truppen unter dem Chef des Generalstabs , Helmuth von Moltke, mündete am 1. September 1870 in die Schlacht bei Sedan. Es folgte die Kapitulation der Armee von Marschall Patrice de Mac Mahon und Gefangennahme des französischen Kaisers Napoleon III.

Johann Schürr notierte in seiner Chronik: „2. September abend wurde die Nachricht vom großen Siege bei Sedan an dem die bayer. Truppen ruhmvollen Antheil nahmen u. von der Gefangennehmung des Kaisers Napoleon bekannt. Sie erregte die freudigste Stimmung in der Stadt , deren Straßen sich mit Fahnen schmückten und Illumination folgten. Die jubelnde Menge wogte unter Hurrahrufen u. Freudenschüssen in den Strassen umher.“ Während des Krieges waren sechs „Feldzugs-Soldaten“ im Krankenhaus von Herzogenaurach untergebracht.

Ein Brief von der Front

Nach der Niederlage und der Gefangennahme des Kaisers erfolgten in Frankreich am 4. September 1870 die Proklamation der Dritten Republik und die Bildung einer Regierung der nationalen Verteidigung durch die gemäßigten Republikaner Jules Favre und León Gambetta. Der Belagerung von Paris durch deutsche Truppen entkam Gambetta im Freiballon und organisierte den Volkskrieg mit Franctireurs (Freischärlern, bewaffnete Zivilisten). Diese Ersatzheere wurden durch die deutschen Truppen entweder geschlagen oder über die Schweizer Grenze abgedrängt.

Der spätere Herzogenauracher Ziegeleibesitzer Anton Zimmerer, der 1927 starb, nahm als Soldat des 14. Infanterieregiments, 3. Bataillon, 9. Kompanie, 8. Brigade bei der 4. Division am Feldzug nach Frankreich teil und war bei der Belagerung von Paris dabei. In einem Brief vom 10. Oktober 1870 schrieb er an seine Eltern: „Wir haben jetzt strengen Dienst, liegen schon drei Wochen vor Paris und kommen immer über den andern Tag auf Vorposten, wo man die Stadt Paris recht schön vor Augen hat.“

Die Stadt war mit Menschen überbelegt, denn „die Leute, die in den kleinen Städten waren, haben sich alle nach Paris geflüchtet, weil ihnen vorgemacht wurde, die Deutschen plündern und rauben alles“, wusste Zimmerer zu berichten. Er hatte beim Anmarsch auf Paris die verlassenen Ortschaften sowie verwüsteten Gärten und Weinberge gesehen. „In der ganzen Umgegend von Paris ist bereits kein Stück Vieh mehr zu finden als wie ein paar dürre Katzen oder Hunde, welche die Franzosen zurückgelassen haben.“ Mit dem hereingeführten Vieh sollte die Versorgungslage der Stadt Paris für die Belagerung gewährleistet werden.

Paris kapituliert

In seinem Brief schrieb Zimmerer weiter: „Die Bekannten, die bei mir sind, sind noch alle gesund, der Schürr, der Zimmentsknecht, der Körner, der Strattner von Münchaurach und der Willert von Buch, die sind alle bei meinem Bataillon.“ Im Januar 1871 musste die belagerte französische Hauptstadt Paris schließlich vor den deutschen Truppen kapitulieren.

Otto von Bismarck nutzt die nationale Kriegsbegeisterung und initiiert die Gründung des zweiten deutschen Kaiserreiches nach Verträgen mit den Einzelstaaten wie Bayern, Baden, Württemberg und Hessen. Durch König Ludwig II. von Bayern erfolgte am 18. Januar 1871 im Namen der deutschen Fürsten die Proklamation von König Wilhelm I. von Preußen zum deutschen Kaiser im Spiegelsaal von Versailles. Im Februar 1871 wählte die französische Nationalversammlung in Bordeaux Adolphe Thiers zum „Chef der Exekutive“. Die neue Regierung trat im Vorfrieden von Versailles Elsass-Lothringen an das Deutsche Reich ab und zahlte fünf Milliarden Francs Kriegsentschädigung. Mit dem Frieden von Frankfurt am Main vom 10. Mai 1871 verlor Frankreich seine bisherige Vormachtstellung in Europa an das neu gegründete Deutsche Reich . Bis zur Bezahlung der Kriegsentschädigung im Jahr 1873 waren sechs Departments von deutschen Truppen besetzt. Mit der Kriegsentschädigung wurde in Deutschland ein wirtschaftlicher Aufschwung angestoßen, der üblicherweise als Gründerzeit tituliert wird.

Die Feier des Sedantags

Ein Kollateralschaden des deutsch-französischen Krieges zeigte sich in Italien. Nachdem die französischen Truppen, die bisher den Kirchenstaat und den Papst geschützt hatten, aus Italien abgezogen waren, wurde Rom durch italienische Truppen besetzt. Papst Pius IX. verblieb lediglich die Hoheit über den Vatikanstaat, Rom avancierte zur Hauptstadt Italiens.

Zum Gedenken an den erfolgreichen Kriegsverlauf wurde im deutschen Kaiserreich alljährlich der Sedantag feierlich begangen und verdrängte das Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig des Jahres 1813. In Herzogenaurach wurde 1871 der Veteranen- und Kampfgenossenverein gegründet. Er organisierte unter anderem die Feier am Sedantag.

In Herzogenaurach begann im Jahr 1876 die Sedanfeier am 3. September mit einem Zapfenstreich, einem Tagreveille (Weckruf) und Böllerschüssen um 6 Uhr. Eine Stunde später erfolgte der Kirchengang des Veteranenvereins in Begleitung der teilnehmenden Vereine. Um 11 Uhr fanden musikalische Darbietungen auf dem Marktplatz statt. Der Zug zum Festplatz im Weihersbach setzte sich um 13 Uhr in Bewegung. Dort fanden um 14 Uhr eine Begrüßungsansprache des Veteranenvereins und um 16 Uhr eine Festrede statt. In der Zwischenzeit gab es abwechselnd Musik und Volksgesänge, ab 19 Uhr wurde der Festplatz beleuchtet und zusätzlich um 20 Uhr mit einem Feuerwerk illuminiert. Im Anschluss daran bewegte sich ein Fackelzug in die Stadt mit Huldigung ihrer Majestäten König Ludwig II. von Bayern und Kaiser Wilhelm I. von Deutschland unter Beleuchtung des Marktplatzes mit bengalischem Feuer und einem eisernen Kreuz in Brillantfeuer.

Für den Sieger von Sedan, Generalfeldmarschall Graf Helmuth von Moltke (1800-1891), wurde anlässlich seines 90. Geburtstags am 25. Oktober 1890 von Magistratsrat Christoph Fischer eine Linde bei der städtischen Anlage am Weihersbach gepflanzt.

Zur Erinnerung an den Krieg sollte ein Denkmal in Herzogenaurach errichtet werden. Die Wahl fiel auf einen Obelisken aus Fichtelberger Granit mit einer Höhe von 4,50 Metern der Firma G. A. Bruchner aus Wunsiedel. Der Kostenvoranschlag betrug 1100 Reichsmark. Geplant wurde das Denkmal von dem Herzogenauracher Baumeister und Magistratsrat Andreas Kurr. Die Finanzierung schulterten die drei Herzogenauracher Veteranenvereine, die das Geld durch eine Haussammlung, Spenden und einen Zuschuss der Stadt Herzogenaurach aufbrachten.

Nach langem Hin und Her kristallisierte sich der Aufstellungsort am Marktplatz heraus. Für Konfliktstoff sorgte auch das Anliegen der Teilnehmer des preußisch-österreichischen Krieges des Jahres 1866, die sich ebenfalls auf dem Obelisken verewigt wissen wollten. Aber auch dieser Dissens konnte beigelegt werden.

Obelisk zieht zweimal um

Als Termin für die Übergabe an die Öffentlichkeit bot sich das Jubiläum 25 Jahre nach dem Sieg bei Sedan an. Der Obelisk wurde in zeitlicher Nähe zum Sedantag, am 6. September 1896, an seinem Standort am Marktplatz eingeweiht. 1939 versetzt man ihn in den Weihersbach. Seit dem 22. November 1998 ziert er nunmehr den Vorbereich vor dem Alten Friedhof an der Erlanger Straße.

Der Obelisk trägt die Aufschrift: „Den Lebenden zur Erinnerung

Den Gebliebenen zum Andenken

An den glorreichen Feldzug 1870-71

Errichtet dieses Denkmal die dankbare Stadt Herzogenaurach i. J. 1896.“

Auf der Rückseite ist die Inschrift: „Erinnerung an 1866“.

Auf der Vorderseite finden sich die Namen der beiden Toten des Waffengangs, Georg Römmelt, Soldat beim königlich bayerischen 14. Infanterieregiment, vermisst bei Bazeilles am 1. September 1870. Außerdem Johann Hagen, Soldat beim königlich bayerischen Infanterieregiment, gestorben in Longwy, 4. März 1873. Dagegen findet sich nicht der von Johann Schürr erwähnte Soldat Zöllner unter den Opfern des Krieges.

Auf dem Podest des Obelisken finden sich die Namen der Teilnehmer der beiden Feldzüge eingemeißelt. Darunter ist auch der Name von Maria Zimmerer, die auf Anregung der Veteranenvereine mit aufgenommen wurde. Sie hatte sich 1870 dem „Herzogenauracher Zweigverein zur Unterstützung im Feld verwundeter und kranker Soldaten “ angeschlossen und während des Krieges in Frankreich als barmherzige Schwester Verwundete gepflegt.